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Neues Medikament für die Behandlung der zweithäufigsten Blutkrebserkrankung

19.08.2004


Fünf Jahre: Das ist im Durchschnitt die Lebenszeit, die Patienten mit der Diagnose multiples Myelom verbleibt. Das multiple Myelom ist eine unheilbare Form von Blutkrebs und gehört zu den 20 häufigsten Krebserkrankungen. Seit Mai gibt es in Deutschland eine Therapie, die den Krebs auch dann noch zumindest vorübergehend aufhalten kann, wenn kein anderes Medikament mehr hilft. Bortezomib, ein neuartiger Wirkstoff, greift in den Stoffwechsel der Myelomzellen ein und verhindert ihr Wachstum. So kann die Krankheit unterbrochen, gemildert oder stabilisiert werden. Der Patient gewinnt wertvolle Zeit und Lebensqualität. Prof. Dr. Wolfgang Knauf, niedergelassener Onkologe in Frankfurt am Main, bestätigt: "Die neue Substanz ist offensichtlich ein Fortschritt in der Behandlung von stark vortherapierten Patienten mit multiplem Myelom."


Was viele nicht wissen: Allein in Deutschland leiden etwa 12.000 Patienten am multiplen Myelom; jedes Jahr kommen ungefähr 3.500 neue Erkrankungen hinzu. Vor allem ältere Menschen über 50 Jahre erkranken daran. Ursache sind Entartungen bestimmter Blutzellen, der sogenannten Plasmazellen, im Knochenmark. Dies führt zu einer Störung der Antikörper-Bildung mit weitreichenden Beschwerden für die betroffenen Patienten: Sie leiden unter einer gestörten Blutbildung, sind häufig müde und neigen zu Infekten und Blutungen. Außerdem werden ihre Knochen mürbe und löchrig, so dass sie leicht brechen. Über die genauen Ursachen für die Entstehung dieser Krankheit weiß man derzeit noch wenig. In etwa 80 Prozent der Fälle wird die Krankheit leider auch erst sehr spät erkannt.

Neue Hoffnung für die Patienten


Chemotherapie und Stammzelltransplantation gehören zu den Standardansätzen in der Behandlung des multiplen Myeloms. Doch können diese Therapien den Patienten nur für eine gewisse Zeit vor einer Verschlechterung seines Zustands bewahren. Insbesondere die Chemotherapie verliert im Lauf der Zeit ihre Wirkung. Mit Einführung des neuen Wirkstoffs Bortezomib kann seit kurzem auch solchen Patienten geholfen werden, bei denen die anderen Therapien nicht mehr helfen. Das Medikament führt bei vielen Patienten auch zu diesem Zeitpunkt noch zu einer Verlängerung der krankheitsfreien Zeit oder zumindest zu einer Stabilisierung ihrer Erkrankung und damit zu einer Lebensverlängerung. Außerdem haben Studien gezeigt, dass Bortezomib einer Therapie mit hochdosierten Kortisonpräparaten, einer bisherigen Behandlungsalternative in diesem Stadium der Erkrankung, überlegen ist. Zudem verringert sich für die Patienten mit Bortezomib die Wahrscheinlichkeit, während des ersten Therapiejahres zu versterben, um 30 Prozent.

Bortezomib ist zunächst für die Behandlung erwachsener Patienten mit multiplem Myelom zugelassen, die mindestens zwei Vortherapien hatten und bei denen es während dieser Zeit zu einem Fortschreiten der Erkrankung gekommen ist. Doch stellt Bortezomib in Zukunft möglicherweise auch eine Therapieform in der Erst-Behandlung dar. Darüber hinaus wird derzeit die Wirksamkeit des Medikaments bei anderen Krebsarten, wie beispielsweise Brustkrebs, untersucht.

Quellen: 1. Pressekonferenz "Restoring Hope - Velcade(R), a breakthrough cancer treatment for people living with relapsed and refractory multiple myeloma", 11. Juni 2004, Genf.

2. Symposium "Hematology - New Treatment Options and Future Strategies", Teil 1: New Treatment Perspectives with Bortezomib for Multiple Myeloma Patients, 10. Juni 2004, Genf.

3. Abstract 305, EHA 2004: Bortezomib versus Dexamethasone for the treatment of patients with relapsed multiple Myeloma: a randomized phase 3 trial. The APEX study group (Richardson P. et al.).

Kerstin Aschoff | Janssen-Cilag GmbH
Weitere Informationen:
http://www.orthobiotech.de

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