Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DGIM: Durch Urintest Nierenversagen vorbeugen

09.12.2004


Bei etwa 15 Prozent der Dialysepatienten hätte sich das Nierenversagen nicht entwickeln müssen - davon ist Professor Dr. med. Manfred Weber, Chefarzt der Medizinischen Klinik I, Kliniken der Stadt Köln, überzeugt. Bei weiteren 30 bis 40 Prozent hätte sich die Blutwäsche noch Jahre bis Jahrzehnte hinauszögern lassen, wenn die Nierenerkrankung rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt worden wäre. Mit flächendeckenden Früherkennungsprogrammen könnte die Zahl zukünftiger Dialysepatienten drastisch gesenkt und viel menschliches Leid vermieden werden, sagt Professor Weber, der vor kurzem den Vorsitz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) übernommen hat und Präsident des Internistenkongresses 2005 ist.


In Deutschland leben derzeit rund 60.000 Dialysepatienten, ihre Zahl nimmt von Jahr zu Jahr zu. Weil die Nieren den Dienst als Klärwerke des Körpers versagen, müssen Betroffene ihren Körper regelmäßig mit Hilfe der Dialyse von Giftstoffen befreien lassen. Seine Amtszeit nutzt der DGIM-Präsident dazu, die Aufmerksamkeit von Ärzten und Öffentlichkeit stärker auf die Nierenerkrankungen zu lenken. Das spiegelt sich auch im Programm des Internistenkongresses 2005 wieder: Im Symposium "Frühdiagnostik von Nierenerkrankungen" stellen Experten eine neue Studie aus dem Bereich Versorgungsforschung vor, die belegt, dass Patienten den Nierenspezialisten zu spät vorgestellt werden - in einem hohen Prozentsatz erst wenn die Dialyse direkt bevorsteht. "Der Nephrologe ist jedoch nicht in erster Linie Dialysearzt - im Gegenteil: er ist derjenige, der durch eine Spezialisierung die Dialyse vermeiden oder zumindest verzögern kann", betont Professor Weber.

Nierenerkrankungen verursachen über lange Zeit hinweg keine Beschwerden. Viele Patienten suchen häufig erst dann einen Arzt auf, wenn sie bereits einen Großteil ihrer Nierenfunktion eingebüßt haben. Fast alle Nierenerkrankungen, die letztlich zur Dialysepflichtigkeit führen, lassen sich jedoch bereits in einem frühen Stadium nachweisen: durch einen einfachen Urintest auf Eiweiß. "Kaum eine andere Erkrankung belastet die Betroffenen und das Gesundheitswesen so sehr und ist gleichzeitig so einfach zu erkennen", so Professor Weber. Irreversible Schäden sind in vielen Fällen vermeidbar - etwa wenn Blutdruck und Blutzuckerspiegel konsequent im Normbereich gehalten werden.


Denn neben genetischen und immunologischen Faktoren sind es vor allem hohe Blutdruck- und Blutzuckerwerte, welche die Nieren schädigen. Entsprechend zählen Hochdruckpatienten und Zuckerkranke zu den Risikogruppen, die am stärksten von Nierenerkrankungen betroffen sind. Viele Hochdruckpatienten und ein beträchtlicher Teil der Menschen mit Alterdiabetes wissen jedoch nichts von ihrer Krankheit und werden folglich auch nicht behandelt. Auch wird ein bereits diagnostizierter Bluthochdruck von den Betroffenen oft auf die leichte Schulter genommen. "Viele Hochdruckpatienten sind bei der konsequenten Blutdruckeinstellung zu nachlässig", beobachtet Professor Weber.

Der DGIM-Präsident muss jedoch nicht nur in der Bevölkerung Überzeugungsarbeit leisten. Auch Ärzte nehmen die Nierenschäden häufig nicht ernst genug: Selbst wenn eine Routineuntersuchung des Urins einen auffälligen Eiweißwert ergibt, werden hieraus nicht immer Konsequenzen gezogen. Da der Nachweis von Eiweiß im Urin auch ein Indikator für ein erhöhtes kardio-vaskuläres Risiko ist, wäre dies jedoch doppelt wichtig.

Ein effektives Früherkennungsprogramm wäre nach Ansicht Professor Webers einfach zu organisieren. Dabei sei es durchaus denkbar, neben den Ärzten auch die Apotheken in das Programm mit einzubeziehen. "Im Idealfall könnten die Patienten einen Eiweißtest samt Aufklärungsbroschüre in der Apotheke kaufen und ihren Urin zu Hause selbst untersuchen", so Professor Weber. Teststreifen auf Eiweiß, die kurz in den Urin getaucht werden und schon nach wenigen Minuten ein Ergebnis liefern, gibt es bereits für zwei Euro je Untersuchungsstick. Dies sollte für jeden erschwinglich sein.

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dgim.de
http://www.dgim2005.de
http://awmf.org

Weitere Berichte zu: DGIM Dialyse Nierenerkrankung Nierenversagen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften