Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Ohrgerüst aus Polyethylen

16.06.2004


In der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Großhadern werden seit etwa einem Jahr Ohrmuschelrekonstruktionen durchgeführt, die in ihrer Methode bundesweit bisher einmalig angeboten werden. Der Direktor der Klinik, Professor Dr. Alexander Berghaus, und sein Oberarzt Dr. Andreas Naumann stellen die fehlenden Anteile des Ohrmuschelgerüstes aus porösem Polyethylen-Material statt - wie sonst üblich - aus körpereigenem Rippenknorpel wieder her.



In Deutschland gibt es eine Ohrfehlbildung auf etwa 2000 Geburten. Die Fehlbildung ist meist einseitig und kommt bei männlichen Patienten häufiger vor. Zusätzlich kommen Patienten mit posttraumatischen Ohrmuscheldefekten (zum Beispiel nach Autounfall, nach fehlgeschlagenen Vor-OPs oder Bissverletzungen) zur Ohrmuschelrekonstruktion. Die gängige OP-Methode ist es, die Ohrmuschel aus dem eigenen Knorpel-Material zu rekonstruieren. Dem Vorteil der guten Biokompatibilität des Knorpels, bei der keine Transplantatabstoßung zu erwarten ist, stehen gravierende Nachteile gegenüber: Die Resorption, Verbiegung oder Schrumpfung von körpereigenem Knorpelgewebe, überschießende Narbenbildung und Brustkorbdeformität (der Entnahmestelle) und die möglichen operativen Komplikationen wie Pneumothorax oder Infektion. Zudem sind bis zum endgültigen Resultat drei bis vier Operationen erforderlich, was es bei dem hohen Anteil von Kindern zu vermeiden gilt.

... mehr zu:
»Ohrmuscheldefekt


"Dies sind alles Gründe, für die ich schon vor 20 Jahren Polyethylen als künstlichen Ersatz für den Knorpel vorgeschlagen habe," so Berghaus, dessen wissenschaftliche Schwerpunkte auch in der Neu- und Weiterentwicklung von Biomaterialien liegen. Der Kunststoff hat inzwischen auch Ärzte in den USA überzeugt, wo jetzt die Implantate in Zusammenarbeit mit Berghaus hergestellt werden. "Poröses Polyethylen hat eine gute Biokompatibilität und erlaubt durch die Porosität das rasche Einwachsen von umgebenden körpereigenem Gewebe. Zudem erreichen wir eine individuell optimale Formgebung und -stabilität. Ein großer Vorteil ist aber auch, dass in der Regel nur ein OP-Schritt benötigt wird, der stationäre Aufenthalt liegt zwischen 6 und 8 Tagen," führt Berghaus aus. Das chemisch reine Material ist sehr gut verträglich und seit über zehn Jahren zur Rekonstruktion von Ohrmuscheldefekten, Nasenverformungen, Mittelgesichtsrekonstruktionen oder Schädelknochendefekten im klinischen Einsatz.

Dr. Andreas Naumann beschäftigt sich seit Jahren mit der Züchtung von Knorpelgewebe. "Trotz ermutigender Ergebnisse der Gewebezüchtung stellen bisher verfügbare Zellen für ein zu rekonstruierendes Ohr aber vorläufig noch keine Alternative dar," kommentiert Naumann die Erwartungen, die oft an Tissue Engineering gestellt werden.

Die Vorstellung dieses Verfahren ist ein Teil des Internationalen Kongress für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie des Ohres und der Nase vom 21. bis 25. Juni 2004 am Klinikum der Universität München in Großhadern. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.otorhino.de.

Bildmaterial kann bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden.

Bei Rückfragen:

Dr. med. Andreas Naumann
Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Klinikum der Universität München - Tel.: 089/7095-3882 - E-Mail: andreas.naumann@med.uni-muenchen.de

S. Nicole Bongard | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Ohrmuscheldefekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik