Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zentralsterilisationen in Krankenhäusern im Fadenkreuz der Qualitätsaufsicht

04.10.2004

Alarmierende Schlagzeilen lenken derzeit den Blick auf die Sterilgutversorgung der Krankenhäuser: Aus England und Australien wird die Übertragung der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (BSE) durch mangelhaft sterilisierte OP-Instrumente berichtet. Für Operationen mit hohem Risiko der Prionenübertragung ist dort die Verwendung von Einmalinstrumenten mittlerweile vorgeschrieben. In Deutschland rechnen Experten mit jährlich 128.000 postoperativen Wundinfektionen. Die betroffenen Patienten bleiben im Schnitt zwei Wochen länger im Krankenhaus, was zusätzliche Kosten in Form von Medikamenten, Bindung von medizinischem Personal, Verdienstausfall usw. verursacht.

Auf Einladung des Centrums für Krankenhaus-Management (CKM) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster setzten sich rund 100 Krankenhaus-Manager, Wissenschaftler, Industrie-Vertreter und Repräsentanten von Behörden mit dem Thema "Risiko Sterilgutversorgung - Im Spannungsfeld zwischen rechtlichen Anforderungen und Wirtschaftlichkeit" im Rahmen einer Fachtagung in Essen auseinander.

... mehr zu:
»ZVSA »Zentralsterilisation

Als Tagungsleiter umriss Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff, Leiter des CKM, die verschiedenen Blickwinkel, unter denen die Sterilgutversorgung in deutschen Krankenhäusern zu betrachten ist. "Null-Fehler-Qualität" sei im Wesentlichen auf beherrschte organisatorische Abläufe und risikobewusstes Verhalten des Krankenhauspersonals zurückzuführen. Deshalb gelte es, auch kleinste Fehlerquellen aufzuspüren und auszuschalten. Daneben stehe die Sterilgutaufbereitung im Fokus der betriebswirtschaftlichen Analyse, wobei diese nicht einseitig als Kostenfaktor zu betrachten sei, sondern eher als Investitionsbereich zur Ausschaltung von Patientenrisiken. In diesem Spannungsfeld zwischen Qualität, Risiko und Kosten gelte es, einen intelligenten Weg zu finden, so von Eiff.

Dass im Bereich der Sterilgutversorgung dringender Handlungsbedarf besteht, verdeutlichen die vorläufigen Untersuchungsergebnisse von Bezirksregierungen und Gewerbeaufsicht in NRW und Niedersachsen, die Steri-Anlagen in Krankenhäusern und die Reinigungsqualität in Endoskopie-Einheiten, z.B. bei niedergelassenen Ärzten, analysierten. Über 40% der Krankenhäuser, die ihre OP-Instrumente hygienisch aufbereiten, erfüllen derzeit nicht die gesetzlichen Anforderungen. 75% dieser Einrichtungen können lediglich durch Neuanschaffung der Sterilisatoren den gesetzlich geforderten Stand der Technik erreichen.

In vielen Krankenhäusern ist die Zentralsterilisation "das ungeliebte Kind im Keller". Offenbar ist den Entscheidungsträgern nicht klar, welche Kapitalwerte in einer Zentralen Sterilgut Versorgungs-Abteilung (ZVSA) vorhanden sind: in einem 400 Betten Haus beläuft sich der Instrumentenwert auf fast 5 Mio. Euro, hinzu kommt ein Servicebedarf von 3 Mio. Euro. Ohne den Einsatz leistungsstarker DV Systeme lassen sich auch in der ZSVA die Komplexitäten nicht mehr wirtschaftlich beherrschen. Auch die Risiken fehlerhafter Arbeit einer ZVSA werden nur ungenügend beachtet: fehlerhafte Siebe und Nichtverfügbarkeit von Instrumenten erhöhen die Kosten je 10.000 Operationen um ca. 200.000 Euro. Als Ergebnis des CKM- Forums wurde ein 16-Punkte-Programm entwickelt, das den Krankenhäusern hilft, eine bedarfsgerechte und wirtschaftliche Sterilgutversorgung zu etablieren.

Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff | Centr. f. Krankenhaus Management
Weitere Informationen:
http://www.krankenhaus-management.de

Weitere Berichte zu: ZVSA Zentralsterilisation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

24.04.2018 | HANNOVER MESSE

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics