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Zulassung für innovatives Krebs-Medikament beantragt

15.11.2004


Pharmazeuten der Universität Jena an der Weiterentwicklung beteiligt



An Kehlkopfkrebs schwerst Erkrankte können seit zwei Jahren dank eines neuen Medikaments auf Heilung hoffen. "Foscan" heißt das Präparat der Jenaer Firma biolitec AG, das europaweit zugelassen ist - für Kopf-Hals-Krebs. Es wird derzeit nur eingesetzt, wenn Operation oder Chemotherapie versagt haben. "Bisher wirkt Foscan bei vier von fünf Patienten und bei über 50 % werden die Tumore vollständig vernichtet", beschreibt Prof. Dr. Volker Albrecht von der biolitec AG die Wirkung. Werden die Tumore vollständig vernichtet, so ist auch die Lebensdauer deutlich erhöht. Idealerweise sollte der Patient über mindestens fünf Jahre tumorfrei bleiben, weiß der biolitec-Forschungsdirektor, was bei einem so jungen Medikament natürlich noch nicht nachgewiesen sein kann.

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Zulassung in den USA beantragt

Doch selbst wenn Foscan noch jung ist, so gibt es bereits eine wesentliche Verbesserung: "Foslip" heißt das Krebsmittel der Zukunft, hofft die bioliprod GmbH, eine 100-prozentige Tochterfirma der biolitec AG, die extra für die Produktion des neuen Wirkstoffs in Jena gegründet wurde. Das Unternehmen ist optimistisch, denn der Start einer Zulassungsstudie in den USA wurde gerade initiiert. "Der Antrag ist positiv aufgenommen worden", freut sich Prof. Albrecht - und mit ihm Prof. Dr. Alfred Fahr. Der Lehrstuhlinhaber für Pharmazeutische Technologie der Universität Jena hat den Stoff mitentwickelt. "Ohne die Kooperation mit Prof. Fahr hätten wir das Produkt nicht hinbekommen", gesteht Industrie-Forscher Albrecht.

Uni-Forscher Fahr hat die liposomale Formulierung des Medikaments erarbeitet. Foslip enthält den nicht-wasserlöslichen Wirkstoff "Temoporfin". Fahr ist es nun gelungen, den Wirkstoff in kleinste Fettkügelchen einzubauen. Diese werden dadurch leichter an die Tumorzellen transportiert, statt wie bisher erst einmal an der Injektionsstelle zu bleiben. Ein Forschungserfolg, den die biolitec AG patentiert hat und der dem neuen Medikament eine noch bessere Verträglichkeit und schnellere Wirkung ermöglichen soll.

Ambulante Krebstherapie wird möglich

Das Medikament kann auch direkt in den Tumor eingespritzt werden. Es dringt in die Krebszellen ein, die später mit Laserlicht bestrahlt werden. Das Licht aktiviert den Wirkstoff, der die Krebszellen zerstört - und zwar mitten im Tumor. Bei Foscan müssen zwischen Injektion und Bestrahlung noch ca. 96 Stunden vergehen, Foslip erreicht dasselbe nach nur sechs bis acht Stunden. Dadurch wird "eine ambulante Krebstherapie möglich", sagt Prof. Albrecht, "die zugleich noch gezielter und nebenwirkungsfreier möglich ist".

Möglich wurde die rasche Entwicklung des neuen Medikaments nur "dank der sehr engen, vertrauensvollen und unbürokratischen Kooperation mit dem Lehrstuhl für Pharmazeutische Technologie", sagt Industrie-Forscher Albrecht. In nur 13 Monaten wurde die erste Formulierung des neuen Medikaments entwickelt. "So etwas hätte durchaus fünf Jahre dauern können", sagt Prof. Fahr, der weiß, dass neben seinen profunden Kenntnissen auch ein wenig Glück und das Engagement seiner und der Mitarbeiter der biolitec AG so schnell zum positiven Resultat geführt haben. Er sieht aber auch den Zwang zum raschen Erfolg: "Die Forschungsaktivitäten am Lehrstuhl wären ohne die Drittmittel der biolitec AG kaum möglich". Da beide Partner sehr zufrieden über die Kooperation sind, "wird die Zusammenarbeit weitergehen", verspricht Prof. Albrecht - Projekte und Ideen gebe es bereits mehrere.

"Die Zukunft gehört Foslip"

Doch zunächst steht die klinische Prüfung von Foslip in den USA bevor. Die ersten Einsätze des neuen Wirkstoffs werden - wenn alles optimal verläuft -aber frühestens in drei Jahren erwartet. Doch die Jenaer Pharmafirma ist optimistisch: Foscan wird nicht weiterentwickelt. "Die Zukunft", unterstreicht Albrecht, "gehört Foslip" - dessen Einsatz nun auch bei anderen Tumorformen geprüft werden soll.

Kontakt:

Prof. Dr. Alfred Fahr
Institut für Pharmazie der Universität Jena
Lessingstr. 8, 07743 Jena
Tel.: 03641/949900, Fax: 03641/949302
E-Mail: alfred.fahr@uni-jena.de

Prof. Dr. Volker Albrecht
biolitec AG
Winzerlaer Str. 2, 07745 Jena
Tel.: 03641/508550, Fax: 03641/508599
E-Mail: volker.albrecht@biolitec.com

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de
http://www.biolitec.com

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