Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Stuhltest zum Screening von Darmkrebs

30.07.2004


Veröffentlichung über Nachweis von Krebszellen anhand des Enzyms "Tumor M2-PK" im renommierten "British Journal of Cancer"



Wissenschaftler des Universitätsklinikums Gießen haben im renommierten Fachmagazin "British Journal of Cancer" einen zukunftsweisenden neuen Test vorgestellt, der in Stuhlproben Krebszellen anhand des Enzyms Tumor M2-PK (Tumor M2-Pyruvatkinase) aufspürt. Das "British Journal of Cancer" gehört zu der berühmten "Nature Publishing Group" und gilt auf dem Gebiet der Onkologie als eine der weltweit führenden Fachzeitschriften für die Krebsdiagnostik und -therapie. Die Untersuchung von Stuhlproben auf Tumor M2-PK-Veränderungen stelle eine neue, exakte und nicht-invasive Methode zum Screening von Patienten auf Darmkrebs dar, so die Autoren des Artikels aus der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Hans-Ulrich Klör und Dr. Philip Hardt vom Zentrum für Innere Medizin des Universitätsklinikums Gießen.

... mehr zu:
»Darmkrebs »M2-PK


Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in den westlichen Industrienationen. Allein in Deutschland erkranken jährlich etwa 57.000 Menschen, von denen mehr als die Hälfte sterben. Dabei sind die Heilungschancen bei frühzeitiger Diagnose sehr gut, und die rechtzeitige Entdeckung der Erkrankung kann das Sterberisiko deutlich reduzieren. Zur Diagnose von Darmkrebs stehen derzeit verschiedene Methoden bereit. Diese sind jedoch, wie die Dickdarmspiegelung, entweder unangenehm für den Patienten oder nicht genau bzw. nicht empfindlich genug, wie die Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl, so dass Bedarf an verbesserten Möglichkeiten besteht.

Die Arbeitsgruppe um den kürzlich verstorbenen Prof. Dr. Erich Eigenbrodt und Priv.-Doz. Dr. Sybille Mazurek, beide aus dem Institut für Biochemie am Fachbereich Veterinärmedizin der Universität Gießen, hatte in grundlegenden Arbeiten bereits gezeigt, dass Tumorzellen im Rahmen der Entwicklung von Darmkrebs die normale Regulation der Zellteilung verlieren. Charakteristisch für die Tumorzellen ist ein extrem ausgeprägtes Bestreben, sich schnell und unkontrolliert zu vermehren. Damit diese Teilung möglichst effektiv und energiesparend abläuft, ist der Energie-Stoffwechselschalter dieser Zellen - vergleichbar mit einem Dimm-Lichtschalter - in Richtung "Schalterstellung Tumor/vermehrte Zellteilung" reguliert. Diese "Schalterstellung Tumor" bzw. die geänderte Energieversorgung der Zellen lässt sich anhand des Enzyms Tumor M2-PK nachweisen und in Stuhlproben quantifizieren.

Prof. Klör, Dr. Hardt und deren Mit-Autoren von der Universität Gießen untersuchten in ihrer Arbeit den Tumor M2-PK-Marker bei einer Patientengruppe mit Darmkrebs und einer gesunden Kontrollgruppe, insgesamt an 204 Personen. Bei allen Teilnehmern wurde eine Darmspiegelung durchgeführt. Die Sensitivität des neuen Tests, also die Wahrscheinlichkeit, den Tumor mit dem Test zu erkennen, lag dabei zwischen 60% und 90%, je nach Tumorstadium. Die bisher verfügbaren Tests (Blut-im-Stuhl-Tests) besitzen eine deutlich schlechtere Sensitivität (ca. 24-50%).

"Im Gegensatz zu den Blut-im-Stuhl-Tests entdeckt dieser Test auch Tumoren, die nicht bluten," so Prof. Hans-Ulrich Klör, der Leiter der Studie. "Der Stuhlmarker Tumor M2-PK hat mit seiner einfachen Analytik sowohl hinsichtlich der Durchführbarkeit als auch der Testcharakteristika sehr gute Voraussetzungen für ein bevölkerungsweites Screening. Zusammen mit der bei nicht-invasiven Verfahren generell höheren Teilnahmebereitschaft stellt dieser Stuhltest in Kombination mit der koloskopischen Abklärung positiver Befunde ein viel versprechendes Mittel zur Verbesserung der Früherkennung kolorektaler Karzinome dar."

Dr. Philip Hardt erklärt zu dem Verfahren: "Die Tumor M2-PK kann mit Hilfe eines einfach durchzuführenden Labortests in jedem Labor gemessen werden. Mit dem neuen Verfahren lassen sich Karzinome des Dickdarms deutlich besser erkennen als mit den bisher zur Verfügung stehenden Nachweismethoden für okkultes Blut und genetische Veränderungen. Die Koloskopie ist nach wie vor der Goldstandard, jedoch scheuen viele Menschen leider davor zurück, diese Untersuchung durchführen zu lassen. Zudem würden die derzeitigen Kapazitäten für ein bevölkerungsweites Screening mit Koloskopien bei weitem nicht aus reichen."

Die vorgestellte Arbeit ist in der Fachzeitschrift British Journal of Cancer zu finden unter: P.D. Hardt, S. Mazurek, M. Toepler, P. Schlierbach, R.G. Bretzel, E. Eigenbrodt und H.-U. Klör. Faecal tumour M2 pyruvate kinase: a new, sensitive screening tool for colorectal cancer. British Journal of Cancer advance online publication, 13 July 2004; doi: 10.1038/sj.bjc6602033, www.bjcancer.com .

Kontakt:

Prof. Dr. Hans-Ulrich Klör
Med. Klinik III und Poliklinik
Universitätsklinikum Gießen
Tel: 0641/99-42756
Fax: 0641/99-42779
E-Mail: hans-ulrich.kloer@innere.med.uni-giessen.de

Dr. Philip D. Hardt
Med. Klinik III und Poliklinik
Universitätsklinikum Gießen
Tel: 0641/99-42830
Fax: 0641/99-42759
E-Mail: philip.d.hardt@innere.med.uni-giessen.de

Christel Lauterbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.bjcancer.com

Weitere Berichte zu: Darmkrebs M2-PK

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stammzell-Transplantation: Aktivierung von Signalwegen schützt vor gefährlicher Immunreaktion
20.04.2017 | Technische Universität München

nachricht Was Bauchspeicheldrüsenkrebs so aggressiv macht
18.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten