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Viagra® - Wirstoff Sildenafil gegen Lungenhochdruck

03.08.2004


Herzechografie in einer mobilen Intensivstation am Mount Everest


Gießener Mount Everest Studie mit vielversprechenden Ergebnissen

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Die auf dem Mount Everest durchgeführte Höhenstudie des Lungenzentrums Gießen bestätigt: Sildenafil, der Wirkstoff von Viagra®, senkt den lebensbedrohlichen Druck in den Lungengefäßen. Sildenafil stellt damit eine neue Therapieoption bei Lungenhochdruck dar, die die Lebensqualität einer Vielzahl von Lungenkranken entscheidend verbessern kann.

Die Ergebnisse der Höhenstudie, die heute veröffentlicht wurden, bestätigen die Voruntersuchungen des Lungenforscherteams der Universitätsklinik Gießen: Erstmals konnte durch eine Studie gezeigt werden, dass Sildenafil, der Wirkstoff von Viagra®, den durch Sauerstoffmangel hervorgerufenen Lungenhochdruck senkt. Dadurch wird die Pumpleistung des Herzens verbessert und die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich gesteigert. Die Veränderungen an Herz und Lunge, die durch die "äußere Sauerstoffarmut" in der extremen Höhe ausgelöst werden, imitieren die Auswirkungen der "inneren Sauerstoffarmut" bei verschiedensten Lungenerkrankungen. "Wir haben außerdem nachweisen können, dass der Wirkstoff Sildenafil direkt in der Lunge wirkt und die Sauerstoffaufnahme verbessert", berichtet Dr. Ardeschir Ghofrani. "Dabei beeinflusst der Wirkstoff den Blutdruck im Körperkreislauf nicht." Bisher waren insbesondere die starken Blutdruckabfälle eine gefürchtete Komplikation der wenigen verfügbaren Therapien des lebensbedrohlichen Lungenhochdrucks, der infolge einer Vielzahl von Lungen- und Herzerkrankungen auftritt.


Mit einer mobilen Intensivstation auf den Mount Everest

Im Frühjahr 2003 begleitete das Lungenforscherteam eine deutsch-schweizerische Bergsteigergruppe auf ihrer Jubiläumsexpedition zum Mount Everest. Die Gießener Ärzte wollten untersuchen, wie sich die Gabe von Sildenafil unter akuten (experimentell in Gießen) und chronischen Sauerstoffmangelbedingungen (höhenbedingt am Mount Everest) auf die Funktion von Lunge und Herz auswirkt. "Während sich die Umbauprozesse der Lungengefäße bei Kranken über Jahre oder Jahrzehnte entwickeln, geschieht das im Hochgebirge in wenigen Wochen wie im Zeitraffer", erläutert Prof. Dr. Dr. Friedrich Grimminger, Leiter der Studie.

Nur das auf 5.340 m gelegene Basislager bot die logistischen Vorraussetzungen für die medizinische Forschung mit empfindlichen Geräten. Über 500 kg medizinisches Equipment wurden dorthin gebracht. In einem eigenen Zelt richteten die Ärzte und Wissenschaftler eine komplette mobile Intensivstation ein. Trotz der Belastungen von Mensch und Material durch die extremen Temperaturschwankungen von tagsüber +40 Grad Celsius bis nachts unter -20 Grad Celsius blieb der Versuchsaufbau, der bereits in Gießen ermutigende Ergebnisse geliefert hatte, gleich:

Aufbau und Ablauf der Höhenstudie

Die 14 teilnehmenden Bergsteiger erhielten zu definierten Zeitpunkten entweder Sildenafil oder ein Placebo-Präparat. Anschließend durchliefen sie einen Leistungstest auf dem Fahrradergometer, der sie bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit führte. Während die zwölf Männer und zwei Frauen in halb liegender Position "strampelten", maßen die Forscher mit einem tragbaren Doppler-Herzechografiegerät den Druck in ihren Lungenarterien und bestimmten die Auswurfleistung des Herzens, sowie den Sauerstoffgehalt ihres Blutes.

Bedeutung für die Breitenmedizin

Die wegweisenden Ergebnisse zum Thema Lungenhochdruck bestätigen die vorausgegangenen Untersuchungen der Gießener Wissenschaftler und anderer nationaler und internationaler Arbeitsgruppen. Eine derzeit laufende Phase III-Studie mit betroffenen Lungenpatienten an weltweit 60 medizinischen Zentren soll die Zulassung ermöglichen. Erfolgt diese, wird Sildenafil eine wesentliche Erweiterung des "therapeutischen Arsenals" zur Behandlung des Lungenhochdrucks darstellen und die Belastbarkeit sowie die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend verbessern.

Doktor Christiane Eickelberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-giessen.de/med2

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