Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gestresste Patienten sind wesentlich teurer

15.11.2004


Stresskonzept muss Komponente der Erholung miteinbeziehen



Dass Stress die Kosten des Gesundheitssystems deutlich erhöht, zeigt eine aktuelle Studie eines Wissenschaftlers der Universität Graz. Wolfgang Kallus vom Institut für Psychologie hat festgestellt, dass Patientenorientierung und Wirtschaftlichkeit des Krankenhausmanagements kein Widerspruch sein müssen. Patienten in gutem Erholungszustand vor einer Operation genesen rascher und können die Intensivstation früher verlassen.

Der Forscher, der gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Uhlig von der Universitätsklinik Jena arbeitete, ist davon ausgegangen, dass ein modernes Stresskonzept die Komponente der Erholung mit einbeziehen müsse. "Um den Zusammenhang zwischen Stressbewältigung und der Genesung nach Operationen beschreiben zu können, ist es notwendig, die individuellen Möglichkeiten mit Stress fertig zu werden und die psychophysischen Ressourcen eines Menschen zu berücksichtigen." Es sei nämlich durchaus möglich, dass eine Person trotz negativer Voraussetzungen zur Stressbewältigung Gelegenheit zur Entspannung findet.


Kallus versteht unter "Stress" einen Zustand, in dem der Gesamtorganismus aus dem Gleichgewicht gerät. Dies äußere sich nicht nur in einem negativen Befinden, sondern auch in Störungen des sozialen Verhaltens und der physiologischen Funktionen. "Solange die biologischen Rhythmen bei einem Menschen noch funktionieren, sind die Ressourcen noch nicht erschöpft und eine solche Person ist noch nicht gestresst", erklärt der Psychologe. "Fast alles, was von außen kommt, wird innen gefiltert. Sind die Filter intakt, verhindern sie, dass Stressfaktoren einen Menschen aus dem Gleichgewicht bringen. Damit sie ihre Funktion aufrecht erhalten können, sind Erholungsprozesse notwendig", führt der Experte aus. Zu den Voraussetzungen für ein positives Stressmanagement zählen soziale Kontakte und Beziehungen, Erfolg im Berufsleben und Selbstvertrauen. Einsamkeit, mangelnde Bestätigung und Ängste wirken sich negativ aus.

Der Forscher hat, um der Bedeutung von Stress und Erholung bei Operationen auf den Grund zu gehen, mehr als 1.000 Patienten im Grazer AKH befragt. Eine weitere Untersuchung an mehr als 100 Patienten wurde auch in Deutschland durchgeführt. Dabei gab es nach Aussagen von Kallus klare Resultate. "Stressmanagement spielt eine Rolle bei Operationen, wenn man die Fähigkeit zur Erholung mit einbezieht. Ein unausgeglichener Stress-Erholungszustand senkt die biopsychologische Fitness und erhöht das Risiko, länger auf der Intensivstation bleiben zu müssen, die Operation nicht so gut zu bewältigen, sich generell nachher viel schlechter zu fühlen als besser erholte Menschen", erklärt Kallus. Der Wissenschaftler hält daher die Diagnostik einer mangelnden biopsychologischen Fitness vor einem Eingriff für sehr wichtig, um die Patienten optimal vorbereiten zu können. Dazu sollte, so der Experte, ein Fragebogen zum Befinden und Erholungszustand ausgefüllt werden. Dann könnte man das weitere Vorgehen von der Medikation bis zum Operationstermin individuell abstimmen. Besonders wichtig hält Kallus dies bei größeren Eingriffen wie Herz-, Gefäß- oder Hüftoperationen. Die Planung zum Wohle der Patienten würde sich auch für die Institution rechnen, denn erholte Menschen verbringen nach der Operation weniger Zeit im Aufwachraum und können die Intensivstation bis zu einem Tag früher verlassen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uni-graz.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen