Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Marburger Computersimulationen für die Pharma- und Medikamentenentwicklung

13.12.2004


Das europaweite Forschungsprojekt BIOSIMULATION for Drug Research, das moderne Verfahren der Computersimulation für eine effektivere und kostensparende Entwicklung von Medikamenten nutzen will, fördert die EU mit insgesamt 10,7 Millionen Euro. Marburger Wissenschaftler nehmen in dem Gesamtprojekt eine herausragende Stellung ein, da sie die Hauptlast der Untersuchungen zu dem Projektbereich Neurologisch/Psychiatrische Störungen tragen.

... mehr zu:
»Hauptlast

Im BIOSIM-Projekt sollen die wesentlichen Funktionen bestimmter Organsysteme mittels mathematischer Formeln in dem Computer nachgebildet werden, um die mögliche Wirkungsweise von Medikamenten, aber auch eventuelle schädliche Nebenwirkungen schon im Vorfeld experimenteller und klinischer Untersuchungen abzuschätzen. Das menschliche Vorstellungsvermögen ist in diesem Fall, angesichts der vielfältigen, meist "nichtlinearen" Wechselwirkungen zwischen den verschiedensten biologischen Funktionen, nachweislich überfordert. Deshalb werden viele Tierversuche und klinische Studien unternommen, die sich aber häufig im Nachhinein als wertlos erweisen. In dem Projekt soll nun die Voraussagekraft wissenschaftlich fundierter Computersimulationen erhöht werden, um so die Anzahl der Tierversuche wie auch die Zahl der klinischen Studien mit all den Risiken für die Patienten deutlich zu verringern. Abgesehen von den ethischen Gesichtspunkten könnten so auch die horrenden Kosten der Medikamentenentwicklung drastisch gesenkt werden, was wiederum der Konkurrenzfähigkeit der europäischen Pharmaindustrie zugute kommt.

Das Netzwerk untersucht grundlegende methodische Fragen solcher Computersimulationen und setzt inhaltliche Schwerpunkte auf ausgesuchte Krankheitsbilder. Dies sind Diabetes (Zuckerkrankheit), Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, speziell Bluthochdruck, neurologisch/psychiatrische Erkrankungen, insbesondere Depressionen und Schlafstörungen sowie Tumorerkrankungen (Krebs).


Die EU fördert das Projekt als ein Network of Excellence über eine Laufzeit von fünf Jahren. Dieses Netzwerk besteht aus etwa 20 meist universitären Forschungsgruppen, die auf exzellente Forschungsarbeiten auf dem Gebiet von Computersimulationen verweisen können. Hierzu gehört auch ein Marburger Forschungsverbund, der sich aus Wissenschaftlern des Physiologischen Instituts (Dr. Hans Braun, Dr. Horst Schneider, Professor Karlheinz Voigt), der Klinik für Psychiatrie (PD Dr. Martin Huber, Professor Christian Krieg) und dem Schlaflabor der Inneren Medizin (Professor Thomas Penzel und Professor Heinrich Becker) zusammensetzt. Um die Forschungsergebnisse möglichst unmittelbar verwertbar zu machen, sind in das Netzwerk außerdem eine Reihe von Privatfirmen aus der Pharmaindustrie und naheliegender Bereiche eingebunden. Hierzu gehören Großfirmen wie Novo Nordisk, Weltmarktführer bei Diabetes-Präparaten, aber auch mittelständische Unternehmen wie die Marburger Firma interActive Systems, die sich mit neuartigen Informationssystemen unter anderem im Bereich der Parkinson-Forschung einen Namen gemacht hat.

Verantwortlicher Koordinator des Gesamtprojekts ist Professor Erik Mosekilde von der Dänischen Technischen Universität in Lyngby. Die weiteren am Projekt beteiligten Universitäten reichen von Oxford im nördlichen bis zu den Balearen im südlichen Europa. Die Marburger Universität nimmt in dem Gesamtprojekt eine herausragende Stellung ein, da ihre Wissenschaftler die Hauptlast der Untersuchungen zu dem Projektbereich "Neurologisch/Psychiatrische Störungen" tragen. Dr. Hans Braun vom Physiologischen Institut ist Leiter dieses Bereichs und Mitglied des für die Gesamtplanung verantwortlichen Gremiums ("steering group").

Diese besondere Stellung der Marburger Gruppe beruht darauf, dass es in Marburg gelungen ist, eine interdisziplinäre Forschergruppe zusammenzustellen, die schon seit vielen Jahren auf sehr erfolgreiche Arbeiten aus der Verbindung von experimenteller und systemtheoretischer Grundlagenforschung mit klinisch angewandter Forschung verweisen kann. So führte die Verknüpfung experimenteller Daten mit modernen systemtheoretischen Analysen am Physiologischen Institut zu einem neuen Modell von Nervenzellen. In Zusammenarbeit von Physiologie und Psychiatrie wurde in Marburg auch das erste mathematisch fundierte Computermodell zum Zeitverlauf manisch-depressiver Störungen vorgestellt. Außerdem haben sich die Marburger Forscher schon früher durch hochwertige Computersimulationen für die Lehre (z.B. MacFrog/SimNerv) einen weltweit anerkannten Namen gemacht. Wesentlichen Anteil hierbei hatte Dr. Martin Hirsch, Gründer der Marburger Multimedia Firma interActive Systems, die auch wieder an diesem EU-Projekt mitarbeiten wird.

Weitere Informationen:

Ansprechpartner ist Dr. Hans Braun, Institut der Physiologie der Philipps-Universität, Deutschhausstr. 2, 35037 Marburg, Tel. 06421/2862305, E-Mail: braun@staff.uni-marburg.de

Dr. Viola Düwert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de/physiology/braun
http://www.clabs.de

Weitere Berichte zu: Hauptlast

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze nutzen Plastizität des Gehirns
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

Junge Physiologen Tagen in Jena

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Verbesserte Kohlendioxid-Fixierung dank Mikrokompartiment

25.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Internationales Forscherteam entdeckt kohärenten Lichtverstärkungsprozess in Laser-angeregtem Glas

25.09.2017 | Physik Astronomie

LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

25.09.2017 | Messenachrichten