Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sonnenschutzmittel beeinflussen den Hormonhaushalt des Menschen

12.08.2004


Göttinger Endokrinologe koordiniert Forschungsprojekt mit Wissenschaftlern aus acht Ländern.

... mehr zu:
»Hormonhaushalt

Die Europäische Union fördert ein Konsortium von elf Wissenschaftlern aus acht Ländern (Deutschland, Finnland, England, Schweden, Polen, Spanien, Schweiz, Argentinien), um unter anderem mögliche schädigende Wirkungen von Lichtschutzmitteln zu untersuchen, die in den menschlichen Hormonhaushalt eingreifen können. Die Koordination des Projektes liegt bei Professor Dr. Wolfgang Wuttke, Direktor der Abteilung für Klinische und Experimentelle Endokrinologie, Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen. Die Wissenschaftler untersuchen die möglicherweise schädigenden Wirkungen von Substanzen, die ultraviolette Strahlen absorbieren können und die in zahlreichen kommerziell erhältlichen Lichtschutzmitteln Verwendung finden. Das über drei Jahre mit 3,1 Millionen Euro geförderte Projekt soll der Industrie und den Politikern Hinweise über die Wirkweise dieser Substanzen geben. Daraus sollen sich gesetzgeberische Maßnahmen ergeben, die schädigenden Substanzen zu verbieten. Ebenso soll die Industrie die Chance erhalten, Substanzen mit erheblichem Gefährdungspotenzial vom Markt zu nehmen. Nicht nur Lichtschutzmittel, auch Schädlingsbekämpfungs- und Unkrautvernichtungsmittel haben zum Teil starke hormonelle Wirkungen und kommen über Feldfrüchte in unsere Nahrungskette. Die EU fördert deshalb in großem Umfang derartige wissenschaftliche Aktivitäten in mehreren anderen europäischen Forschungsverbünden.

In sonnigen Sommern oder in Urlaubsländern mit intensiver Sonneinstrahlung tragen viele Menschen solche Substanzen mit ihrem Sonnenschutzmittel zum Teil Grammweise täglich auf die Haut auf. Sie dringen in die Haut ein und gelangen so in das Körperinnere. "Die Substanzen gelangen auch über das Wasser zum Beispiel in Badeseen in den menschlichen Kreislauf," sagte Prof. Wuttke. In Schweizer Untersuchungen konnten in Badeseen einige dieser Lichtschutzmittel in zum Teil erheblichen Mengen nachgewiesen werden. Im Fettgewebe von Fischen werden diese Substanzen konzentriert und können so ebenfalls in größeren Mengen von Menschen, die diese Fische verzehren, aufgenommen werden. Einige dieser Substanzen finden auch Verwendung in Kosmetika (Parfüms, Lippenstiften) und in Plastikmaterialien, in denen unsere Nahrung verpackt wird und aus denen sie in unsere Nahrungsmittel diffundieren können. Einige dieser UV-Filter haben sehr starke hormonelle Wirkungen, sie docken an den Rezeptor für weibliche Geschlechtshormone an, wirken also wie Östrogene. In Zusammenarbeit mit einer Berliner und einer Züricher Arbeitsgruppe konnte die Arbeitsgruppe um Wuttke zeigen, dass einige Lichtschutzmittel nicht nur östrogene Wirkungen haben, sondern auch noch die Produktion von Schilddrüsenhormonen hemmen können. Das ist eine weitere sehr unerwünschte Nebenwirkung, die besonders in Jod-Mangelgebieten zur Kropfbildung führen kann, wie tierexperimentelle Untersuchungen in den Laboratorien von Wuttke zeigen.


Weitere Informationen:

Georg-August-Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Abt. Klinische und Experimentelle Endokrinologie
Prof. Dr. Wolfgang Wuttke
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Tel.: 0551 / 39 - 6714
e-mail: ufkendo@med.uni-goettingen.de

Rita Wilp | idw
Weitere Informationen:
http://www.humanmedizin-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Hormonhaushalt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics