Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Suche nach einem neuen Forschungsansatz zur Erklärung des Phänomens der Elektrosensibilität

10.08.2004


>"Forschungsoffensive", Teil 3: Das Wittener Zentrum für Elektropathologie sucht nach einem neuen Forschungs-Ansatz zur Erklärung des Phänomens der Elektrosensibilität



Elektrosensibilität ("self-reported electromagnetic hypersensitivity") ist ein noch immer ungelöstes medizinisches Problem. Betroffene Menschen schreiben zahlreiche Symptome wie Kribbelgefühle, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Reizbarkeit etc. dem Einfluss elektrischer und magnetischer Felder im häuslichen Umfeld, am Arbeitsplatz oder anderswo zu. Nach wie vor existiert jedoch kein verlässlicher medizinischer oder biologischer Indikator mit dem sich die Existenz dieser subjektiv erlebten Befindlichkeitsstörung beweisen ließe, ebenso wenig ein Untersuchungsverfahren.

Wegen der Erfolglosigkeit bisheriger Ansätze suchten die Wittener Forscher nach einem neuen Verfahren und nahmen dafür die Mikrozirkulation der Haut unter die Lupe. Mit einem Infrarotlaser registrierten sie die Feinströme der roten Blutkörperchen in den Lederhautkapillaren des Daumens, einmal unter dem Einfluss eines zirkulär polarisierten magnetischen Wechselfeldes und einmal ohne dieses. Die dabei gewählte magnetische Flussdichte von 96 Mikrotesla lag knapp unter dem in Deutschland gültigen gesetzlichen Grenzwert von 100 Mikrotesla bei der Frequenz 50 Hz. Der beschriebene Test wurde bei gesunden Versuchspersonen durchgeführt sowie bei Personen, die davon überzeugt waren, unter Elektrosensibilität zu leiden. Anschließend wurden die Messergebnisse verglichen. Das Ergebnis: Auch bei dieser Versuchsanordnung zeigte sich weder mit noch ohne Einfluss des Magnetfeldes ein Unterschied in der Mikrozirkulation zwischen den subjektiv elektrosensiblen Menschen und den gesunden Kontrollpersonen.

Trotz dieses zunächst negativen Befundes ist Dr. Jörg Reißenweber nicht enttäuscht: "Die Bedeutung dieses Ergebnisses ist im Hinblick auf die gegenwärtige gesellschaftspolitische Diskussion zur Technikfolgenabschätzung nicht unerheblich, denn ein weiterer Mosaikstein zur Erforschung des Phänomens der Elektrosensibilität wurde damit hinzugefügt. Wir sehen diese Ergebnisse als Ansporn, auf dem eingeschlagenen Weg weiter zu machen."

In Zusammenarbeit mit der WHO plant das Team des Zentrums für Elektropathologie nun neue Forschungsanstrengungen, um einer Klärung des Phänomens einer subjektiv empfundenen Elektrosensibilität zumindest näher zu kommen.

Für ihre jahrzehntelangen Forschungsanstrengungen auf diesem Feld unter Leitung von Prof. Eduard David wurden die Wittener Elektropathologen nun auch belohnt. Sie sind Träger des diesjährigen Preises der Deutschen Gesellschaft für Elektromagnetische Verträglichkeits-Technologie. Die Ehrung gilt einer wissenschaftlichen Veröffentlichung, die im Rahmen einer Kooperation mit dem Physiologischen Institut I der Universität Bonn entstanden ist.

Referenz: "Circularly polarized 50 Hz magnetic flux densities of 96 microtesla cannot influence skin microcirculation of the thumb in healthy volunteers and in persons suffering from self-reported electromagnetic hypersensitivity". (J. Reißenweber, F. Wenzel, E. David, J. Grote), in: Sicherheit im Gesundheits-Dienst: Medizintechnik, Strahlung, Elektrizität, ISBN 92-843-0150-5, S. 122 bis S. 132.

Kontakt: Zentrum für Elektropathologie, Dr. med. Jörg Reißenweber, Tel.: 02302/2825132, Fax: 02302/2825135, Email: joergr@uni-wh.de

| idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de/de/medi/elpath.htm

Weitere Berichte zu: Elektropathologie Elektrosensibilität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Starkes Übergewicht: Magenbypass und Schlauchmagen vergleichbar
17.01.2018 | Universität Basel

nachricht Therapieansatz: Kombination von Neuroroboter und Hirnstimulation aktiviert ungenutzte Nervenbahnen
16.01.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

18.01.2018 | Informationstechnologie

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten