Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Männliche Frühgeburten haben kleineres Gehirn

09.08.2004


Unterschiede auch bei Erwachsenen nachgewiesen


US-Forscher glauben den Grund dafür gefunden zu haben, warum Buben, die zu früh geboren worden sind, größere Probleme bei der Ausbildung haben, als Mädchen. Ärzte wissen schon seit längerem, dass es männlichen Frühgeburten schlechter ergeht als weiblichen und dass beide kleinere Gehirne haben als Babys, die zum vorgesehenen Zeitpunkt geboren werden. Nun hat ein Forschungsteam von der Stanford Universität spezifische Gehirnregionen identifiziert, die bei männlichen Frühgeburten viel kleiner sind.
Verglichen mit Mädchen neigen männliche Frühgeburten zu Problemen mit Sprechen und Sprache, was eine schwierigere Zeit in der Schule zur Folge hat. Allan Reiss und seine Kollegen wollten erforschen, ob es eine physische Ursache gibt, die diesen Unterschied erklärt. Sie untersuchten die Gehirne von 96 achtjährigen Kindern, von denen 65 eine Frühgeburt waren. Magnetresonanzbilder zeigen, dass die zu früh geborenen Kinder kleinere Gehirne hatten als die anderen, wie schon frühere Studien aufgewiesen hatten. Bei der Frühgeburtengruppe waren die Volumen der grauen und weißen Gehirnmasse reduziert. Als die Wissenschaftler die Scans dieser Gruppe nach dem Geschlecht aufteilten, fanden sie einen bisher unbekannten Unterschied.

Die weiblichen Frühgeburten hatten gleichgroße Volumen weißer Gehirnmasse wie die normal geborenen Mädchen. Aber die männlichen Frühgeburten hatten kleinere Volumen der weißen Gehirnmasse. Die reduzierten Volumina befanden sich in Regionen des Gehirns, die fürs Lesen, Sprache, Emotion, und Verhalten verantwortlich sind. Laut Reiss ist das eine bemerkenswerte Erkenntnis. "Bei Buben sind vorzugsweise die Schläfenlappen und die tiefe zerebrale Region des Gehirns betroffen", so Reiss. Das sei sehr interessant, weil Frühgeburten oft Probleme in sprachbasierten Regionen haben, und die Schläfenlappen sind einer der Sitze der Sprache. Der Forscher hofft, dass es aufgrund dieser Erkenntnisse in Zukunft möglich sein wird, Frühgeburten vor diesen Unterschieden des Gehirnvolumens zu schützen. "Wir sollten einen Weg finden, das Wachstum der weißen Masse zu stimulieren oder ein Schutzmittel entwickeln."

Paul Fearon vom UK-Institute of Psychiatry, der ähnliche Studien übers Gehirnvolumen an zu früh geborenen Erwachsenen durchgeführt hat, sagte, die Erkenntnisse wären interessant. Er fand heraus, dass diese Erwachsene kleinere Gehirnvolumen haben. Er erkannte aber keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Er glaubt aber, dass es mehrere Erklärungsansätze dafür gibt. "Es könnte sein, dass mit der Zeit bis zum Erreichen des Erwachsenenalters Unterschiede kompensiert werden. Während der Adoleszenz unterzieht sich dass Gehirn einer massiven Transformation und viele Gehirnzellen aus der Kindheit tendieren dazu, abgeschnitten zu werden", so Fearon. Er hofft auf Präventionstechniken für diese Gehirnbeeinträchtigungen oder Behandlungsmethoden nach der Geburt.

Marietta Gross | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.stanford.edu
http://www.iop.kcl.ac.uk

Weitere Berichte zu: Frühgeburt Gehirnmasse Gehirnvolumen Schläfenlappen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie