Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wichtiger Schritt auf dem Weg zum Impfstoff gegen Malaria

06.12.2004


Impfung mit gentechnisch verändertem Erreger verhindert eine Infektion in der Maus / Ergebnisse vermutlich am Menschen reproduzierbar


Anopheles-Stechmücken übertragen Sporozoiten, die UIS-Gene enthalten. Fotos: Medienzentrum Universitätsklinikum Heidelberg


Infektiöse Entwicklungsformen (Sporozoiten) in einer Immunfluoreszenz. Foto: Hygiene-Institut Heidelberg



Heidelberger Wissenschaftler ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Impfung gegen Malaria gelungen. Sie haben einen Impfstoff auf der Basis eines genetisch veränderten Malaria-Erreger entwickelt, der Mäuse vor einer Vermehrung in der Leber schützt und damit die verhängnisvolle Umwandlung des Erregers in die tödliche Entwicklungsform stoppt, die rote Blutzellen befällt.

... mehr zu:
»Impfstoff »Malaria »Malaria-Erreger


Die wissenschaftliche Arbeit wird heute in der Online-Ausgabe der renommierten britischen Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht. Hauptautoren sind Dr. Kai Matuschewski und Ann-Kristin Müller aus der Abteilung Parasitologie des Hygiene-Institut des Universitätsklinikums Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Michael Lanzer).

Die tropische Seuche Malaria wird von Stechmücken übertragen; an einer Malaria-Infektion sterben jährlich weltweit mehrere Millionen Menschen, vor allem in Afrika. Bislang ist es nicht gelungen, einen effektiven Impfstoff zu entwickeln. Insbesondere Impfstoffe, die sich gegen einzelne Bestandteile des Erregers Plasmodium richten, waren im Einsatz weniger erfolgreich als ursprünglich erhofft.

Deshalb hat in jüngster Zeit das Interesse an Impfstoffen mit dem gesamten, unschädlich gemachten Erreger zugenommen. Erste Versuche mit bestrahlten Plasmodien haben gezeigt, dass dieser Ansatz im Tierversuch und beim Menschen möglich ist. Eine weitere wichtige Grundlage für die Impfstoff-Entwicklung wurde vor zwei Jahren gelegt: die Entschlüsselung der gesamten Erbsubstanz (Genom) des Malaria-Erregers.

Keine Umwandlung in die gefährlichen Entwicklungsstadien in Blutzellen

"In früheren Versuchen haben wir Gene identifiziert, die in den Entwicklungsstadien des Malaria-Erregers vor dem Befall der roten Blutzellen besonders aktiv sind", erklärt Dr. Matuschewski. Eine Gruppe von Genen, die sogenannten UIS-Gene, erwies sich als spezifisch aktiv in Sporozoiten, dem Stadium das von der Anopheles-Stechmücke übertragen wird. Sporozoiten rufen keine Symptome hervor, befallen aber spezifisch die Leber, in der sie sich anschließend in die für den Menschen gefährlichen Blutstadien umwandeln.

Die Heidelberger Wissenschaftler stellten in Zusammenarbeit mit Kollegen in Seattle eine gentechnische Variante des Erregers ohne das UIS3-Gen her. Diese Erreger können nicht mehr den normalen Entwicklungszyklus über die Vermehrung in der Leber durchlaufen. Diese Variante konnte deshalb zum ersten Mal als Impfstoff eingesetzt und Mäusen injiziert werden. Gegen die wiederholte Infektion mit dem Malaria-Erreger erwiesen diese sie sich als vollständig geschützt.

Die Heidelberger Wissenschaftler ziehen aus ihren Experimenten den Schluss, dass es möglich ist, die normale Entwicklung des Malaria-Erregers mit Hilfe gezielter Genveränderung zu stoppen und einen effektiven Impfstoff zu entwickeln.

Da auch die für den Menschen gefährlichste Plasmodium-Spezies das UIS3-Gen für die erfolgreiche Entwicklung in der Leber benötigt, halten sie es für möglich, einen entsprechenden Impfstoff für den Menschen zu entwickeln.

Literatur:

Ann-Kristin Müller, Mehdi Labaied, Stefan H.I. Kappe, Kai Matuschewski:
Genetically modified Plasmodium parasites as a protective experimental malaria vaccine. 5 December 2004; doi:10.1038/nature03188. (Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Ansprechpartner:

Kai Matuschweski
Telefon: 06221 568284, E-Mail: Kai_Matuschewski@med.uni-heidelberg.de

Ann-Kristin Müller
Telefon: 06221 565010, E-Mail: Ann-Kristin_Mueller@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/

Weitere Berichte zu: Impfstoff Malaria Malaria-Erreger

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Nachwuchswissenschaftler blicken in die Quantenwelt

28.03.2017 | Seminare Workshops

Warum der Brennstoffzelle die Luft wegbleibt

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie