Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DGE: Künstliche Befruchtung birgt sehr geringes Risiko - Reagenzglas-Kinder selten geschädigt

28.09.2004


Die Mehrzahl der durch künstliche Befruchtung gezeugten Kinder ist gesund, angeborene Schäden sind sehr selten. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hin. Dennoch müssten Fehlentwicklungen bei diesen Kindern gründlich untersucht werden. Außerdem sei es wichtig, die Eltern über mögliche Gefahren aufzuklären. Das Hauptrisiko der Assisted Reproductive Technology (ART) oder auch In-vitro-Fertilisation (IVF) stellten nach wie vor Mehrlingsschwangerschaften dar. Die DGE empfiehlt deshalb, unfruchtbare Paare mit Kinderwunsch ausführlich zu beraten.



Die ART geriet in letzter Zeit in die Diskussion, da sie angeblich ähnliche Risiken berge wie das Klonen von Tieren. Anlass gaben vereinzelte Fälle von im Reagenzglas gezeugten Kindern, die mit Missbildungen zur Welt kamen. Die Fehler entstünden beim so genannten "Imprinting", der genetischen Prägung: ein Gen führt zu unterschiedlichen Ergebnissen je nachdem ob es über Vater oder Mutter vererbt wird. "Diese seltenen Ereignisse, müssen dringend und sorgfältig untersucht werden", betont Professor Dr. med. Ludwig Kiesel, Tagungspräsident der DGE 2005. Daran ließen sich problematische Mechanismen bei der genetischen Prägung und der Krankheitsentstehung aufdecken. Der Gynäkologe vom Universitätsklinikum Münster weist jedoch darauf hin, dass die überwiegende Mehrzahl der Kinder gesund zur Welt kämen. Auch bei natürlicher Empfängnis seien immer Komplikationen möglich.

... mehr zu:
»Befruchtung »DGE »Eizelle »Endokrinologie »IVF


Ein Imprinting-Defekt besteht beispielsweise bei einer seltenen Form des so genannten "Angelmann-Syndroms" (AS). Die betroffenen Kinder sind geistig behindert, lachen oft unbegründet, lernen nicht zu sprechen, und haben Krampfanfälle. Nur eines von 300.000 natürlich gezeugten Neugeborenen kommt mit dem Defekt zur Welt. Doch auch bei künstlicher Befruchtung ist die Gefahr einer solchen Fehlentwicklung sehr gering. Ähnliches gilt für andere Defekte. Aktuelle Studien ergaben jedoch, dass diese Fehlbildungen weniger auf die Methode der IVF als auf das Erbgut der Eltern zurückzuführen seien.

Die häufigste Todesursache für IVF-Kinder bleiben nach wie vor Mehrlingsschwangerschaften. Vor allem wenn die Frau mehr als zwei Feten in sich trägt, kann dies zu Frühgeburten und Entwicklungsstörungen bei den Kindern führen. "Höhergradige Mehrlinge sollten unbedingt vermieden werden", sagt Professor Kiesel. Dies ist leicht zu beeinflussen: Indem der Arzt nur zwei Eizellen in die Gebärmutter der Frau einpflanzt, kann er diese Gefahren ausschließen.

Einen standardisierten Einsatz der so genannten Präimplantationsdiagnostik (PID) lehnt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie ab. Dabei untersucht der Arzt die befruchtete Eizelle vor der Einpflanzung in den Mutterleib. Nur gesunde Eizellen setzt er ein, geschädigte sortiert er aus. Diese umstrittene Methode sei auch in diesem Fall nicht begründbar: "Die geringe Zahl der bisher gefundenen Imprinting-Defekte rechtfertigt die PID nicht. Möglicherweise ist dies in ferner Zukunft denkbar, wenn die Mechanismen besser bekannt sind", betont Professor Kiesel. Um aussagekräftige Ergebnisse zu bekommen, müssten Studien zur IVF langfristig und länderübergreifend angelegt sein. Internationale Register könnten dies unterstützen. Wichtig sei es auch, die Grundlagenforschung in den Bereichen Biologie, Tiermedizin, Embryologie und anderen angrenzenden Fächern zu verstärken.

Jährlich finden in Deutschland etwa 70.000 Befruchtungen im Reagenzglas statt. Entscheidend für den Erfolg der Behandlung ist unter anderem das Alter der werdenden Eltern und die Dauer der Kinderlosigkeit. Die DGE empfiehlt, das Paar ausführlich zu beraten: "Wir sollten unbedingt darauf hinweisen, dass zwar in seltenen Fällen Probleme auftreten können, die Behandlung jedoch sehr sicher ist", so Professor Kiesel.

Kontakt für Rückfragen:

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel +49 (0) 711 89 31 552
Fax +49 (0) 711 89 31 566
E-Mail: info@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net

Weitere Berichte zu: Befruchtung DGE Eizelle Endokrinologie IVF

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie