Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Comeback des Medikaments Germanin

21.07.2004


Wirkstoff blockiert die Aktivierung bestimmter Enzyme


Das Medikament Germanin - heute unter dem Namen "Suramin" bekannt - könnte eine Renaissance erleben. Eine Arbeitsgruppe um Sören Eichhorst und Alexander Gerbes an der Medizinischen Klinik II des Klinikums München hat möglicherweise ein neues Einsatzgebiet für den Wirkstoff gefunden: akutes fulminantes Leberversagen, eine meist tödlich verlaufende Leberfunktionsstörung, die durch Medikamente, Pilzvergiftungen oder Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus ausgelöst wird.

Bei Leberversagen löst der Prozess der Apoptose das Absterben der Leberzellen aus. Grundsätzlich handelt es sich dabei um einen Schutzmechanismus, etwa gegen geschädigte Zellen, die sich zu einem Tumor entwickeln könnten. Gegen den geballten Zelltod gibt es bislang keine Therapiemöglichkeiten. Doch hier könnte der Wirkstoff Suramin ansetzen. Eichhorst hatte zunächst die anti-apoptotische Wirkung an Zellkulturen untersucht und herausgefunden, dass Suramin manche Zelltypen vor Apoptose bewahren kann, so auch die Leberzellen. Im Zuge seiner Experimente löste Eichhorst bei Mäusen eine Apoptose aus, um ein akutes Leberversagen hervorzurufen. 40 Prozent der mit dem Medikament behandelten Mäuse überlebten, ihre Leber hatte nicht das für Leberversagen typische Aussehen.


Somit könnte Suramin einen neuen Ansatz in der Behandlung akuten Leberversagens darstellen. "Da das Präparat bereits für andere Indikationen zugelassen ist, sind Dosierungen und Nebenwirkungen bekannt und müssen nicht in zusätzlichen Studien bestimmt werden. Das könnte die Zeit bis zu einem möglichen Comeback des Wirkstoffs verkürzen", betont Gerbes. Worauf der anti-apoptotische Effekt beruht, muss noch erforscht werden. Bekannt ist bislang nur, dass Suramin die Aktivierung bestimmter Enzyme blockiert, die die Zelle zum Starten des Selbstmordprogrammes braucht. Klinische Studien mit Suramin an Patienten mit Leberversagen sind bereits geplant. Bestätigen sich die Ergebnisse des Mausmodells, dürfte einer Ausweitung der Indikation nichts im Wege stehen.

Das früher unter dem Namen "Germanin" bekannte Medikament wurde bereits 1916 entdeckt und seit den 20er Jahren erfolgreich gegen die Schlafkrankheit eingesetzt. Inzwischen wird es vielfältig angewendet, zum Beispiel gegen Flussblindheit, einer tropischen Wurmerkrankung, und gegen manche Tumorarten. Forscher untersuchten auch den Einfluss auf eine HIV-Infektion.

Marietta Gross | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Apoptose Germanin Leberversagen Suramin Wirkstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE