Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinder haben Gift im Blut

11.10.2004


Familienstudie des WWF zeigt, dass Kinder oft mehr Chemikalien im Blut haben als ihre Eltern




Eine heute von der Umweltschutzorganisation WWF veröffentlichte exemplarische Studie offenbart erstmals, dass Kinder oft mehr Chemikalien oder eine höhere Konzentration bestimmter, neuerer Chemikalien wie bromierte Flammschutzmittel und perfluorierte Chemikalien im Blut haben als ihre Eltern und Großmütter. Dies ist vor allem deshalb erschreckend, weil es sich dabei um Chemikalien handelt, die im Körper und in der Umwelt äußerst langsam abgebaut werden und sich daher im Laufe eines Lebens stetig im Organismus zu höheren Konzentrationen anreichern. Die Studie wirft daher die Besorgnis erregende Frage auf, ob Kinder sowie künftige Generationen während ihres Lebens um ein Vielfaches mit potenziell krebserregenden, das Hormonsystem beeinflussenden oder gar die Gehirnleistung beeinträchtigenden Chemikalien belastet sein werden als die heute über 30 Jährigen.

... mehr zu:
»Flammschutzmittel »Gift »Hormonsystem »WWF


Die schockierenden Ergebnisse der Bluttests, bei denen 33 Menschen zwischen 9 und 88 Jahren aus sieben Familien in England, Schottland und Wales auf 104 künstlich erzeugte Chemikalien untersucht wurden, finden sich in dem Report: „Contaminated: the next generation.“ Von den untersuchten Substanzen wurden 80 in den Blutproben der Probanden gefunden. Insgesamt 75 verschiedene Chemikalien fanden sich im Blut der Kinder, 75 bei deren Eltern und 56 bei den Großmüttern.

Aus der Generationen übergreifenden Studie geht zudem hervor, dass Kinder schon im Alter von neun Jahren nicht nur einen Cocktail bedenklicher Chemikalien im Blut haben, sondern dies bereits auch in höheren Konzentrationen als ältere Generationen. Darunter befinden sich Substanzen wie Perfluoroktansäure (PFOA), die im Juli in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt hat, weil der US-Herstellerfirma DuPont wegen verheimlichter Daten zu diesem Stoff ein Bußgeld von bis zu 250 Millionen Dollar droht.

„Diese Resultate sind erschreckender Beweis dafür, dass es höchste Zeit wird für eine starke EU-Chemikalienreform“, sagt Dr. Ninja Reineke, WWF-Chemikalienexpertin. „Chemikalien wie bromierte Flammschutzmittel, die immer noch in Alltagsprodukten wie Möbeln und Fernsehern vorkommen, sowie perfluorierte Chemikalien, die beispielsweise in Antihaft-Pfannen stecken, müssen durch sicherere Alternativen ersetzt und aus dem Verkehr gezogen werden.“

82 Prozent der untersuchten Menschen hatten mindestens eine perfluorierte Chemikalie im Blut.

DEHP, ein Weichmacher, wurde in über drei Viertel der Testpersonen gefunden, darunter auch bei Kindern. Es steht unter Verdacht, das Hormonsystem zu stören und findet in PVC-Böden, Lebensmittelverpackungen, Kosmetika und Hygieneartikeln Verwendung. Chemikalien wie PCB und DDE, ein Spaltprodukt von DDT, wurde im Blut aller Studienteilnehmer gefunden, obwohl diese Substanzen in Großbritannien (und Deutschland) bereits mindestens ein Jahrzehnt vor der Geburt der Kinder verboten worden sind. Deca-BDE, ein bromiertes Flammschutzmittel, wurde bei 7 Personen gefunden, in der Mehrheit (57 Prozent) handelte es sich um Kinder.

| WWF
Weitere Informationen:
http://www.wwf.de

Weitere Berichte zu: Flammschutzmittel Gift Hormonsystem WWF

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie