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Neues Zelltherapie-Verfahren zur Behandlung des Herzinfarktes erstmals in Deutschland eingesetzt

10.11.2004


Herzchirurgen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) konnten jetzt erstmals in Deutschland einen Patienten mit einem neuen Zelltherapieverfahren behandeln, das den durch einen Herzinfarkt geschädigten Herzmuskel wiederherstellen soll.



Damit soll die Herztätigkeit bei Patienten, die an einer Herzschwäche nach Infarkt leiden, grundlegend verbessert werden; bisher können nur die Symptome behandelt werden. Bei diesem Ansatz, auch bekannt als autologe Zelltherapie, werden dem Patienten während einer Bypassoperation an den Herzkranzgefäßen eigene Muskelzellen (Myoblasten) in die geschädigten Regionen des Herzens injiziert. Diese Myoblasten werden drei Wochen vor der Herzoperation aus dem Oberschenkel entnommen, speziell aufbereitet und für die Injektion in den Herzmuskel gezüchtet.



Der erste Patient in Deutschland, ein 54-jähriger Mann aus Hamburg, wurde von Prof. Dr. Hermann Reichenspurner, Ph.D. Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, zusammen mit seinem Oberarzt, Dr. Dieter Böhm, Ph.D., im Rahmen einer 300 Patienten umfassenden klinischen Studie der Phase II behandelt. Diese Studie unter dem Namen "MAGIC" (Myoblast Autologous Graft in Ischemic Cardiomyopathy) wird von MG Biotherapeutics organisiert, einem Joint Venture der Firmen Medtronic, Inc., und Genzyme Corporation mit zusätzlicher Unterstützung des Publique Hôpiteaux in Paris. Die MAGIC-Studie gilt als eine der umfangreichsten und fortschrittlichsten ihrer Art.

"Wir sind sehr froh, an einer so wichtigen klinischen Studie teilnehmen zu können", sagte Professor Reichenspurner. "Sollten wir in der Lage sein, Schäden am Herzmuskel als Folge eines Herzinfarkts rückgängig zu machen oder das Fortschreiten einer Herzschwäche nachhaltig zu verhindern, wäre dies ein revolutionärer Fortschritt in der Behandlung des Herzinfarktes." Denn fast alle Patienten, die einen schweren Herzinfarkt überleben, leiden im weiteren Verlauf der Erkrankung an fortschreitender Herzinsuffizienz. Weltweit sind davon circa 20 Millionen Menschen betroffen.

Dem ersten Patienten in Hamburg geht es zwei Wochen nach der Operation am 26. Oktober ausgezeichnet. Er wird voraussichtlich Ende der Woche entlassen.

Die auch in Hamburg durchgeführte Studie baut auf der Arbeit von Dr. Philippe Menasché vom Hôpital Européen Georges Pompidou in Paris (Frankreich) auf. Er war der erste Wissenschaftler, der testete, ob diese autologe Zelltherapie geeignet ist, eine infarktbedingte Schädigung des Herzmuskels zu stoppen oder umzukehren.

Diese große internationale multizentrische Studie schließt Patienten aus Frankreich, Belgien und mittlerweile auch Deutschland ein und wird in den kommenden Monaten auf England, Italien und die Schweiz ausgedehnt.

Am Herzzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf werden jährlich mehr als 6000 Patienten mit angeborenen und erworbenen Herzerkrankungen behandelt. An der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie werden mehr als 1200 Herzoperationen jährlich vorgenommen; davon sind mehr als die Hälfte Bypassoperationen an den Herzkranzgefäßen.

MG Biotherapeutics ist ein Joint Venture der Genzyme Corporation und Medtronic, Inc., mit dem Ziel, die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden von schwerwiegenden Formen der kardiovaskulären Erkrankungen voranzutreiben, indem die komplementären Stärken zweier Marktführer synergetisch wirksam genutzt werden.

Dr. Marion Schafft | idw
Weitere Informationen:
http://www.uke.uni-hamburg.de

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