Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Contergan - 40 Jahre danach

27.06.2001


Die bedarfsgerechte gesundheitliche Versorgung Contergan-geschädigter Frauen in Deutschland weist deutliche Defizite auf. Dies geht aus einer Untersuchung der Arbeitsstelle Frauengesundheitsforschung der Universität Münster hervor. Mit dieser durch das Programm Innovative Medizinische Forschung (IMF) der Medizinischen Fakultät und durch das NRW-Forschungsministerium geförderten Studie liegen erstmals empirische Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität Contergan-geschädigter Frauen in Deutschland vor.

Wie die auf einer Befragung betroffener Frauen und einer Vergleichsgruppe nichtbehinderter Frauen basierende Untersuchung unter der Leitung von Professorin Dr. Irmgard Nippert ergab, sind mit 94 Prozent fast alle befragten Contergan-geschädigten Frauen, deren Durchschnittsalter bei 38 Jahren liegt, regelmäßig auf praktische Hilfeleistungen oder Unterstützung durch Dritte angewiesen. 46 Prozent befanden sich zum Zeitpunkt der Befragung aufgrund behinderungsbedingter Probleme in medizinischer Behandlung. Ins Auge fällt, dass mit einem Anteil von 43 Prozent fast jede zweite betroffene Frau zunehmende Probleme äußert, kompetente Ärztinnen oder Ärzte zu finden, die in der Lage sind, conterganbedingte Probleme zu behandeln.

Etwa ebenso viele Frauen (41 Prozent) berichteten, dass sich ihr Gesundheitszustand aufgrund ihrer Behinderung in den letzten zwölf Monaten verschlechtert habe. Im Vordergrund standen dabei mit 83 Prozent chronisch degenerative Veränderungen des Stütz- und Halteapparates, etwa jede achte Frau führte auch Verschlechterungen der Augen und Ohren an. Wie die Studie ergab, blickt ein Großteil der Contergan-geschädigten Frauen mit Sorge in die Zukunft: Fast zwei Drittel der Befragten befürchten, dass sich ihr körperlicher Zustand in den nächsten zwei Jahren aufgrund der Behinderung verschlechtert. Dadurch wiederum erwarten die meisten Frauen mit Sorge weitreichende Auswirkungen auf ihr Leben, wie beispielsweise mehr Abhängigkeit von der Hilfe durch Dritte, weniger Möglichkeiten, den Alltag zu bewältigen, Einschränkungen in der beruflichen Leistungsfähigkeit, in den Freizeitaktivitäten und in der Mobiliät.

Wie die am Beispiel Contergan-geschädigter Frauen durchgeführte Untersuchung zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Frauen mit Behinderungen weiter zeigte, sind die Contergan-Geschädigten weniger häufig verheiratet (42 Prozent zu 79,8
Prozent), häufiger alleinstehend (41,3 zu 7,7 Prozent), häufiger kinderlos und verfügen über ein signifikant geringeres Nettoeinkommen als die nichtbehinderten Frauen.

Ingesamt wurden in der Bundesrepublik Deutschland als Folge der Einnahme des Schlaf- und Beruhigungsmittels "Contergan" in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten in der Zeit zwischen 1956 und 1962 zirka 7000 Kinder mit schwersten körperlichen Behinderungen geboren. Etwa 4000 Kinder überlebten ihre schweren körperlichen und gesundheitlichen Schäden nicht. Weltweit wird die Zahl der Contergan-geschädigten Menschen auf etwa 8000 bis 10.000 geschätzt. In Deutschland leben nach Angaben Nipperts rund 2500 Betroffene, davon zirka 1280 Frauen. Die Behinderungen betreffen Arme, Beine, Augen und Ohren, aber auch innere Organe.


Für weitere Auskünfte stehen zur Verfügung:
Prof. Dr. Irmgard Nippert, Leiterin Frauengesundheitsforschung, nippert@uni-muenster.de, Tel. 0251/83 5 54 08, Fax 0251/83 5 84 15

Dipl.-Soz.Päd. Birgit Edler, Frauengesundheitsforschung, edler@uni-muenster.de, Tel. 0251/83 5 84 65, Fax 0251/83 5 84 15

Jutta Reising | idw

Weitere Berichte zu: Contergan-geschädigter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten