Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Medikament zur Migränevorbeugung

10.08.2004


Das Antiepileptikum Topiramat wirkt vorbeugend bei Migräne: Es kann die Zahl der Attacken reduzieren. Dies bestätigen zwei große US-amerikanische Studien mit über 900 Patienten, berichten Experten in den "Kopfschmerz-News", dem Mitgliederorgan der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Voraussichtlich wird das Präparat Anfang nächsten Jahres zur Migräneprophylaxe zugelassen.


Wenn Migränepatienten mindestens drei Attacken pro Monat haben, die auf eine Akutbehandlung nicht ausreichend reagieren, wenn sie Attacken als unerträglich empfinden oder wenn die Akutbehandlung nicht tolerable Nebenwirkungen verursacht, ist - neben nicht-medikamentösen Strategien - eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll. Diese kann Häufigkeit, Dauer und Schwere der Anfälle reduzieren. Bei den Medikamenten, die dazu eingesetzt werden, handelt es sich nicht um Schmerz- oder Migränemittel, sondern beispielsweise um bestimmte Betablocker (Metoprolol; Propanolol).

Zwei Migräneattacken weniger im Monat.


Nun wird die Palette der Migräneprophylaktika um eine weitere Substanz ergänzt: das Antiepileptikum Topiramat. Das Medikament wurde in zwei großen Studien getestet. In beiden teilten die Forscher 468 bzw. 469 Patienten mit drei bis zwölf Migräneattacken pro Monat in zwei Gruppen ein. Die eine Hälfte bekam Topiramat, die andere ein Scheinmedikament (Placebo). Beide Untersuchungen kamen zu dem gleichen Schluss: Jeder zweite Migränepatient profitiert von einer Wochendosis von 100 Milligramm. Diese "Responder" haben während der Therapie im Durchschnitt nur drei statt fünf Migräneattacken pro Monat. "Damit ist das Präparat ebenso wirksam wie andere medikamentöse Prophylaktika", erklären die Kopfschmerzspezialisten.

Die gängigen Medikamente haben allerdings häufig einen Nachteil: sie führen zur Gewichtszunahme. Dies ist vor allem bei ohnehin übergewichtigen Patienten eine zusätzliche Belastung. Das Antiepileptikum Topiramat bewirkt genau das Gegenteil. In einer der beiden US-amerikanischen Studien verlor jeder zehnte Patient im Laufe der sechsmonatigen Behandlung an Gewicht. Gewichtszunahmen beobachteten die Forscher nicht. Als häufigste Nebenwirkung traten bei knapp der Hälfte der Partienten vorübergehende Missempfindungen wie Kribbeln oder Brennen auf.

Derzeit nur Off-label-use.

Voraussichtlich wird Topiramat Anfang nächsten Jahres zur Migräneprophylaxe zugelassen. Bis dahin können Ärzte in bestimmten Fällen im Rahmen des sogenannten "off-label-use" das Antiepileptikum schon jetzt gegen Migräne verschreiben. "Wenn Patienten stark übergewichtig sind oder andere Prophylaktika wie Betablocker, Flunarizin und Valproinsäure nicht vertragen, ist ein solcher Einsatz bereits jetzt möglich", betonen die Kopfschmerzexperten.

Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.
Pressestelle: Barbara Ritzert
ProScience Communications GmbH
Andechser Weg 17; 82343 Pöcking
Tel.: (08157) 93 97-0 · Fax: (08157) 93 97-97
e-mail: ritzert@proscience-com.de

Silberstein SD et al. Topiramate in migraine prevention. Arch Neurol. 2004;61:490-495
Brandes JL et al.. Topiramate for migraine prevention. JAMA 2004;291:965-973

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

Weitere Berichte zu: Antiepileptikum Migräne Topiramat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie