Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Maßgeschneiderte Bewegung für übergewichtige Kinder

07.12.2004


Studie der Universität Leipzig sucht Antwort auf die Frage: Hilft eine Extra-Sportstunde im Kampf gegen Adipositas bei Kindern?



Dass Bewegung im Kampf gegen Fettleibigkeit und damit gegen viele Zivilisationskrankheiten zu den wichtigsten Waffen zählt, ist ein alte Weisheit. Doch Antworten auf Fragen, die sich speziell dem übergewichtigen Kind im Grundschulalter widmen, gab es bisher wenige. Vor allem der tatsächliche Nutzen von zusätzlichem Sportunterricht war bisher noch nicht hinterfragt worden. Deshalb läuft am Institut für Rehabilitationssport, Sporttherapie und Behindertensport (IRSB) der Universität Leipzig derzeit eine entsprechende Studie. Sie bildet die Basis für die Dissertation von Diplom-Sportlehrerin Katja Warich; betreut wird sie von Prof. Dr. Jürgen Innenmoser, Direktor des IRSB an der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig.

Die Studie unter dem Titel "Außerunterrichtlicher Schulsport mit übergewichtigen/adipösen Kindern an ausgewählten Grund- und Förderschulen Leipzigs" begann schon lange, bevor die Mädchen und Jungen zum ersten Mal trainierten. Es galt, die alte Weisheit in konkrete Fragestellungen aufzugliedern. "Das ganz Spezielle an dieser Studie ist, dass wir die Aspekte einer gesunden Lebensweise in den Alltag der Kinder einbringen wollen", so Prof. Dr. Innenmoser. "Die herkömmlich - von Kassen wie Eltern problemlos anerkannte - sechswöchige Kur mit strenger Diät und jeder Menge Sport hält nämlich in den seltensten Fällen, was sie verspricht. Wieder in ihrer alten Umgebung, gilt auch für die Kinder der "Jo-Jo-Effekt, sie nehmen erneut zu. Es ist also dringend geboten, den anderen Weg zu testen. An dessen Ziel sollte die Bewegung nicht als der Ausnahmezustand der Kur, sondern als alltägliches Vergnügen stehen."


Aber dazu bedarf es wissenschaftlich untermauerter Konzepte. Und die wiederum basieren auf den richtigen Fragen. Katja Warich nennt einige von denen, nach deren Antworten sie sucht: "Braucht man spezielle Messverfahren um die körperliche Leistungsfähigkeit adipöser Kinder festzuhalten? Wie kann man die Kinder motivieren? Strahlt der Zusatzunterricht auf die Bewegungslust in der Freizeit aus? Zeigt eine einzige zusätzliche Stunde Sport pro Woche überhaupt Wirkung? Und wenn ja, wie sieht die aus? Es geht ja nicht nur um die Gewichtsreduktion, es geht ja auch darum, dass die Kinder bewusster mit ihrem Körper umgehen und psychisch stabil werden. Das alles, so hoffe ich beweisen zu können, kann schon mit einer Sportstunde ins Rollen gebracht werden."

Doch vor den Schweiß hatten die Götter das Organisieren gesetzt, denn die Projektverantwortlichen brauchten Verbündete: Verbündete an den Schulen, die den regelmäßigen Ablauf der zusätzlichen Sportstunde garantieren sollten; Verbündete in den Ministerein und Ämtern, die dazu ihren Segen geben mussten; und nicht zuletzt Verbündete bei den Krankenkassen, von denen sechs (AOK, BEK, BKK, IKK, TK, Bundesknappschaft) ebenso wie die "Aktion Mensch" Gelder locker machten.

Erst dann konnte der Startschuss fallen. Fünf Grund- und fünf Förderschulen der Stadt Leipzig suchten unter ihren Schülern jene heraus, die Übergewicht hatten und versuchten, sie und ihre Eltern für eine Sportstunde mehr pro Woche zu begeistern - möglichst mit nahtlosem Anschluss an den Unterricht, damit nicht erst Computer, Fernseher und Kühlschrank den Nachmittag einleiten. Danach folgte eine Messung der körperlichen Leistungsparameter der übergewichtigen Mädchen und Jungen. So sollten sie beispielsweise sechs Minuten ununterbrochen langsam laufen oder notfalls gehen oder aus dem Stand auf eine niedrige Stufe hinaufhüpfen. Die Ergebnisse waren teilweise erschreckend. Am Laufband wurde über die ein- und ausgeatmete Atemluft ermittelt, mit welcher Anstrengung die Kinder die Aufgabe absolvieren und wie sie diese Anstrengung subjektiv einschätzen. Als alle Messergebnisse vorlagen, begannen nach den Herbstferien die zusätzlichen Sportstunden. Angeleitet wurden die kleinen Sportler durch Absolventen des Diplom-Sportlehrer- und Magisterstudiums der Universität Leipzig und durch die Sportlehrerin einer Schule. Die Supervision des Unterrichts übernahm Katja Warich. "Von den rund 90 Kindern, die am Start waren, haben bisher die meisten durchgehalten", berichtet Katja Warich. "Das heißt doch, dass es ihnen Spaß macht und dass unsere Methoden der Motivierung stimmen." Damit wäre die Frage nach Lust und Unlust bei den "kleinen Dicken" bereits beantwortet. Erneute Messungen der Körperfunktionen werden sich vor den Osterferien und zum Abschluss der Projektes im Sommer anschließen.

Wenn ein Nutzen nachweisbar ist, könnten die durch das Projekt gewonnenen Erkenntnisse die flächendeckende Verbreitung des außerunterrichtlichen Schulsportes befördern. Gleichzeitig möchte die Studie Sportvereine anregen, sich dieser Kinder, mit denen man nirgendwo Siege erringen kann, intensiver anzunehmen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jürgen Innenmoser
Telefon: 0341 97-31650
E-Mail: jinnen@rz.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~sportfak/symp_reha.htm
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Risikofaktoren für Angsterkrankungen
22.02.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Innovative Antikörper für die Tumortherapie
20.02.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Prozesstechnik für effizientes Bohren und Schneiden auf der LASER CHINA

22.02.2017 | Messenachrichten

IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren

22.02.2017 | Automotive

Nanoinjektion steigert Überlebensrate von Zellen

22.02.2017 | Physik Astronomie