Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Gen, das Muskelwachstum bremst, ist auch beim Menschen wirksam

23.06.2004


Seine Blockierung könnte bei Muskelschwund helfen


Sowohl bei Mäusen als auch beim Rind regelt das evolutionär alte Gen "Myostatin" das Muskelwachstum. Es sorgt dafür, daß die Muskelmasse eines Tiers auf normale Umfänge begrenzt bleibt. 1997 erkannte man in USA, daß Mäuse mit Mutationen in diesem Gen doppelt so große Muskelmassen wie normale Mäuse entwickeln. Auch bei Rindern der "Belgian Blue"- und der piedmontesischen Rasse findet sich eine Mutation im Myostatin-Gen. Das nutzt die Landwirtschaft aus und züchtet diese Rinder wegen der Masse ihres Muskelfleisches, das obendrein fettarm ist. Jetzt hat Professor Dr. Markus Schuelke von der "Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Neurologie" der Charité zusammen mit Wissenschaftlern aus Baltimore/USA, Cambridge/USA und Halle gezeigt, daß das Myostatin-Gen auch beim Menschen aktiv ist. Diese Erkenntnis, die Schuelke kürzlich im renommierten Fachblatt "New England Journal of Medicine" ([2004] 350, 38-44) publizieren konnte, dürfte große Auswirkungen auf die Therapie von Muskelschwund beim Menschen haben.

Die Wissenschaftler erkannten in aufwendigen, genetischen Tests an einem Säugling, der mit übermäßig entwickelter Arm- und Beinmuskulatur zur Welt kam, daß das Myostatin-Gen bei diesem Kind eine Mutation aufwies. Inzwischen ist der Junge 4 1/2 Jahre alt und hat seine Muskeln doppelt so stark entwickelt wie seine Altersgenossen. So kann er an ausgestreckten Armen jeweils Drei-Kilogramm-Gewichte halten. Das Kind ist gesund. Ob sich die Muskelhypertrophie später eventuell auch auf den Herzmuskel ausbreitet und dann Beschwerden machen würde, ist zur Zeit nicht erkennbar.


Die Mutter des Kindes war Berufssportlerin. Sie war bereit, sich genetisch testen zu lassen. Dabei ergab sich, daß eine der beiden Kopie des Myostatin-Gens (die der Mensch von Vater und Mutter erbt), bei ihr eine Veränderung, eine Mutation, aufwies. Bei ihrem Sohn waren die Genmutationen jedoch auf beiden ererbten Kopien nachweisbar. Dies führte dazu, daß der Organismus des Kindes kein Myostatin bildet und damit das Muskelwachstum nicht auf das übliche Maß beschränkt bleibt.

Die Tatsache, daß ein Mangel an Myostatin Muskeln wachsen läßt, könnte Patienten helfen, die aus verschiedenen Gründen an Muskelschwund leiden, etwa an der erblichen Muskeldystropie (Duchenne` schen Erkrankung), die schon Kinder betrifft, oder auch Patienten im Alter oder mit Erkrankungen, in deren Folge Muskelschwund auftritt. Man wird versuchen, durch Medikamente das Myostatin teilweise oder ganz zu blockieren, um so das Muskelwachstum anzuregen. Die Pharmafirma "Wyeth Pharmaceuticals" in den USA ist dabei, solche Blocker (Antikörper) zu entwickeln, die im Tierversuch bereits wirksam waren. Mit entsprechenden klinischen Studien dürfte in den kommenden Jahren zu rechnen sein.

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de/mediamed

Weitere Berichte zu: Gen Muskelschwund Muskelwachstum Mutation Myostatin-Gen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Innovative Antikörper für die Tumortherapie
20.02.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Nervenschmerzen zukünftig wirksamer behandeln
20.02.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten