Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hightech-Diagnostik eröffnet neue Dimensionen für schonende Therapie

29.10.2004


MHH weiht neues PET/CT- und neues MRT-Gerät ein



Detaillierte Schichtbilder des menschlichen Körpers, kombiniert mit einer genauen Darstellung verschiedenster Stoffwechsel-Vorgänge - diese Möglichkeit bietet das neue PET/CT-Gerät, das die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) heute einweiht. Es ist das achte Gerät seiner Art in Deutschland. Gleichzeitig erhält die Hochschule ein neues Magnet-Resonanz-Tomographie-Gerät (MRT), welches das bundesweit dritte neuester Bauart ist.

... mehr zu:
»MHH »MRT »MRT-Gerät »PET »PET/CT »ProTon


"Beide Geräte haben wir in Form einer Public-Private-Partnership erhalten, dafür mussten keine Mittel des Landes Niedersachsen in Anspruch genommen werden", sagt Professor Dr. Wolfram H. Knapp, Direktor der MHH-Abteilung Nuklearmedizin. Das neue PET-CT und das MRT haben jeweils einen Gegenwert von 2,5 Millionen Euro (insgesamt fünf Millionen Euro). "Der kombinierte Einsatz verschiedener Geräte eröffnet neue Dimensionen für eine zielgenaue und zugleich schonende Therapie. Invasive Eingriffe chirurgischer, interventioneller und strahlentherapeutischer Art können wir nun exakt planen und in virtueller Realität simulieren", ergänzt Professor Dr. Michael Galanski, Direktor der MHH-Abteilung Diagnostische Radiologie. Die Einweihung findet im Hörsaal F während des Symposiums "Multimodale Bildgebung - Chancen für schonende Heilverfahren" statt.

Was ist eine PET/CT?

Ein PET/CT kombiniert die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) - bei der man besonders gut verschiedenste Stoffwechselvorgänge darstellen kann - mit der Computer-Tomographie (CT), die ein klares Bild der inneren Strukturen wie Knochen, Muskeln, Blutgefäße und Bindegewebe gibt. Bei der PET-Untersuchung setzen Nuklearmediziner Substanzen ein, die im normalen Körperstoffwechsel vorkommen, markieren sie radioaktiv und geben sie in die Blutbahn der Patienten. Weil beispielsweise eine Krebszelle mehr Zucker verbraucht als eine normale Zelle, lassen sich mit markierten Zuckermolekülen auch wenige Millimeter große Tumoren nachweisen. Die PET hat aber einen Nachteil: Sie kann nur schlecht die Körperstrukturen abbilden, die Ärzte wissen also nicht genau, wo der Tumor liegt. Da kommt die CT ins Spiel: Sie zeigt mittels Röntgenstrahlen detailgenau alle Körperstrukturen an, unterscheidet auch zwischen verschiedenen Geweben. Bei der PET/CT kombiniert eine gemeinsame Software beide Bildinformationen, der Tumor ist in den Schichtbildern mit der PET klar erkennbar und dank der CT auch dessen genaue Lage. So lässt sich ein Tumor präzise entfernen oder eine Gewebeentnahme exakt durchführen. Aber auch in der Nachsorge oder für die Kontrolle einer Chemotherapie kann man die PET/CT einsetzen: Sie zeigt an, ob es sich bei einem Tumor-Restgewebe nur um Narbengewebe (niedriger Stoffwechsel) handelt oder um eine erneute Wucherung des Tumors (stark erhöhter Stoffwechsel).

Wie funktioniert eine MRT?

Eine Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) arbeitet nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit einem Magnetfeld und einem UKW-Sender. Die positiv geladenen Kerne der Wasserstoffatome (Protonen) im Körper verhalten sich unter einem starken Magnetfeld genau wie Eisenspäne unter einem gewöhnlichen kleinen Magneten: Sie orientieren sich alle in eine Richtung. Richtet man Radiowellen auf die so in Reih und Glied gebrachten Protonen, nehmen sie die Energie auf und werden dadurch etwas von ihrer Ausrichtungsachse abgelenkt. Nach Abschalten des Senders kehren die Protonen in ihre Ausgangsposition zurück und geben dabei die aufgenommene Energie in Form schwacher Radiowellen wieder ab. Diese Signale können dann von einer Antenne aufgefangen und in ein Bild umgesetzt werden. Dabei sind nicht nur Querschnittsbilder möglich, sondern Aufnahmen aus jeder beliebigen Richtung und auch dreidimensionale Darstellungen. Vor allem Weichteile lassen sich mit der MRT besonders gut zeigen - also Gehirn und Rückenmark, Kopf und Hals, Organe im Brustkorb und im Bauchraum sowie Gelenke.

Was bietet das neue MRT-Gerät der MHH?

Das neue Gerät ist das dritte seiner Art in Deutschland und ermöglicht erstmals Ganzkörper-Aufnahmen in einer einzigen Untersuchung. Dabei sind noch detailgenauere Abbildungen des Menschen als bisher möglich. Gleichzeitig verkürzt sich die Aufnahmezeit erheblich. Erstmals können auch sehr große Erwachsene bis 205 Zentimeter Länge untersucht werden. Dank einer besonderen Technik mit noch höherer Aufnahmegeschwindigkeit und Bildauflösung eignet sich das neue MRT-Gerät besonders für sich bewegende Organe wie das Herz - aber auch Systemerkrankungen wie Lymphkrebs, Blutgefäß-Krankheiten und den gesamten Körper befallende Störungen des Bewegungsapparates lassen sich damit gut beurteilen. "Das interdisziplinär genutzte Gerät ergänzt unsere beiden weiteren MRT-Geräte und hilft uns Ärzten bei vielen medizinischen Fragestellungen. Wir können damit den Patienten noch besser helfen", sagt Professor Galanski.

Übrigens: 1983 wurde der erste klinische Magnet-Resonanz-Tomograph (Siemens) in Deutschland in der MHH installiert - unter der Leitung des damaligen Direktors der Abteilung Nuklearmedizin, Professor Dr. Dr. Heinz Hundeshagen.

Dr. Arnd Schweitzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de
http://www.mh-hannover.de/kliniken/radiologie/kspin2_2.html
http://www.nuklearmedizin.de/pat_info/broschuren.php

Weitere Berichte zu: MHH MRT MRT-Gerät PET PET/CT ProTon

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften