Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltneuheit "Jenaer Harnblase" hilft Blasenkrebspatienten

15.11.2004


Urologen der Universität Jena präsentieren neuartiges Operationsverfahren zur Behandlung von Blasentumoren



Urologen des Jenaer Universitätsklinikums haben ein neuartiges Operationsverfahren zur Behandlung von Tumoren der Harnblase entwickelt. Die weltweit einzigartige "Jenaer Harnblase" präsentierten die Thüringer Mediziner aktuell am Universitätsklinikum Jena auf dem diesjährigen Symposium zu Harnblasenkarzinomen.



Als einen "klinischen Durchbruch in der Therapie von Blasenkrebspatienten" bezeichnet Prof. Dr. Jörg Schubert, Direktor der Jenaer Universitätsklinik für Urologie, die in seinem Hause entwickelte Innovation. Durch den Einsatz der "Jenaer Harnblase" genannten Methode kann erstmals Patienten mit Harnblasenkrebs auch nach der erfolgreichen Operation die Potenz erhalten werden. Zudem ist das neue OP-Verfahren bisher als einziges dazu geeignet, den Betroffenen trotz operativer Entfernung der Blase weitgehend die Kontrolle über die Harnentleerung auf natürlichem Wege zu erhalten. Dafür erhalten die Jenaer bei der Operation Teile der Prostata und verbinden diese mit einer aus einer Darmschlinge geformten Ersatzblase.

Die radikale Entfernung der Harnblase (Zystektomie) verspricht als einzige Methode Heilung bei tief in die Blasenwand eingedrungenen und aggressiven Tumoren. Die Heilungsprognosen bei dieser Operation sind sehr gut. Dennoch ist der schwere 5-stündige Eingriff für die Patienten psychisch sehr belastend, da die Blasenentfernung auch mit wesentlichen Veränderungen der Sexualität und damit auch der Partnerschaften der betroffenen Männer verbunden ist.

"Die bisher gebräuchlichen Kunstblasen und Blasenersatzlösungen sind für die Harnblasenkrebspatienten mit ganz erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität verbunden - 94 % der betroffenen Männer waren nach der Operation impotent, fast jeder zweite litt unter Inkontinenz, und jeder zehnte an Problemen wie Einengungen der künstlichen Harnwege, die Folgeoperationen notwendig machten", erklärt Professor Jörg Schubert. Durch den teilweisen Erhalt der Prostata werden bei der neuen Methode auch die für die männliche Potenz unverzichtbaren Penisnervenstränge erhalten. "Gleichzeitig können wir so die Verbindung zur Harnröhre und dem Harnschließmuskel sichern und so die mögliche Inkontinenz verhindern", sagt Schubert weiter. Durch die Verknüpfung der Ersatzblase mit der Prostata kann zudem der bei den gebräuchlichen OP-Methoden entstehenden Verengungen an der Verbindungsstelle zwischen Harnöhre und Kunstblase vorgebeugt werden.

Möglich wurde die "Jenaer Harnblase" genannte Konstruktion aus Teilen der Prostata und einer Ersatzblase erst durch die Verknüpfung verschiedener gefäßschonender Operationstechniken, die den gewöhnlich bei Prostataeingriffen sehr hohen Blutverlust minimieren und die OP-Zeit verkürzen. "Wir brauchen für diese Eingriffe eine Stunde weniger als früher und können ganz auf den Einsatz von Bluttransfusionen verzichten", erläutert Operateur Prof. Schubert. Mit dem neuen Verfahren könne die für die Patienten in der derzeit üblichen Form sehr belastende Operation jetzt einem größeren Kreis Betroffener als bisher angeboten werden.

Blasenkrebs, der als zweithäufigste urologische Tumorart nach dem Prostatakrebs gilt, tritt vor allem bei Männern nach dem 60. Lebensjahr auf. Jährlich erkranken circa 15.000 Menschen an einer bösartigen Geschwulst der Harnblase. Bei fortgeschrittenem Stadium ist die radikale Entfernung der Blase und Einsatz eines Blasenersatzes die einzige Therapiemöglichkeit. Die Folge für die Betroffenen ist ein Leben mit dem Verlust der Kontrolle über das Wasserlassen, künstlichen Harnableitungen und Impotenz.

Diesen gravierenden Einschnitt in die Lebensqualität wollen die Jenaer Urologen mit dem neuen Verfahren künftig verhindern. Seit einem halben Jahr wird die Methode in der Klinik für Urologie des Uniklinikums eingesetzt. "Die Ergebnisse sind erfreulich - die Patienten mit einer "Jenaer Harnblase" haben keinerlei Potenzstörungen und keine Probleme mit der Inkontinenz", berichtet Prof. Schubert.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Jörg Schubert
Direktor der Klinik für Urologie, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641 / 935206
E-Mail: joerg.schubert@med.uni-jena.de

Prof. Dr. Jörg Schubert | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Ersatzblase Harnblase Inkontinenz Prostata Urologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen

23.05.2017 | Maschinenbau

«Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tumult im trägen Elektronen-Dasein

23.05.2017 | Physik Astronomie