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Prävention und Heilung von Rückenschmerzen beginnen auch im Kopf

24.08.2004


Patienten sollten aktiv bleiben, sich bewegen und positiv denken. 70 Prozent der Deutschen leiden innerhalb eines Jahres an Rückenschmerzen. Langwierige, aufwändige und teure Behandlungen sind in mehr als 80 Prozent aller Fälle unnötig. Betroffene und Mediziner sollten bedenken, dass Prävention und Heilung von Rückenschmerzen auch im Kopf beginnen - so eine der Kernaussagen einer Expertise im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.



"Rückenschmerzen sind meist nichts Schlimmes und haben in der Regel gute Heilungschancen", sagt Eckhard Volbracht, Projektleiter bei der Bertelsmann Stiftung. Das bestätigt ein Bericht des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin: In fast 90 Prozent aller Fälle klinge erstmals auftretender Rückenschmerz innerhalb von vier bis sechs Wochen wieder ab - mit oder ohne Behandlung.

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Die in den letzten Jahrzehnten extrem angestiegene Häufigkeit von Rückenschmerzen erklärt sich nicht durch eine Zunahme tatsächlicher Rückenerkrankungen. "Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule sind heute nicht häufiger als im Mittelalter", so Volbracht. Heute seien aber die Erwartungshaltung von Patienten und die Herangehensweise der Medizin völlig anders: Betroffene gehen früher zum Arzt und setzen die medizinische Maschinerie zum Teil unnötig in Gang. Diagnostische und therapeutische Bemühungen haben entsprechend zugenommen. Daraus ergeben sich sozialmedizinische Folgen: Mehr Menschen werden krankgeschrieben; die Zahl der Frührentner steigt. "Mit immer mehr Diagnostik und Therapie können wir das Problem nicht lösen, möglicherweise verschlimmern wir es sogar", so Volbracht.

"Wer mit unspezifischen, leichten Rückenschmerzen wie ein Kranker behandelt wird, wird sich auch wie ein Kranker verhalten", bestätigt Prof. Hans-Heiner Raspe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Er hat den internationalen wissenschaftlichen Kenntnisstand zum Rückenschmerz im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zusammengefasst. Unter anderem stellte er fest, dass ein Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und sitzender Tätigkeit mit wissenschaftlichen Daten nicht zu belegen ist. Die Schmerzen würden nicht von einem einzelnen, sondern von zahlreichen sozialen, psychologischen, physiologischen, biologischen und arbeitsplatzbezogenen Faktoren beeinflusst.

Zur Heilung von Rückenschmerzen sei von Bettruhe und anderen passiven Maßnahmen abzuraten, so die Experten. Patienten sollten aktiv bleiben, sich bewegen und optimistisch denken. "Nicht nur bei der Diagnose, sondern auch bei der Therapie müssen Betroffene und Ärzte umdenken", fordert Eckhard Volbracht: "Nur so können wir die ,Rückenschmerz-Epidemie’ eindämmen und unnötige Beeinträchtigungen und Kosten verringern."

Die Bertelsmann Stiftung erarbeitet derzeit ein präventives Screening-Verfahren, das das Rückenschmerzrisiko bei beschwerdefreien Personen ermitteln soll. Es soll die Vielfalt möglicher Einflussfaktoren erkennbar machen, Ansätze zur Prävention zeigen und den Patienten einen eigenverantwortlichen, lockeren Umgang mit Rückenschmerzen ermöglichen.

Julia Schormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

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