Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Morphinproduktion in menschlichen Zellen - erforscht von der Thailänderin Chotima Poeaknapo

22.12.2004


Chotima Poeaknapo (30) lebt und arbeitet in Halle (Saale). Zuvor hat sie in Bangkok Pharmazie studiert und eine ausgezeichnete Magisterprüfung abgelegt. Sie war so gut, dass sie bei einem Auswahlverfahren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) unter mehr als 50 PharmazeutInnen aus ganz Thailand einen der zwei zu vergebenden Doktorandenplatze in Deutschland bekam. Im Internet war sie auf die Morphin-Forschungen von Prof. Dr. Meinhart Zenk - damals noch Ludwig-Maximilians-Universität München, seit 1999 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg - gestoßen und sofort begeistert: Das Thema interessierte sie, Prof. Zenk sollte ihr Doktorvater werden. In Marburg lernte sie ein halbes Jahr lang Deutsch und gehört nun seit 2001 zu einer 5-köpfigen Arbeitsgruppe, die von Professor Zenk geleitet wird.



Die Frage, ob menschliche Zellen überhaupt in der Lage sind, Morphin zu bilden, beschäftigt die Wissenschaft seit hundert Jahren! Schon 1903 wurde erstmals - von dem Franzosen Mario Mavrogiannis - die Vermutung geäußert, dass im menschlichen Körper Prozesse ablaufen, die wie Morphinproduktion wirken. Aber erst 1976 entdeckte der Amerikaner Alan R. Gintzler auf experimentellem Wege Morphin, das wahrscheinlich nicht durch Aufnahme in den menschlichen Körper gelangt war.



Kern der Arbeit von Chotima Poeaknapo ist der Nachweis, dass der menschliche Körper selbst schmerzhemmendes Morphin bilden kann. Mit Hilfe markierter Sauerstoffmoleküle, die eine bestimmte Zeitlang auf die Testzellen einwirkten, konnte bewiesen werden, "dass Reticulin und Norlaudanosolin auf demselben Stoffwechselweg wie Morphin synthetisiert werden" und dem Schlafmohn ähnlich sind. Ob allerdings die menschliche Morphin-Produktion zwangsläufig an extreme Erlebnisse mit Schockwirkung (Abtrennen von Gliedmaßen oder andere gravierende und lebensbedrohliche Verletzungen) gebunden ist, kann derzeit nur vermutet werden. Auch die Suche nach den an der Morphium-Synthese im menschlichen Körper beteiligten Genen wird erst in späteren Forschungsarbeiten erfolgreich sein.

Sollten sich die bereits in der Fachpresse publizierten Ergebnisse der Versuchsreihen mit sterilen, autonomen humanen Zellkulturen bestätigen, wäre ein Durchbruch zugunsten daraus zu entwickelnder Arzneimittel - mit denen man beispielsweise der gefürchteten Neuro-Disease (nicht-seelische Nervenerkrankungen, zum Beispiel Parkinson) zu Leibe rücken könnte - erreicht.

Dr. Carl Y. Saab (Yale University School of Medicine) bemängelte an den Versuchen der halle­schen Arbeitsgruppe, sie seien ausschließlich außerhalb des menschlichen Körpers durchgeführt worden. Diesem Einwand hält Poeaknapo entgegen: Es war eben nur durch die Verwendung lebender, steriler, humaner Zellkulturen möglich nachzuweisen, dass das gefundene Morphin keinesfalls einen anderen Ursprung hat als die menschliche Zelle selbst. Tierversuche werden den nächsten Schritt bilden, ehe dann - sicher nicht in allernächster Zukunft - die Phase anbricht, in der Medikamente entwickelt werden, die man zur Therapie bestimmter Krankheitsbilder wirksam einsetzen kann.

Auf jeden Fall haben die Veröffentlichungen im September 2004 die Fachwelt aufhorchen lassen und bereits zur Ausweitung der Forschungskontakte auf diesem Gebiet geführt. Anfragen aus mehreren Universitäten im In- und Ausland werden die seit Jahren enge Zusammenarbeit zwischen dem Biozentrum, dem Fachbereich Pharmazie der Martin-Luther-Universität (insbesondere der Abteilung Biogene Arzneistoffe) und dem halle­schen Institut für Pflanzenbiochemie erweitern und bereichern und möglicherweise zu rascherem Fortschritt auf diesem Forschungsgebiet führen.

Chotima Poeaknapo will, nach Abschluss ihrer Dissertation im Frühjahr 2005, auf jeden Fall der pharmazeutischen Forschung treu bleiben - zu welchen Problemen und wo - steht noch nicht fest.

Nähere Informationen:
Chotima Poeaknapo
Telefon: 0345 55-25065
E-Mail: chotima.poeaknapo@biozentrum.uni-halle.de
Prof. Dr. Meinhart H. Zenk
Telefon: 0345 55-25064
E-Mail: zenk@biozentrum.uni-halle.de

Ingrid Godenrath | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Berichte zu: Morphin Morphinproduktion Poeaknapo

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Abstoßung von Spenderorganen: Neue Biomarker sollen Komplikationen verhindern
15.12.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Antibiotikaresistenzen durch Nanopartikel überwinden?
15.12.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik