Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erster Gentest-Großversuch einer Krankenkasse - KKH fordert Gesetz zur Krankheits-Früherkennung

20.08.2004


KKH fordert, Gentests nur zur Heilung und Vermeidung von Krankheiten zu nutzen. EU-Experten für Screenings bei Neugeborenen - Gesetzgeber muss handeln


An der ersten deutschen Gentest-Reihenuntersuchung zur Früherkennung einer Erbkrankheit haben 6.000 Versicherte der KKH teilgenommen. Der Modellversuch - der erste seiner Art, den eine deutsche Krankenkasse durchführte - hatte zum Ziel, die vererbbare Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) nachzuweisen, um diese Stoffwechselerkrankung erfolgreich behandeln zu können. Die Auswertungen der Tests laufen noch, die Kaufmännische wird Ende November im Rahmen der Medizin-Fachmesse MEDICA in Düsseldorf über das Projekt berichten und die dringend erforderliche Debatte um Gentests weiter vorantreiben.

Die KKH fordert angesichts der Erfahrungen im Verlauf dieser Studie klare und eindeutige Regelungen für den Umgang mit Gentests. "Deutschland wie auch die übrigen EU-Länder sollten die Rahmenbedingungen für genetische Untersuchungen beim Menschen so gestalten, dass Risiken und Nebenwirkungen vermieden werden", verlangt Vorstandsvorsitzender Ingo Kailuweit.


Eine von der EU-Kommission berufene Expertenkommission empfahl vor kurzem, die EU-Mitgliedsstaaten sollten "vorrangig dafür sorgen, dass Neugeborene systematisch im ersten Lebensmonat auf jene seltenen schweren Krankheiten untersucht werden, für die es bereits Behandlungsmöglichkeiten gibt". EU-Forschungskommissar Philippe Busquin erklärte aber anschließend, Brüssel wolle "keine verpflichtenden Gentests für neugeborene Babys in Europa". In der EU werden einem Bericht der "Welt" zufolge jährlich über 700.000 Gentests durchgeführt, davon rund 90.000 in Deutschland.

Kailuweit fordert gesetzliche Regelungen, nach denen Gentests in der Medizin nur bei Vorliegen konkreter Behandlungsmöglichkeiten eingesetzt und Testergebnisse aus der Gendiagnostik nur den Betroffenen - in speziellen Fällen: den Erziehungsberechtigten - zur Verfügung stehen dürfen. "Gentests dürfen Betroffene nicht diskriminieren."

Nach Auffassung der Kaufmännischen sollte für alle Versicherer - auch die privaten - verbindlich sein:

- Gentests dürfen nur auf freiwilliger Basis vorgenommen werden;
- die Ergebnisse stehen weder Institutionen noch Firmen noch Behörden, sondern ausschließlich den Betroffenen selbst zur Verfügung;
- Testergebnisse aus der Gendiagnostik dürfen weder verlangt noch verwertet noch verbreitet werden;
- prädiktive Tests, anhand derer nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit das spätere Auftreten einer Krankheit vorhergesagt werden kann, sind dann akzeptabel, wenn auf ihrer Basis eine verbesserte Behandlung zur Vermeidung der Krankheitsmanifestation möglich ist.

Das 2001 von der KKH in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) durchgeführte Hämochromatose-Screening bot den Betroffenen die Chance, noch vor Ausbruch der Eisenspeicherkrankheit gezielte Maßnahmen zur Frühdiagnose, Prävention und Behandlung einzuleiten. Schon ein Aderlass alle drei Monate reicht aus, um Spätschäden wie zum Beispiel Herzschwäche, Leberschäden und Leberzellkarzinome oder Diabetes zu verhindern. Ingo Kailuweit: "Der Modellversuch von KKH und MHH soll auch dazu beitragen, künftig mehr Rechtssicherheit für die Betroffenen zu schaffen."

Auf der MEDICA in Düsseldorf wird die Kaufmännische am 26. November vor Fachpublikum die Auswertung des Modellprojekts präsentieren und die Ergebnisse mit Experten diskutieren (CCD.Süd, Raum 14, 10-13 Uhr).

Wolfgang Michall | KKH
Weitere Informationen:
http://www.kkh.de

Weitere Berichte zu: Eisenspeicherkrankheit Gentest

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise