Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Medikamente der Zukunft basieren auf Proteinen

09.12.2004


Ein führender Pharmaforscher skizziert ein bis ins Jahr 2020 reichendes Zukunftsszenario der Medizin. Danach wird es bald möglich sein, eine Reihe von Krankheiten wesentlich zielgerichteter als bisher zu behandeln.

... mehr zu:
»Multiple Sklerose »Protein

Die Bedeutung therapeutischer Proteine wird für die Medizin immens zunehmen. Davon zeigt sich Professor Klaus Strein, Leiter der Pharmaforschung von Roche Diagnostics, überzeugt. Der Grund für den “Boom” therapeutischer Proteine (TPs) basiere auf ihrer einzigartigen Fähigkeit, im Gegensatz zu herkömmliche Medikamenten, die auf “kleinen Molekülen” basieren, spezifisch an Rezeptoren “anzudocken”. Dies eröffne den Einstieg in ursächliche Behandlungen ohne wesentliche Nebenwirkungen.

Die bisher mit TPs erzielten Erfolgsraten seien sehr eindrucksvoll. Das liege unter anderem an der hohen spezifischen Bindung. Weitere Vorteile seien voraussagbare Blutspiegel in Verbindung mit einer lange Wirkungsdauer. “Wenn die Inhibition des Targets per se keine Nebenwirkungen verursacht, dann dürften diese Moleküle eigentlich kaum Nebenwirkungen verursachen”, konkretisiert Strein.


“Auslaufmodell” Chemotherapie

“In 10 bis 15 Jahren wird die Chemotherapie aus der Krebstherapie verschwinden”, prophezeit Strein. Zur Behandlung von Tumorerkrankungen kämen dann so genannte Konjugate zum Einsatz. Dies seien Antikörper, welche die toxische Substanzen gezielt in die zu behandelnden Zellen transportierten. Bei den Konjugaten binde man toxische kleine Moleküle an Proteine und transportieren diese spezifisch in die zu behandelnden Zellen. Strein: “Auf diese Weise läßt sich das Toxizitätsproblem lösen.”

Dem Forscher zufolge gibt es bereits eine Nischenindikation zur Behandlung der akuten myeloischen Leukämie. “Das ist eine kleines Indikationsgebiet, es zeigt uns aber, dass das Prinzip funktioniert”, sagt er. Natürlich stelle sich die Frage, weshalb die Forschung den Hebel zuerst bei einer Nischenanwendung ansetze. Das liege daran, dass es sich bei der akuten myeloischen Leukämie um einen hämatologischen Tumor handele, bei dem die Tumorzellen nicht als Zellhaufen vorliegen sondern als Einzelzellen im Blut verteilt seien. “Das erleichtert die Anwendung ungemein”, sagt er. Hinzu komme, dass diese Zellen absolut spezifische Rezeptoren besitzen, über die andere Zellen nicht verfügten. Für die wesentlich häufigeren Turmore – wie Lungen-, Brust- oder Darmkrebs – rechnet Strein damit, dass in zehn bis 15 Jahren Therapiemöglichkeiten mit Konjugaten möglich seien.

Ebenfalls in 10 bis 15 Jahren werde das Engineering von Antikörpern soweit fortgeschritten sein, dass eine effektive Behandlung von entzündlichen Krankheiten und Autoimmunerkrankungen ermöglicht werde. Konkret nennt Strein unter anderem Asthma, rheumatoide Arthritis und Multiple Sklerose. Die größte Attraktivität der Proteine biete deren Möglichkeit des “Engineering”. So könne man zusätzlich zum “Signalling” auch das Immunsystem stimulieren.

Rolf Froböse | Rolf Froböse
Weitere Informationen:
http://www.roche.de/diagnostics/index.htm

Weitere Berichte zu: Multiple Sklerose Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie

Vom Feld in die Schule: Aktuelle Forschung zu moderner Landwirtschaft für den Unterricht

23.01.2017 | Bildung Wissenschaft

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten