Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Forschungsgemeinschaft legt MAK- und BAT-Werte-Liste 2004 vor

23.07.2004


Zahlreiche Änderungen und Neuaufnahmen - Cadmium als krebserzeugend für den Menschen bewertet



Die Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die MAK- und BAT-Werte-Liste 2004 vorgelegt und dem Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit übergeben. Sie enthält Vorschläge für MAK-Werte, das heißt die höchstzulässige Konzentration eines Arbeitsstoffes als Gas, Dampf oder Aerosol in der Luft am Arbeitsplatz, die nach gegenwärtigem Kenntnisstand auch bei langfristiger, täglich achtstündiger Exposition die Gesundheit der Beschäftigten nicht beeinträchtigt. Außerdem werden die Arbeitsstoffe entsprechend ihrer krebserzeugenden, keimzellmutagenen, fortpflanzungsgefährdenden, sensibilisierenden oder hautresorptiven Wirkung klassifiziert. Insgesamt ergaben sich gegenüber dem Vorjahresstand 91 Änderungen und Neuaufnahmen.

... mehr zu:
»Cadmium »MAK-Wert


Besonders hervorzuheben sind in diesem Jahr zwei Metalle, die als krebserzeugende Arbeitsstoffe für den Menschen bewertet wurden: Cadmium und seine anorganischen Verbindungen wie auch Wolframcarbid- und Cobalt-haltige Hartmetalle sind auf der Basis von epidemiologischen Daten als krebserzeugend für den Menschen bewertet und damit in die Kanzerogenitäts-Kategorie 1 eingruppiert. Eine weitere Schwermetallverbindung, das Indiumphosphid, sowie 1,5-Diaminonaphthalin haben sich als krebserzeugend im Tierversuch erwiesen und sind der Kanzerogenitäts-Kategorie 2 zugeordnet.

Talk (asbestfaserfrei) wurde als krebsverdächtiger Arbeitsstoff der Kanzerogenitäts-Kategorie 3B zugeordnet, und wegen des unklaren Wirkungsmechanismus entfällt der bisherige MAK-Wert von 2 mg/m³. Auch Benzoylchlorid, Chlorameisensäureethylester, 2,5-Dimethoxy-4-chloranilin, Glyoxal und 1,5-Naphthylendiisocyanat wurden dieser Verdachtskategorie zugeordnet.

Bei den krebserzeugenden Arbeitsstoffen gibt es insgesamt 15 Überprüfungen beziehungsweise Neuerungen.

Im Zuge der Überprüfung der krebsverdächtigen Arbeitsstoffe der Kategorie 3 bezüglich einer Eingruppierung in die neuen Kategorien 4 und 5 wurde der Lebensmittelzusatzstoff 3,5-Di-tert-butyl-4-hydroxytoluol (BHT) in die Kategorie 4 umgestuft und ein MAK-Wert von 20 mg/m³ festgelegt. Die Trimethylpentan-Isomeren mussten in die Kanzerogenitäts-Kategorie 3A eingruppiert werden, da entscheidende Daten für die Ableitung eines MAK-Wertes fehlen. Für die Kategorie 5 konnten auch in diesem Jahr keine geeigneten Arbeitsstoffe gefunden werden.

Der Verdacht auf eine mutagene Wirkung auf die Keimzellen ist für Blei, Cadmium, Wolframcarbid- und Cobalt-haltiges Hartmetall, Ethylcarbamat und für o-Aminoazotoluol begründet.

Der MAK-Wert für Blei wurde wegen erwiesener genotoxischer Wirkung gestrichen. Die Einstufung in die Kanzerogenitäts-Kategorie 3B wird im kommenden Jahr anhand der neuen Erkenntnisse aus der Epidemiologie und der Tierversuche überprüft.

Der MAK-Wert für Chlorwasserstoff wurde von 5 auf 2 ppm abgesenkt. Für sechs weitere Stoffe (BHT, Essigsäureisopropenylester, Isophorondiisocyanat, Kupfer und seine anorganischen Verbindungen, 2-Phenylpropen und Trimethylamin) ändern sich die MAK-Werte beziehungsweise werden neu vorgeschlagen; für Bromwasserstoff, Chlor, Propan, Pentan, Octan und Diphenylether konnte der Wert nach eingehender Prüfung bestätigt werden. Für zwölf Stoffe (darunter Strontium und seine anorganischen Verbindungen, Acetessigsäureethylester, Tributylamin und die Kühlschmierstoffkomponente Bis(2-ethylhexyl)zinkdithiophosphat) konnten aufgrund fehlender Daten keine MAK-Werte festgelegt werden.

Die Reevaluierung älterer MAK-Werte wurde intensiv weiterbearbeitet, auch in enger Zusammenarbeit mit der europäischen (SCOEL) und der US-amerikanischen (TLV) Kommission. Für drei Stoffe (1,5-Naphthylendiisocyanat, Diglycidylether und Talk) wurde im Rahmen dieser Überprüfung entschieden, den MAK-Wert wegen des Verdachts auf eine krebserzeugende Wirkung und fünf weitere Stoffe (Antimonwasserstoff, Brom, Ethylendiamin, Diphosphorpentasulfid und das Pestizid Dalapon) wegen der aus heutiger Sicht unzureichenden Datenlage für eine gesundheitliche Beurteilung zu streichen.

13 Arbeitsstoffe wurden darüber hinaus auf besondere Gefährdung in der Schwangerschaft hin überprüft. BHT sowie Chlor und Chlorwasserstoff kommen in die Gruppe C, in der diejenigen Stoffe zusammengefasst sind, bei denen bei Einhaltung des MAK-Wertes kein Risiko der Fruchtschädigung zu befürchten ist. Kupfer, Pentan, Phenylpropen und Trimethylamin dagegen werden der Schwangerschaftsgruppe D zugeordnet, die besagt, dass eine Eingruppierung in Gruppe C aufgrund der vorliegenden Daten nicht möglich ist. Ein Risiko der Fruchtschädigung ist bei Einhaltung des MAK-Wertes derzeit eher unwahrscheinlich, kann aber nicht ausreichend sicher ausgeschlossen werden. Auch Xylol verbleibt trotz einer neuen Studie in dieser Gruppe. Für Propan, Octan, Essigsäureisopropenylester, Bromwasserstoff und Isophorondiisocyanat konnte mangels Daten keine Zuordnung zu einer der Gruppen vorgenommen werden und die Stoffe müssen in der Liste im Abschnitt IIc geführt werden.

Auf ihre atemwegs- und hautsensibilisierenden Eigenschaften wurden in diesem Jahr 22 Arbeitsstoffe überprüft. Neue Markierungen erhielten 16 Chemikalien, darunter die als Duftstoffe verwendeten Verbindungen Eichenmoos, Geraniol und Lyral, das Enzym Papain sowie die als Konservierungsmittel beziehungsweise Biozid verwendeten Stoffe Bronopol und 5-Ethyl-3,7-dioxa-1-azabicyclo[3.3.0]octan (EDAO) außerdem auch Wolframcarbid- und Cobalt-haltiger Hartmetallstaub.

21 Stoffe, darunter die krebserzeugenden Verbindungen Cadmium, 1,5-Diaminonaphthalin, o-Aminoazotoluol, Toluidin, Toluylendiamine und sechs N-Nitrosamine, erhielten neu den Warnhinweis "H", was bedeutet, dass die Resorption durch die Haut neben der Inhalation wesentlich zur Toxizität am Arbeitsplatz beitragen kann. Für zwei weitere Arbeitsstoffe, Bronopol und p-Toluidin, wurde dieser Warnhinweis überprüft und bestätigt.

Im Teil "BAT-Werte, BLW und EKA" gibt es eine Neuaufnahme, und zwar Expositionsäquivalente für leicht lösliche Nickelverbindungen (EKA).

Für jede der Neuaufnahmen und Änderungen in der MAK- und BAT-Werte-Liste 2004 wurden von der Senatskommission ausführliche wissenschaftliche Begründungen erarbeitet. Sie werden beim Verlag Wiley-VCH, Weinheim, veröffentlicht und sind ab Anfang 2005 auch online verfügbar. Wie in jedem Jahr wird außerdem in den so genannten "Gelben Seiten" der MAK- und BAT-Werte-Liste die Überprüfung beziehungsweise Neuaufnahme von MAK-Werten oder Einstufungen für zahlreiche Stoffe angekündigt.

Eine Liste mit allen Neuaufnahmen und Änderungen kann im Internet abgerufen werden.

Dr. Eva-Maria Streier | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/aktuelles_presse/reden_stellungnahmen/download/mak2004.pdf
http://dfg.de

Weitere Berichte zu: Cadmium MAK-Wert

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften