Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Häufig unerkannt: Hormonstörungen nach Schädel-Hirn-Trauma

25.06.2004


Nach Unfällen mit Hirnverletzungen wie beispielsweise einem Schädel-Hirn-Trauma kommt es häufig auch zu einer Schädigung der Hirnanhangdrüse. Die Folge sind komplexe Störungen des Hormonhaushaltes, die Ärzte relativ leicht übersehen könnten. Davor warnt jetzt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).


Die so genannte Hypophyse - genauer gesagt der Hypophysen-Vorderlappen (HVL) - ist die wichtigste Hormondrüse des Körpers. Denn die Hormone dieser Hirnanhangdrüse steuern andere Hormondrüsen wie die Nebennierenrinde oder die Schilddrüse. Sie beeinflusst auch die Funktion der Fortpflanzungsorgane. Außerdem bildet die Drüse Wachstumshormone.

Eine aktuelle Studie leitet derzeit Professor Dr. med. Günter Stalla vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Er ist im Beirat der Sektion Neuroendokrinologie der DGE. "Bisher ging man davon aus, dass eine Schädigung des Hypophysen-Vorderlappens, die so genannte HVL-Insuffizienz, eine seltene Komplikation des Schädel-Hirn-Traumas ist", erklärt Professor Stalla. Die Hypophyse ist aufgrund ihrer Lage besonders verletzungsgefährdet. Sie liegt im Bereich der Schädelbasis und ist mit dem Zwischenhirn durch einen dünnen 14 Millimeter langen Stiel verbunden. Autopsien von Patienten, die an einem Schädel-Hirn-Trauma verstorben sind, zeigen in bis zu 86 Prozent der Fälle Schäden an der Hypophyse.


Doch erst neuere Untersuchungen konnten zeigen, dass diese Beschädigungen häufig eine HVL-Insuffizienz zur Folge haben. Professor Stalla erläutert, dass bei mindestens 30 Prozent der Patienten eine Hormonstörung nachgewiesen werden könnte, wenn die Ärzte danach suchen würden. Auf Deutschland bezogen sind dies bis zu 80000 Fälle im Jahr - von denen die meisten bisher unerkannt bleiben.

Störungen der Hypophyse sind schwer zu erkennen, weil die Beschwerden sich langsam entwickeln und häufig unspezifisch sind. So kann ein Mangel an Wachstumshormonen beim Erwachsenen zum Leistungsabfall und zu Konzentrationsstörungen führen. Eine Störung der Schilddrüse kann Depressionen, Müdigkeit und Lethargie zur Folge haben. Der Ausfall verschiedener Sexualhormone äußert sich manchmal nur in einem Verlust der Achsel- und Schambehaarung. Andererseits kann ein völliger Ausfall der Kortisonbildung in der Nebennierenrinde für den Patienten lebensbedrohlich sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie fordert deshalb alle Ärzte auf, die Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma behandeln, einen breit angelegten Hormonstatus zu erheben. Das ist auch lange Zeit nach dem Unfall noch wichtig. Denn die HVL-Insuffizienz macht sich manchmal erst drei bis zwölf Monate später bemerkbar.

Anna Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften