Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum Diabetikern das Schmerzempfinden verloren geht

16.12.2004


Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg finden Schlüsselmolekül für Nervenschäden durch Zuckerkrankheit



Langjährige Zuckerkrankheit lässt das Schmerzempfinden schwinden: Kleine Verletzungen werden nicht wahrgenommen und können zu Entzündungen und Hautgeschwüren führen. Die Heidelberger Wissenschaftler Dr. Angelika Bierhaus und Professor Dr. Peter Nawroth (Ärztlicher Direktor der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Medizinische Universitätsklinik) haben ein Schlüsselmolekül für die "diabetische Neuropathie" und damit einen neuen Ansatzpunkt für das weit verbreitete Leiden gefunden.

... mehr zu:
»RAGE »Schlüsselmolekül


Gemeinsam mit Forscherteams aus Erlangen-Nürnberg, Tübingen, New York, Georgia, Dresden, dem Deutschen Krebsforschungszentrum sowie aus der Industrie konnten sie nachweisen, dass das Schlüsselprotein RAGE maßgeblich zur Entstehung der Nervenschäden beiträgt. Die herausragenden Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "The Journal of Clinical Investigation" veröffentlicht.

RAGE ist für die Heidelberger Wissenschaftler ein alter Bekannter, den sie bereits bei verschiedenen chronischen Entzündungs- und Alterungsprozessen, z.B. der Sepsis (Blutvergiftung), identifiziert haben. Bei dem Regulatormolekül handelt es sich um einen so genannten Rezeptor, der auf der Oberfläche von Zellen sitzt. Er erkennt und bindet bestimme Eiweißstoffe, vor allem "AGE" ("Advanced Glycation End products") - daher auch der Name RAGE. Unter Aktivierung des Moleküls NFkappaB werden Entzündungsprozesse in Gang gesetzt.

Schmerzempfinden kann im Tierversuch wieder hergestellt werden

"Wir konnten zeigen, dass die Menge an RAGE und an aktiviertem NFkappB in Nervenzellen von Diabetes-Patienten mit Neuropathie eindeutig erhöht ist", erklärt Dr. Angelika Bierhaus. Außerdem konnten die Forscher im Mausmodell die Entzündungs-Kaskade unterbrechen. Dazu behandelten sie genetisch veränderte Mäuse mit Diabetes mit einer löslichen Form von RAGE. Dieses sRAGE (soluble RAGE) fängt die Bindemoleküle AGE ab, bevor sie das in der Zellmembran verankerte RAGE erreichen. Dadurch vermindert sich auch die Aktivität von NFkappaB, die Mäuse zeigten ein deutlich verbessertes Schmerzempfinden.

Ein weiterer Hinweis auf den RAGE-Einfluss: Diabetischen Mäusen, die keine RAGE-Rezeptoren entwickeln, bleibt das Schmerzempfinden (trotz Diabetes) erhalten. "Bisher gibt es kaum Therapiemöglichkeiten für Patienten mit chronischer Nervenentzündung", sagt Professor Nawroth. "Das Schlüsselmolekül RAGE ist ein Ansatzpunkt für neue Behandlungsformen."

Bei Rückfragen:

Dr. Angelika Bierhaus
Abt. Innere Medizin I der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 410, 69120 Heidelberg
Tel: +49-6221-564752, Fax: + 49-6221-564754
E-Mail: angelika_bierhaus@med.uni-heidelberg.de

Literatur:
Bierhaus A, Nawroth P, et.al. (2004): Loss of pain perception in diabetes is dependent on a receptor of the immunoglobulin superfamily. Journal of Clinical Investigation, Vol 114, No 12.

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: RAGE Schlüsselmolekül

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie