Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Augeninnendruck künftig berührungslos messen

25.11.2004


Handliches Gerät für Arztpraxis und zu Hause



Augeninnendruck-Messungen sind unangenehm. Ein Mess-Stempel wird auf das betäubte Auge aufgesetzt, wobei das Vorgehen nicht selten zu Schmerzen der Hornhaut oder allergischen Reaktionen führt. Abhilfe soll ein neues berührungsloses Verfahren schaffen, das mit akustischen Signalen arbeitet. Entwickelt wird das handliche Gerät vom Bremer Institut für Betriebstechnik und angewandte Arbeitswissenschaft (BIBA) an der Universität Bremen.

... mehr zu:
»Augeninnendruck


Prof. Dr.-Ing. Gert Goch und sein Team erhalten für ihren Projektvorschlag nun Unterstützung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: Mit rund 200.000 Euro Fördermitteln können sie die Idee in den kommenden eineinhalb Jahren in die Praxis umsetzen. Heute nimmt das Forscherteam den Preis auf der weltgrößten Medizinmesse MEDICA in Düsseldorf entgegen. Unter den 99 Teilnehmern am bundesweiten Innovationswettbewerb zur Förderung in der Medizintechnik wurden 11 prämiert.

"Besonders wichtig ist uns dabei, dass auch ältere Menschen mit dem Gerät problemlos zurecht kommen", betont Goch. Der Grüne Star, der mit einem erhöhten Augeninnendruck einhergeht, ist eine leise schleichende Krankheit: Der Patient hat zunächst weder Beschwerden noch Schmerzen. Ein zu hoher Druck im Auge kann jedoch den Sehnerv irreversibel schädigen. Wird die Erkrankung nicht früh genug erkannt, fällt sie schließlich durch ein eingeschränktes Gesichtsfeld auf. Dieser "Tunnelblick" verengt sich im Laufe der Jahre immer weiter - bis zur völligen Erblindung. In Deutschland sind etwa 500.000 Menschen vom Grünen Star betroffen. Eine Operation oder auch Medikamente können den Verlauf der Krankheit mildern oder sogar stoppen.

Unerlässlich für die optimale Behandlung des Grünen Stars ist das regelmäßige Überwachen des Augeninnendrucks. Dieser kann bisher jedoch nur in Augenarztpraxen exakt gemessen werden. Da der Druck aber im Tagesverlauf schwankt, könnte ein mobiles Messgerät, das vom Patienten zu Hause eingesetzt wird, die Therapie wesentlich verbessern. Eine Feindosierung der Medikamente würde so in Zukunft eine Über- oder Unterversorgung der Patienten verhindern.

Die BIBA-Wissenschaftler schlagen daher eine berührungslose Messmethode vor: "Unsere Kernidee besteht darin, die Augenoberfläche schonend durch optimierte akustische Signale zum Schwingen anzuregen. In Vorversuchen konnten wir belegen, dass mit zunehmendem Augeninnendruck die Amplitude der Augenoberflächen-Schwingung abnimmt und die Eigenfrequenz der Schwingung sich leicht erhöht. Gleichzeitig stellten wir fest, dass die Schwingungsdämpfung vergrößert wird." Mit Hilfe dieser Parameter, so ist sich das Team sicher, lässt sich ein zuverlässiges Messgerät konstruieren, das handlich und leicht zu bedienen ist.

"Diese neuartige Methode ermöglicht Patienten und Ärzten eine bessere Therapie und Verlaufskontrolle", sagt Prof. Dr. med. Dr.h.c. Franz Grehn, Direktor der Universitäts-Augenklinik Würzburg. Gemeinsam mit ihm und den Industriepartnern Acri.Tec und Dr-Jordan-Design wird die Arbeitsgruppe von Prof. Goch in den kommenden 18 Monaten ein voll funktionstüchtiges Labormuster aufbauen und in der Klinik testen. Abschließend steht ein Konzept für einen handlichen und kompakten Prototypen auf dem Arbeitsplan.

Ansprechpartner:
Prof. Dr.-Ing. Gert Goch, Telefon: 0421 218-25 15, E-Mail: gg@biba.uni-bremen.de
Dipl.-Ing. Michael Sorg, Telefon: 0421 218-55 77, E-Mail: sor@biba.uni-bremen.de
Dipl.-Ing. Axel von Freyberg, 0421 218-55 17, E-Mail: frb@biba.uni-bremen.de

Sabine Nollmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.biba.uni-bremen.de

Weitere Berichte zu: Augeninnendruck

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Medikamente mildern Mukoviszidose
23.01.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Dreifachblockade am Glioblastom
23.01.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lebensrettende Mikrobläschen

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

3D-Druck von Metallen: Neue Legierung ermöglicht Druck von sicheren Stahl-Produkten

23.01.2018 | Maschinenbau

CHP1-Mutation verursacht zerebelläre Ataxie

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics