Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Große Akupunkturstudie läuft an

27.06.2001


Der Akupunktur haftet immer noch kein einwandfreier Ruf an - jetzt kommt sie auf den Prüfstand. Ob sie wirklich gegen chronische Schmerzen hilft und welche der zahlreichen Akupunkturmethoden am besten wirkt, wollen Mediziner mit Hilfe einer großangelegten Studie herausfinden. In drei Jahren sollen die ersten Ergebnisse von etwa 500.000 Patienten vorliegen.


Sie ist zwar eine der ältesten und verbreitetsten Therapieformen überhaupt und mittlerweile auch hierzulande gut akzeptiert, jedoch haftet der Akupunktur immer noch kein einwandfreier Ruf an - jetzt kommt sie auf den Prüfstand. Ob sie wirklich gegen chronische Schmerzen hilft, möglicherweise sogar besser als Standardmethoden wie Schmerzmittel, und welche der zahlreichen Akupunkturmethoden am besten wirkt, wollen Mediziner mit Hilfe einer großangelegten Studie herausfinden. Im März 2001 ist "GERAC", die German Acupuncture Trial angelaufen (Leitung und zentrale Koordination: Abteilung Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, wissenschaftliche Begleitung: Dr. med. Dipl.-Chem. Heinz Endres). In drei Jahren sollen die ersten Ergebnisse von etwa 500.000 Patienten vorliegen.

Dauerhaftes Leiden ist häufig und teuer

Obwohl in Deutschland über 20.000 Ärzte verschiedene Formen der Akupunktur anwenden und die Krankenkassen ca. 600 Mio. DM jährlich an Kosten dafür übernehmen, fehlen gesicherte Erkenntnisse aus ausreichend großen klinischen Studien zur Wirksamkeit der Nadeln. Durch eine Kombination mehrerer Einzelstudien wollen die Wissenschaftler nun Klarheit schaffen. 500.000 Akupunkturpatienten aus ganz Deutschland werden über drei Jahre hinweg mittels Meldebogen registriert. Diese große Zahl ist vor allem wegen der geringen Wahrscheinlichkeit ernsthafterer Nebenwirkungen (ca. 1:20.000) notwendig. Alle Patienten leiden an chronischen Schmerzen, d.h. ihre Beschwerden halten seit mindestens sechs Monaten an. Chronische Schmerzzustände sind das Hauptanwendungsgebiet der Akupunktur in der westlichen Welt. Zugelassene Diagnosen sind neben fortdauernden Kopfschmerzen (Migräne oder Spannungskopfschmerz) chronische Rückenschmerzen oder Gelenkschmerzen durch Arthrose (Gelenkverschleiß). Die Arthrose ist die teuerste Erkrankung überhaupt, Lendenwirbelsäulenbeschwerden die häufigste.

Fragebögen geben Aufschluss

Eine bereits im Frühjahr angelaufene Studie soll Basisdaten zur Anwendung der Akupunktur in Deutschland liefern: wie häufig die Akupunktur bei welcher Diagnose zum Einsatz kommt, die Geschlechts- und Altersverteilung der Patienten, der Erfolg der Akupunkturbehandlung und wie häufig welche Nebenwirkungen vorkommen. Jeder Patient erhält zehn Akupunktursitzungen über einen Behandlungszeitraum von fünf bis sechs Wochen. Direkt nach Abschluss der letzten Akupunktursitzung füllt der Arzt einen Fragebogen aus, in dem der Erfolg der Akupunktur und eventuelle Nebenwirkungen dokumentiert sind. Zufällig ausgewählte zehn Prozent der Patienten erhalten sechs Monate nach Beginn der Behandlung noch einen zusätzlichen Fragebogen per Post, in dem sie ihre eigene Einschätzung der Akupunktur und ihres Erfolges angeben.

Vergleich: Standard oder Nadeln

Eine darin eingebettete zweite Studie mit 3600 Patienten vergleicht die Wirksamkeit der Akupunktur gegenüber einer Scheinakupunktur bei allen zugelassenen Diagnosen. Die Akupunkturpunkte sowohl für die reguläre Akupunktur als auch für die Scheinakupunktur wurden von verschiedenen Akupunkturgesellschaften in Deutschland übereinstimmend festgelegt. Für einen zusätzlichen Vergleich mit einer etablierten Standardtherapie wird eine Gruppe von Patienten ganz ohne Akupunktur nur mit Standardmitteln behandelt werden. Patientinnen und Patienten, die an dieser zweiten Studie teilnehmen, erhalten zufällig ("randomisiert") eine der drei möglichen Behandlungen. Auch die randomisierten Studie setzt auf Fragebögen; für den Arzt direkt nach Ende der Behandlung und für den Patienten vor der Behandlung sowie sechs Monate danach. Mit ersten aussagefähigen Resultaten rechnen die Forscher für März 2004.

Weitere Informationen

Dr. med. Dipl.-Chem. Heinz Endres, Abteilung Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-26564, Fax: 0234/32-06564, E-Mail: heinz.endres@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http:///www.gerac.de

Weitere Berichte zu: Akupunktur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen
11.12.2017 | Universität Bern

nachricht Kommunikation ist alles – auch im Immunsystem
28.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit