Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erkältungsviren sollen Hautkrebszellen zerstören

26.07.2004


Deutsche Krebshilfe fördert neuen Therapie-Ansatz



Jedes Jahr erkranken etwa 11.400 Menschen in Deutschland an einem malignen Melanom - dem bösartigen schwarzen Hautkrebs. Seit den 70-er Jahren haben sich die Erkrankungsraten annährend versechsfacht. Dieser Tumor ist besonders gefährlich und beim Vorliegen von Metastasen nur selten heilbar. Wissenschaftler der Dermatologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen arbeiten jetzt an einer neuartigen Therapie-Strategie, bei der harmlose Erkältungsviren die bösartigen Krebszellen zerstören sollen. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit 200.400 Euro.



"Eine Erfolg versprechende Therapieform gegen Krebs ist die gezielte Zerstörung der Tumorzellen durch eine Virus-Infektion", erklärt Dr. Dirk Nettelbeck, Projektleiter an der Dermatologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. Diese Strategie basiert darauf, dass Viren in Zellen eindringen, sich darin stark vermehren und die Zellen dadurch zum Platzen bringen. Tausende neuer Erreger schwärmen aus und befallen weitere Zellen. So lösen Viren verschiedene Krankheiten aus. Die Winzlinge erkennen ihr Zielobjekt mit Hilfe von Antennen, mit denen sie an passende Oberflächenmoleküle der jeweiligen Zelle andocken, um dann einzudringen.

In dem von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projekt sollen genetisch veränderte Viren - so genannte onkolytische Viren - ganz gezielt Hautkrebszellen befallen, diese zerstören und sich ausschließlich im Tumor ausbreiten. "Im Tiermodell konnte das Prinzip der viralen Onkolyse bereits erfolgreich angewandt werden, erste klinischen Studien in den USA verliefen vielversprechend", so Dr. Nettelbeck. Die Erlanger Wissenschaftler setzen Adenoviren ein, die sehr gut untersucht sind und beim Menschen eher harmlose Erkältungskrankheiten erzeugen.

Von alleine infizieren Adenoviren die Krebszellen nur unzureichend. Damit die kleinen Helfer in der Krebs-Therapie zielgenau treffen, arbeitet das Erlanger Forscherteam an zwei Strategien zur Entwicklung effektiver onkolytischer Adenoviren: "Bei der einen Methode verändern wir die Antennen der Viren, damit sie effizient - im Idealfall sogar ausschließlich - an Hautkrebszellen andocken und nur in diese eindringen", erklärt Dr. Nettelbeck. Bei der anderen Strategie wollen die Wissenschaftler die Viren so manipulieren, dass ihr Vermehrungsprogramm nur in Tumorzellen gestartet wird - gesundes Gewebe also verschont bleibt. "So ausgerüstet, sollen die Viren auch Tumorzellen in Tochtergeschwülsten zuverlässig aufspüren und diese zerstören", beschreibt Dr. Nettelbeck einen großen Vorteil dieser Therapie-Strategie.

Die Virus-Therapie wird an der Dermatologischen Klinik in Erlangen, einem Therapiezentrum für das Melanom, zunächst spezifisch für diesen Hautkrebs entwickelt. Sie könne mit konventionellen Methoden wie Operation, Chemo- und Strahlentherapie oder auch mit einer Immuntherapie kombiniert werden. "Wenn wir beim Hautkrebs Erfolg haben, ist es durchaus denkbar, unsere Virus-Strategie auch zur Therapie anderen Krebsarten anzuwenden," erklärt Dr. Nettelbeck.

Interviewpartner auf Anfrage!

Infokasten: Hautkrebs

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 120.000 Menschen neu an Hautkrebs, etwa 3.000 sterben daran. Je nach Entstehungsort und zellulärem Aufbau unterscheidet man folgende Hautkrebs-Arten: Basalzellkarzinom, Stachelzellkrebs (Plattenepithelkarzinom) und das besonders gefährliche maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs), an dem jährlich etwa 11.400 Menschen in Deutschland neu erkranken. Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs ist die UV-Strahlung - sowohl die natürliche Sonnenstrahlung als auch die künstlicher Besonnungsgeräte. Therapie der Wahl ist die möglichst frühzeitige operative Entfernung des Karzinoms und eventuell auch der zugehörigen Lymphknoten. Haben sich Metastasen in anderen Organen gebildet, muss eine Chemo- und/oder Immuntherapie durchgeführt werden. Früh erkannt, hat Hautkrebs eine hohe Heilungschance.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Adenovire Hautkrebs Hautkrebszelle Melanom Tumorzelle Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie