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Der Schwerhörigkeit auf den Grund gehen - InnenOhrLabor im Klinikum Göttingen

15.06.2001

In der Abteilung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (Leiter Professor Dr. Wolfgang Steiner) der Georg-August-Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin ist ein InnenOhrLabor eingerichtet worden. Dieses bietet neue Möglichkeiten, die Ursachen für Schwerhörigkeit zu erforschen. "Mit unseren sehr empfindlichen Messmethoden können wir nun im Tiermodell nach Funktionsstörungen in Haarsinneszellen des Innenohres suchen, die für Schwerhörigkeit verantwortlich sind", sagt Dr. Tobias Moser, Leiter des InnenOhrLabors. Die so genannte patch-clamp-Technik ermögliche es, computerunterstützt die Membranströme und die Botenstoff-Freisetzung in einzelnen Haarsinneszellen zu messen, die mit anderen Methoden nicht erfasst werden können. Die Botenstoff-Freisetzung vermittelt die Schall-Information an das Nervensystem. Eine Störung der Haarzellfunktion kann zu Schwerhörigkeit führen. Ein besseres Verständnis der Entstehungsmechanismen angeborener Schwerhörigkeit beim Menschen bildet die Voraussetzung für potenzielle zukünftige Therapieansätze.

Das Ohr ist das am häufigsten beeinträchtigte Sinnesorgan des Menschen. Von 1000 Neugeborenen sind ein bis zwei bereits angeboren schwerhörig. Die Beeinträchtigung der Hörfähigkeit kann trotz neuester unterstützender oder ersetzender Hilfsmittel oft nicht komplett behoben werden, so dass Defizite in der Wahrnehmung bleiben. Die Entstehungsmechanismen sowohl der ererbten als auch der erworbenen Schwerhörigkeit sind in vielen Fällen weitgehend ungeklärt. In den letzten Jahren sind einige für vererbte Schwerhörigkeitsformen des Menschen verantwortliche Gen-Defekte identifiziert worden. Vergleichbare Defekte wurden auch in Genen von Mäusen gefunden, die auf Grund spontaner oder im genetischen Experiment erzeugter Mutation schwerhörig sind. Im InnenOhrLabor wird nun die normale und die gestörte Funktion so genannter Haarsinneszellen im Innenohr untersucht. Die äußeren Haarsinneszellen haben die Funktion, akustische Signale zu verstärken. Die inneren Haarzellen wandeln mechanische in nervliche Signale um. Haarsinneszellen sind extrem empfindlich und bislang nicht ersetzbar. Die Untersuchungen konzentrieren sich zunächst auf Haarsinneszellen von Mäusen mit genetisch bedingter Schwerhörigkeit.

Eine enge Zusammenarbeit des InnenOhrLabors besteht mit Professor Erwin Neher, Direktor der Abteilung Membranbiophysik am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen.

Weitere Informationen:


Das Corti’sche Organ einer Maus mit den unterschiedlichen Haarsinneszellen - Foto: Moser/UKG


Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Abteilung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde


Dr. Tobias Moser
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen

Tel.: 0551/39-2837
Fax: 0551/339-2809

Rita Wilp | idw

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