Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Todesfalle und Milliardengrab Zigarettenqualm: Volkswirtschaftliche Kosten des Rauchens

16.12.2004


Jährlich sterben in Deutschland knapp 120.000 Menschen an rauchbedingten Krankheiten - dies entspricht der Einwohnerzahl einer kleinen Großstadt. Sowohl der Arbeitsausfall wegen Krankheit und Tod, als auch die Kosten für die medizinische Versorgung führten im Jahr 2002 zu volkswirtschaftlichen Kosten von fast 20 Milliarden Euro. Diese Summe berechneten Wissenschaftler des GSF-Instituts für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen mit Hilfe einer Krankheitskostenstudie, die sie im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung als Teil einer vom DKFZ koordinierten Studie zu den volkswirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen des Zigarettenrauchens in Deutschland durchführten.

... mehr zu:
»Raucher

Fast ein Drittel der gesamten Kosten, insgesamt sieben Milliarden Euro, entfallen dabei auf die medizinische Versorgung, die restlichen 12,4 Milliarden Euro entstehen durch den Arbeitsausfall aus bezahlter Arbeit. Raucher sterben vorzeitig, dadurch gehen 1,6 Millionen Lebensjahre verloren, wovon die Hälfte auf die Jahre im erwerbsfähigen Alter entfällt - Rauchen betrifft damit in starkem Maße unsere Arbeitskraft.

Gut die Hälfte der Kosten für medizinische Versorgung ist für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufzuwenden, die andere Hälfte entfällt in ungefähr gleicher Größenordnung auf Atemwegs- und Krebserkrankungen. Bei den Kosten des Arbeitsausfalls spielen wegen der früheren Mortalität die Krebserkrankungen die wichtigste Rolle (44 Prozent). Ungefähr ein Drittel des Arbeitsausfalls entsteht durch frühzeitigen Tod, zwei Drittel gehen auf Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung durch Erkrankungen zurück. Werden schließlich noch die Kosten der unbezahlten Arbeit - wie etwa Hausarbeit oder Betreuung von Angehörigen - bewertet, kommen bis zu 19,5 Milliarden Euro hinzu. Die Kosten der unbezahlten Arbeit spielen in solchen Fällen eine besonders wichtige Rolle, in denen sie durch professionelle Hilfe ersetzt werden müssen.


Die Berechnung der Kosten beruht auf einer sehr detaillierten Methodik: Zunächst bezogen die Wissenschaftler die durch das Rauchen bedingten Todesfälle, die Atemwegs-, Krebs-, Herz-Kreislauf- und perinatalen Erkrankungen sowie Verbrennungen in ihre Kalkulationen ein. Grundlage hierfür ist ein international anerkannter Ansatz, der von den amerikanischen "Centers für Disease Control and Prevention (CDC)" auf der Basis umfangreicher epidemiologischer Studien entwickelt wurde und der die erhöhten Risiken von Rauchern und ehemaligen Rauchern erfasst, an rauchbedingten Krankheiten zu leiden. Zur Bestimmung der medizinischen Kosten wurden dann die Behandlungskosten im ambulanten Sektor, im Krankenhaus und in Rehabilitationseinrichtungen ermittelt. Beim Arbeitsausfall wurden Kosten für bezahlte und für unbezahlte Arbeit berücksichtigt.

Die vorgestellten Daten liefern eine detaillierte und zudem vorsichtige Schätzung der Kosten des Rauchens in Deutschland. Wegen unzureichender Datengrundlagen konnten nicht-tödlich verlaufende oder durch Passivrauchen verursachte Krankheiten und durch "Raucherpausen" bedingte Arbeitsausfälle nicht berücksichtigt werden; auch beinhalten die Berechnungen keine Kosten für Prävention, Forschung und Ausbildung.

Die hohen Kosten des Rauchens zeigen, dass wirksame Prävention mit guter Wirtschaftlichkeit erreichbar sein dürfte und die Folgen des Rauchens in erheblichem Umfang beeinflussen könnte. Mit Blick auf die Krankenversicherung wird häufig gefragt, welche Auswirkung eine Abschaffung des Rauchens auf die Gesundheitsausgaben hätte. Hier liegen zum einen die Ausgaben für Raucher höher als für gleichaltrige Nichtraucher; zum anderen verringert die kürzere Lebenserwartung der Raucher ihre gesamten Gesundheitsausgaben. Der Saldo in der Krankenversicherung ist nach unseren Erkenntnissen nicht eindeutig. Ferner fallen für Raucher vermehrt Erwerbsunfähigkeitsrenten an, während die Altersrenten wegen der kürzeren Lebenszeit erheblich geringer sind. Aus den Berechnungen lässt sich nicht folgern, dass Prävention des Rauchens zu einer Senkung der Ausgaben der Sozialversicherung führt, wohl aber, dass in erheblichem Umfang Lebensjahre gewonnen und Schadenskosten gesenkt werden können.

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www.gsf.de/Aktuelles/Presse/rauchen.phtml

Weitere Berichte zu: Raucher

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics