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Deutscher Schmerzkongress 2004: Wenn das Herz dauernd schmerzt

07.10.2004


Therapiemöglichkeiten gegen chronische Angina Pectoris



Überraschend viele Patienten, deren Herzkranzgefäßverengung erfolgreich behandelt wurde, leiden trotzdem weiterhin unter ständigen Herzschmerz- und Angstattacken, die vermeintlich nicht therapierbar sind. Es gibt jedoch wirksame, zumeist einfache Mittel dagegen: In den BG-Kliniken Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, kooperieren ärztliche und psychologische Spezialisten der interdisziplinären Abteilung für Schmerztherapie (Ärztlicher Leiter: Prof. Dr. Maier) mit der Klinik für Kardiologie (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mügge) und beraten, diagnostizieren und behandeln Patienten mit chronischer Angina pectoris. Über ihre Behandlungsmethoden und -erfolge berichteten sie beim Deutschen Schmerzkongress 2004 der DGSS in Leipzig.

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Wie bleibender, "unbehandelbarer" Herzschmerz entsteht

Bei Erkrankung der kleinen und großen Herzgefäße (Koronargefäße), selten auch bei anderen Herzerkrankungen, kommt es zu einem kritischen Sauerstoffmangel im Herzen, der dann zu den quälenden, oft mit Todesangst verbundenen typischen Brustschmerzen führen kann. Die moderne Medizin verfügt über ein reichhaltiges Arsenal zur Behandlung der Gefäßverengung: "Neben hoch wirksamen Medikamenten spielen die Erweiterung der Herzkranzgefäße durch geeignete Katheter, der Einbau von bestimmten Röhren (Stents) zur dauerhaften Aufrechterhaltung der Erweiterung der Gefäße und bei einem Teil der Patienten auch die chirurgische Wiederherstellung einer guten Blutversorgung durch entsprechende Bypassoperationen eine Rolle", so Prof. Maier. Diese Maßnahmen führen bei der Mehrzahl der Patienten zu einem weitgehenden Verschwinden der Symptomatik. Allerdings hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass trotz dieser Maßnahmen mehr als 5% der Betroffenen dauerhaft an Angina pectoris leiden. In einer eigenen Untersuchung in der Bochumer Klinik hatten 50% der Patienten noch nach einem Jahr Herzschmerzen. 15% von diesen Patienten hatten sogar starke, ihre Lebensqualität deutlich einschränkende und durch viele Arztbesuche auch entsprechende kostenverursachende, quälende Herzschmerzen. "Hierzu zählen Patienten, bei denen die genannten Therapien nicht möglich sind, aber auch solche, bei denen die Krankheit von vornherein die kleinen Gefäße betroffen hat", erläuterte Prof. Maier. "Insgesamt sprechen die Bochumer Zahlen dafür, dass in Deutschland mehr als 50.000 Patienten jährlich von diesem Problem betroffen sind."

Schmerzmatrix im Gehirn

Die moderne Forschung hat jetzt gezeigt, dass neben dem Zustand des Herzens auch Gehirnreaktionen der sog. Schmerzmatrix für die Beibehaltung der Schmerzen verantwortlich sind: Bestimmte Hirnregionen, die durch wiederholte heftige Schmerzen aktiviert werden und auch dann stets mit Schmerzen reagieren, wenn die eigentliche Krankheit bereits abgeklungen ist. "Man spricht dann von einer Chronifizierung der Schmerzen, die auch z.B. bei Phantomschmerzen auftritt", so Prof. Maier.

Neue Therapiemöglichkeiten

Dieser Zusammenhang von Gehirnsensibilisierung und Herzerkrankung eröffnet jedoch auch neue Therapiemöglichkeiten. Im Bergmannsheil Bochum wurden bislang 25 Patienten mit verschiedenen Therapieverfahren erfolgreich behandelt. Beim Deutschen Schmerzkongress konnten die Ärzte der Schmerzabteilung zeigen, dass 80% der an chronischem Herzschmerz leidenden Patienten zum Teil durch sehr einfache Maßnahmen hoch effektiv behandelt werden können. So sank die Zahl der täglichen Angina pectoris Attacken von im Durchschnitt acht auf zwei pro Tag und die Intensität der Schmerzen fiel auf 2/3. Dementsprechend stieg die Lebensqualität. Neben begleitenden verhaltenstherapeutischen Maßnahmen profitieren die Patienten z.B. von Verfahren der transkutanen Nervenstimulation (TENS). "Das ist ein einfaches, billiges und ungefährliches Verfahren, bei dem der Patient durch äußere Klebeelektroden, die er selbst steuern kann, die Herzschmerzen sofort unterdrücken kann. In schwereren Fällen legen wir einen speziellen, elektrisch stimulierbaren Katheter in die Nähe des Rückenmarkes, durch den diese Schmerzen noch effektiver unterdrückt werden", so Prof. Maier. "Unbehandelbarer Herzschmerz bedeutet eben nicht, dass eine Schmerzlinderung und eine Steigerung der Lebensqualität unmöglich sein müssen." Bei einem Patientenseminar am19. Oktober werden die Herz- und Schmerzspezialisten des Bergmannsheils in Bochum Betroffene über die heutigen Erkenntnisse zur Entstehung chronischer Herzschmerzen und seine Behandelbarkeit informieren.

Kontakt

Prof. Dr. Christoph Maier, Schmerzzentrum der BG-Kliniken Bergmannsheil Bochum, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum,Bürkle-de-la-Camp Platz 1, 44789 Bochum, Tel.0234/302-6366, E-Mail: christoph.maier@rub.de

Meike Drießen | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgss.org

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