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VDE fordert mehr Ergonomie in der Medizintechnik

09.12.2004


Die stärkere Berücksichtigung der Ergonomie bei medizintechnischen Geräten und Systemen bietet ein bislang weitgehend unterschätztes Potential, um die Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern. Medizintechnische Produkte, die sich auch durch eine hohe Bedienungsfreundlichkeit auszeichnen, eröffnen große Einsparungspotentiale, entlasten das ärztliche und pflegerische Personal und erhöhen bei bestimmten Anwendungen die Sicherheit der Patienten. Zu diesem Ergebnis kommt das von der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (DGBMT) veröffentlichte Positionspapier "Ergonomie in der Medizintechnik". Darin formulieren die Experten der DGBMT Empfehlungen für Hersteller, Betreiber und Anwender und fordern generell eine stärkere Sensibilisierung aller Beteiligten für diese Thematik.


Fallender Fußschalter im OP



OP-Tische, die sich nicht in gewünschtem Umfang in ihrer Höhe verstellen lassen, Software-gesteuerte Geräte, deren komplizierte Menüführung eine schnelle und sichere Anwendung in kritischen Situationen erschwert, oder Beatmungsgeräte, die je nach Hersteller eine unterschiedliche Drehknopfbedienung aufweisen - all das sind nur besonders augenfällige Beispiele für die oft unzureichende Ergonomie medizintechnischer Produkte. Die zunehmende Komplexität medizintechnischer Geräte erlaubt zwar differenziertere Behandlungsmöglichkeiten, gleichzeitig steigt aber auch das Risiko von Fehlbedienungen. Rund zwei Drittel aller Zwischenfälle oder Unfälle mit Medizingeräten ist auf falsche oder unsachgemäße Anwendung sowie Unkenntnis und Leichtsinn des Bedienpersonals zurückzuführen. Andere Untersuchungen zeigen, dass mehr als 50 Prozent der menschlichen Fehler auf eine nicht angemessene Technikgestaltung bzw. ungeeignete äußere Bedingungen zurückzuführen sind.

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Neben diesen sicherheitsrelevanten Aspekten verursachen medizintechnische Geräte und Systeme mit unzureichend ausgestalteter Ergonomie im täglichen Klinikbetrieb erhebliche Mehrkosten, die bei der Beschaffung der Geräte in der Regel nicht einkalkuliert werden. So sind die Medizintechnik-Abteilungen der Krankenhäuser zu rund 30 bis 50 Prozent ihrer Arbeitszeit damit beschäftigt, dem ärztlichen und pflegerischen Personal Hilfestellungen zu bieten, wenn Geräte fehlerhaft bedient oder die Anwendung nicht verstanden wurde. Gleichzeitig gerät die originär auf den Patienten ausgerichtete Tätigkeit des ärztlichen und pflegerischen Personals ins Hintertreffen.

Die Experten der DGBMT empfehlen den Entscheidungsträgern in den Kliniken, bei der Anschaffung von medizintechnischen Geräten und Systeme nicht nur die Einkaufs- und Wartungskosten, sondern vermehrt auch den Aspekt der Ergonomie zu berücksichtigen und die tatsächlichen Gesamtkosten eines Medizinprodukts über seine gesamte Lebensdauer einzukalkulieren.

Für Hersteller medizintechnischer Geräte und Systeme kann die Ergonomie ein wichtiges Verkaufsargument werden. Unternehmen, die in Bedienerfreundlichkeit investieren, eröffnet sich nach Einschätzung der DGBMT-Experten ein erhebliches Umsatz- und Sparpotential, während schlechte Bedienbarkeit unter Umständen sogar den Markteintritt einer jungen aussichtsreichen Technologie verhindern kann.

Die Anwender medizintechnischer Produkte schließlich sollten ein höheres Bewusstsein für Mängel der Gebrauchstauglichkeit entwickeln. Bislang werden Vorkommnisse wegen ergonomischer Mängel nur selten gemeldet und eigene Anstöße zu qualitätsverbessernden Maßnahmen oft nicht gegeben. Eine systematische Dokumentation von Mängeln und Zwischenfällen würde das Risiko vergleichbarer Vorkommnisse mindern und wichtige Erkenntnisse für die Neu- und Ergänzungsbeschaffung liefern.

Ursula Gluske-Tibud | idw
Weitere Informationen:
http://www.vde.com/dgbmt

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