Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleinste Störungen der Herzdurchblutung sichtbar gemacht

03.08.2004


Von einer deutlich verbesserten Untersuchungsmethode können künftig Patienten mit Herz-Kreislauf-Krankheiten profitieren: Wissenschaftlern von der Uni Würzburg ist es gelungen, auch geringe Durchblutungsstörungen des Herzens präzise nachzuweisen - dank technischer Neuerungen auf dem Feld der Magnetresonanz-Tomographie. Über diesen Erfolg berichtet die August-Ausgabe der Fachzeitschrift "Magnetic Resonance in Medicine".


MR-Bilder vom Herzen ( Prä-Bolus-Verfahren): Das Blut erscheint hell, erst in der rechten Herzkammer (RV), dann in der linken (LV). Rechts eine Durchblutungsstörung (Pfeile) der Innenwand der Herzscheidewand beim Infarkt. Bilder: Sandstede



Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen die Haupttodesursache in den westlichen Industrienationen dar. Sie führen zu Durchblutungsstörungen des Herzens und anderer Organe, als Folgen drohen Herzinfarkte, Schlaganfälle oder eine chronische Herzschwäche. Um Durchblutungsstörungen des Herzmuskels sicher diagnostizieren zu können, sind bisher oft Untersuchungen mit dem Herzkatheter nötig. Zwar gibt es auch nuklearmedizinische Verfahren, doch sei deren räumliche Auflösung zu gering, so Dr. Herbert Köstler vom Institut für Röntgendiagnostik der Universität Würzburg.



Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT), die sich bei der Diagnose von Erkrankungen des Zentralen Nervensystems und des Bewegungsapparates etabliert hat, bietet ebenfalls die Möglichkeit, die Herzdurchblutung zu bestimmen. Dabei wird dem Patienten ein Kontrastmittel, das weder nierenschädigend noch radioaktiv ist, in die Armvene injiziert. Anschließend wird der zeitliche Verlauf des Magnetresonanzsignals in der Herzkammer und im Herzmuskel über knapp eine Minute gemessen. Bisher erfolgte die Auswertung der Ergebnisse rein visuell, das Ausmaß einer Durchblutungsstörung konnte damit nicht beurteilt werden.

Technische Neuerungen, die der Physiker Dr. Köstler und seine Kollegen entwickelt haben, erlauben es nun aber, die Herzdurchblutung quantitativ in Millilitern einfließendes Blut pro Gramm Herzmuskel und pro Minute anzugeben. Mit diesem neuen "Prä-Bolus-Verfahren" können laut Köstler die Bildkontraste deutlich verbessert werden. Im Verein mit einer verbesserten Auswertetechnik lassen sich nun präzisere quantitative Ergebnisse erzielen.

Die Wissenschaftler haben außerdem eine weitere wichtige Voraussetzung geschaffen, um diese Methode für die klinische Anwendung fit zu machen. Bislang konnten nur maximal drei Schichtbilder von der Herzdurchblutung beim Menschen aufgenommen werden. Mit der in Würzburg entwickelten Auto-SENSE-Technik, einem so genannten parallelen MR-Bildgebungsverfahren, gelingt es nun aber innerhalb weniger Sekunden, die Durchblutung des ganzen Herzens lückenlos aufzuzeichnen.

"Mit Hilfe dieser neuen MR-Technik wird es möglich sein, auch kleine Durchblutungsstörungen oder eine Minderdurchblutung nur der inneren Schichten des Herzmuskels quantitativ nachzuweisen", so der Radiologe PD Dr. Jörn Sandstede vom Würzburger Universitätsklinikum. Nach seiner Einschätzung wird die Bestimmung der Herzdurchblutung mittels Magnetresonanz-Tomographie in wenigen Jahren aus der Diagnostik von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht mehr wegzudenken sein. Als nächstes strebt die Arbeitsgruppe am Institut für Röntgendiagnostik die Umsetzung ihrer Forschungsergebnisse in die Patientenversorgung an.

MRT: Magnetfelder machen Bilder

Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) liefert exakte Bilder aus dem Inneren des Körpers, ohne dass dafür ein Eingriff nötig ist. Sie funktioniert nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit Magnetfeldern: Diese regen die Atomkerne des Körpers kurzzeitig an. Bevor diese Bewegung dann wieder abklingt, senden die Kerne Signale aus, die bei der MRT registriert und zu Bildern oder Videosequenzen umgesetzt werden. Nach heutigem Kenntnisstand schaden die bei der MRT verwendeten Magnetfelder dem Organismus in keiner Weise.

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie