Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erhöhtes Fehlbildungsrisiko

16.09.2004


Kinder, die mit Hilfe reproduktionsmedizinischer Techniken zur Welt kommen, haben im Vergleich zu anderen Kindern ein leicht erhöhtes Fehlbildungsrisiko. "Vermutlich ist die Unfruchtbarkeit selbst ein Risikofaktor", mutmaßt Dr. Michael Ludwig vom Endokrinologikum Hamburg auf dem 55. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in Hamburg.



Bei jeder 15. Schwangerschaft müssen die Eltern mit einer Fehlbildung rechnen. Die Wahrscheinlichkeit steigt mit dem Alter. Bei Kindern, die mit Hilfe der Reproduktionsmedizin geboren werden, ist dieses Risiko darüber hinaus leicht erhöht. "Nach einer Kinderwunschbehandlung finden wir bei etwa jeder 12. Schwangerschaft eine Fehlbildung", erklärt Dr. Michael Ludwig vom Endokrinologikum Hamburg. Darüber hinaus kommen die Babys etwas früher zur Welt und wiegen etwa 200 Gramm weniger.

... mehr zu:
»Fehlbildung »ICSI »IVF-Kind


Gering erhöhtes Risiko nach ICSI

Besonders erforscht wird derzeit die sogenannte Intracytoplasmatische Spermieninjection (ICSI). Diese Methode, bei der im Labor ein einzelnes Spermium in die Eizelle gespritzt wird, entwickelten Forscher in den frühen 90er Jahren speziell für unfruchtbare Männer. Eine große deutsche Multicenterstudie unter der Federführung der Universitäts-Frauenklinik Lübeck ergab vor vier Jahren eine um zwei Prozent erhöhte Fehlbildungsrate nach ICSI. Die Forscher erfassten schwere Fehlbildungen wie Herzfehler, Fehlentwicklungen des Gehirns, des Verdauungstrakts, der Nieren und Harnwege und Auffälligkeiten bei den Chromosomen. Doch definitive Erklärungen für die erhöhte Rate gibt es nicht. "Wir können zwar nicht ausschließen, dass die ICSI-Technik selbst ein geringfügig erhöhtes Fehlbildungsrisiko mit sich bringt", räumt Ludwig ein. "Doch wir vermuten, dass die schlechteren Ergebnisse vor allem mit den Ursachen der elterlichen Unfruchtbarkeit zusammenhängen". Dafür sprechen Untersuchungen, die ein erhöhtes Schwangerschaftsrisiko nicht nur nach einer Kinderwunschbehandlung beschreiben, sondern auch bei Paaren, die ohne Behandlung erst nach mehr als zwei Jahren ein Kind erwarteten. Es laufen bereits weitere Studien, um diese Frage zu kären.

ICSI und IVF: vergleichbares Risiko

Dr. Wolfgang Paulus vom Ulmer Christian-Lauritzen-Institut wies in einer Studie nach, dass das Fehlbildungsrisiko nach ICSI nur geringfügig höher ist als nach einer Befruchtung der Eizelle im Reagenzglas (In-Vitro-Fertilisation oder IVF). Er verglich 434 ICSI-Kinder und 356 IVF-Kinder miteinander. 12 Monate nach der Geburt stellten die Ärzte bei drei von hundert IVF-Kindern und bei vier von hundert ICSI-Kindern schwere Fehlbildungen fest. "ICSI- und IVF-Kinder unterschieden sich nicht wesentlich", stellt Paulus auf dem Hamburger Kongress fest. "Doch im Vergleich zu Kindern, die nicht im Reagenzglas gezeugt worden waren, waren sie bei der Geburt deutlich leichter."

Entwicklung nach der Geburt normal

Nach einer Befruchtung im Reagenzglas oder einer Spermieninjektion müssen Eltern mit leicht erhöhten Schwangerschaftskomplikationen und Fehlbildungsraten rechnen. Ludwig warnt indes vor übertriebenem Pessimismus: "Man muss diese Studien sehr kritisch betrachten. Unter den Langzeitstudien ergibt nur eine australische Untersuchung einen deutlichen Nachteil für Jungen, die nach ICSI geboren wurden. Doch da gab es methodische Mängel. Nach fünf Jahren konnten die Autoren selbst keine Unterschiede mehr zwischen den beiden untersuchten Gruppen feststellen." Wie sich die Jugendlichen nach der Pubertät entwickeln, bleibt abzuwarten. Erst dann wird man sehen, ob ICSI-Väter das Fruchtbarkeitspotential ihrer Söhne beeinträchtigen. Schon jetzt halten viele Experten die Untersuchung der Spermien vor einer ICSI-Behandlung für sinnvoll.

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dggg.de

Weitere Berichte zu: Fehlbildung ICSI IVF-Kind

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Chancen für die Behandlung von Kinderdemenz
24.07.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie