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Studie zur Fibromyalgie: Den Untergruppen auf die Spur kommen

02.12.2004


Neuartiges Diagnosesystem Neuropattern: Rund 200 Patienten/innen bundesweit gesucht: Fibromyalgie (dt. Muskelfaserschmerz) ist eine Diagnose, die bei chronischen Schmerzen verschiedener Muskeln gestellt wird, wenn alle in Frage kommenden oder bekannten schmerzverursachenden Krankheiten ausgeschlossen wurden. Für betroffene Patienten bedeutet dies meist eine jahrelange Odyssee von Arzt zu Arzt, von Behandlung zu Behandlung, ohne dass die Schmerzen ganz verschwinden. Eine Reihe von Begleitsymptomen, die von trockenem Mund über chronische Müdigkeit bis hin zu Depressionen und Angsterkrankungen reichen, stellen einen zusätzlichen Leidensdruck dar. Mit einem geschätzten Vorkommen von 2% in der Bevölkerung leben in Deutschland etwa 1,6 Mio. Fibromyalgie-Patienten.

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Im Fach Psychobiologie der Universität Trier startet jetzt eine Untersuchung, die das neuartige Diagnosesystem Neuropattern einsetzt, das von Prof. Hellhammer und Mitarbeitern für stressbezogene Erkrankungen entwickelt wurde. Dieses Verfahren erlaubt mittels Fragebogendaten und Speichelanalysen Aussagen über psychobiologische Veränderungen, wie etwa Dysregulationen von Transmittersystemen im Gehirn/Nervensystem oder des hormonellen Systems. Damit ist es möglich, Patienten mit der gleichen Diagnose in Gruppen (sogenannte Pattern) einzuteilen, denen jeweils verschiedene biologische und psychische Mechanismen zugrunde liegen.

Nachdem die Patienten im ersten Schritt in Subgruppen eingeteilt wurden, soll der Einfluss der pränatalen und frühkindlichen Entwicklung auf das Stresshormon Cortisol bei den verschiedenen Gruppen der Fibromyalgie-Patienten untersucht werden. Extremer Stress während der Schwangerschaft, aber auch bestimmte ungünstige Bindungserfahrungen in der frühen Kindheit können unter Umständen bestimmte Hormonsysteme des Körpers dauerhaft verstellen. Dies wiederum kann nach einiger Zeit andere Körpersysteme in Mitleidenschaft ziehen oder bei chronischen oder intensiven Stresserfahrungen bestimmte Krankheiten und Beschwerden begünstigen.


Für die Studie werden deutschlandweit 200 Patienten/innennnen mit Fibromyalgie gesucht, die sich mit einem rheumatologischen Attest anmelden können und bereit sind, ein umfangreiches Fragebogenpaket auszufüllen, sowie an drei Tagen zu jeweils fünf Zeitpunkten Speichelsammlungen durchzuführen und einmalig eine geringe Dosis Dexamethason (dies ist ein künstliches Cortisolprodukt) einzunehmen, um den sog. Dexamethason-Suppressionstest durchzuführen.

Die Teilnehmer erhalten ihr individuelles Studien- und Neuropattern-Profil und eine Rückmeldung zum Ergebnis des gesamten Forschungsprojekts.

Sowohl die Ursachen der Erkrankung, als auch ihre Heilung sind in der Wissenschaft noch unbekannt oder zumindest umstritten. Ein Grund hierfür könnte sein, dass Fibromyalgie im strengen medizinischen Sinn keine Diagnose ist, sondern eigentlich nur eine Beschreibung des Hauptsymptoms: Muskelschmerz. Wie aber beim Symptom Husten ebenfalls viele verschiedene Ursachen hinter den Beschwerden stehen können, so scheint es auch bei Fibromyalgie-Patienten Untergruppen zu geben, die sich in Entstehung, Verlauf und damit vermutlich auch Therapie unterscheiden.

Interessenten können sich in der Abteilung für Psychobiologie der Universität Trier bei Dipl.-Psych. Pascal Klingmann, Johanniterufer 15, 54290 Trier (eMail: klingmann@uni-trier.de) mit Angabe der Telefonnummer melden oder direkt unter 0651/201-3695 anrufen.

Heidi Neyses | idw
Weitere Informationen:
http://www.neuropattern.com
http://www.uni-trier.de/psychobiologie/Personen/pklingmann/fms.html

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