Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tiefe Beinvenenthrombosen kann man ambulant behandeln

19.06.2001


Etwa 80 Prozent der Patienten mit einer tiefen Venenthrombose können ambulant behandelt werden. Das stellten Forscher des Universitätsklinikums Dresden in einer kürzlich im British Medical Journal veröffentlichten Studie fest. Sie untersuchten 117 Patienten, die 1998 und 1999 in einem Zeitraum von zehn Monaten mit dem Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose in die Klinik gekommen waren. Lediglich 25 Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden. Alle anderen wurden ambulant betreut. Die Therapie bestand aus der Gabe von niedermolekularem Heparin (hemmt die Blutgerinnung) und dem Tragen von Kompressionsstrümpfen. Drei Monate nach Therapiebeginn wurde eine Kontrolluntersuchung durchgeführt. Diese ergab, dass keiner der Patienten eine schwere Blutung oder eine Lungenembolie erlitten hatte. Drei Patienten hatten eine neue oder erweiterte Thrombose und vier eine geringgradige Blutung.

Voraussetzung für die ambulante Behandlung ist eine genaue Diagnostik der Blutgefäße mittels Kompressionsultraschall oder anderen Methoden der Gefäßuntersuchung sowie eine gezielte Blutuntersuchung. Beim geringsten Verdacht auf eine Lungenembolie werden außerdem ein Elektrokardiogramm, Herzultraschall und zusätzliche Blutuntersuchungen gemacht. Die Dresdner Ärzte behandelten einen Patienten nur dann ambulant, wenn sein Gesundheitszustand und seine persönlichen Verhältnisse es zuließen. Zusätzlich wurde die Meinung des Hausarztes eingeholt.

Bis vor wenigen Jahren wurden Patienten mit einer tiefen Beinvenenthrombose stationär behandelt. Sie wurden für ein bis zwei Wochen aufgenommen, lagerten das betroffene Bein hoch und erhielten eine Dauerinfusion Heparin. Bei dieser Therapie müssen täglich die Blutwerte kontrolliert werden. Seitdem 1998 in der BRD niedermolekulare Heparine zugelassen sind, die eine optimale Dosis-Wirkungsbeziehung aufweisen und die sich die Patienten selbst ein- oder zweimal täglich unter die Haut spritzen können, sind die Voraussetzungen für eine ambulante Therapie gegeben.

Die Forscher um Privatdozent Dr. Sebastian Schellong plädieren für eine ambulante Behandlung der Patienten mit tiefen Beinvenenthrombosen in enger Kooperation einer Klinik mit den Hausärzten bzw. des Hausarztes mit einer spezialisierten Facharztpraxis. Wichtig für eine ambulante Behandlung ist, dass langjährige Erfahrungen mit diesem nicht ungefährlichen Krankheitsbild vorliegen. An der Medizinischen Klinik III des Universitätsklinikums werden jährlich etwa 400 Thrombosen diagnostiziert. Davon sind 80 Prozent tiefe Beinvenenthrombosen.

Beinvenenthrombosen entstehen durch Blutgerinnsel in den Gefäßen. Dadurch wird der Rückfluss des Blutes zum Herzen blockiert. Wade oder Schenkel schwellen an und schmerzen, sind bläulich oder rot verfärbt. Das größte Risiko einer tiefen Beinvenenthrombose ist eine Lungenembolie, die entsteht, wenn Blutgerinnsel in die Lunge geschwemmt und dort wichtige Lungengefäße verstopft werden.

 

Weitere Auskünfte: Universitätsklinikum Dresden, Medizinische Klinik und Poliklinik III, Angiologische Ambulanz, Dr. med. Thomas Schwarz, Tel. (03 51)4 58 23 36, E-Mail: sebastian.schellong@mailbox.tu-dresden.de

Birgit Berg | idw

Weitere Berichte zu: Beinvenenthrombose Heparin Lungenembolie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ALMA beginnt Beobachtung der Sonne

18.01.2017 | Physik Astronomie

Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

18.01.2017 | Architektur Bauwesen

Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern

18.01.2017 | Geowissenschaften