Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aspirin verbessert Funktion und Überleben von transplantierten Nieren

07.06.2004


Forscherteam des Universitätsklinikums Freiburg berichtet erstaunliche Effekte eines "alten" Medikamentes



Eine niedrig dosierte Aspirin-Therapie verbessert die Funktion und das Überleben von transplantierten Nieren deutlich. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam des Freiburger Universitätsklinikums, zu dem der Nephrologe Professor Dr. Wolfgang Grotz, der Medizinstatistiker Manfred Olschewski, die Medizindoktorandin Sylvia Siebig und der Kardiologe Privatdozent Dr. Karlheinz Peter gehören. In der retrospektiven Studie wurden 830 Patienten nach einer Nierentransplantation untersucht und im Mittel über einen Zeitraum von 15 Jahren nachbeobachtet. Dabei ergab sich für die Gruppe von Patienten, die zusätzlich zur medikamentösen Standard-Therapie mit niedrig-dosiertem Aspirin behandelt wurden, eine um sechs Jahre längere Überlebenszeit des transplantierten Organs. Die Freiburger Forscher empfehlen deshalb die dauerhafte Gabe von niedrig dosiertem Aspirin für die Zeit nach einer Nierentransplantation. Die Ergebnisse werden im Juni in der Fachzeitschrift "Transplantation" veröffentlicht.

... mehr zu:
»Niere »Transplantatabstoßung


Das Forscherteam ging in der vorliegenden Studie von der Hypothese aus, dass Blutplättchen an der Entstehung der chronischen Transplantatabstoßung wesentlich beteiligt sind. Aspirin wird üblicherweise bei arteriosklerotischen Erkrankungen an Herz und Gefäßen sehr erfolgreich eingesetzt. Da die chronische Transplantatabstoßung dem Bild der Arteriosklerose ähnlich ist, wurde in der vorliegenden Studie nun systematisch untersucht, ob Aspirin auch die chronische Transplantatabstoßung abschwächen kann.

In der Patientengruppe mit Niedrigdosis-Aspirintherapie war im Vergleich mit der Kontrollgruppe ohne Aspirinmedikation die mittlere Transplantatüberlebenszeit signifikant im Mittel um sechs Jahre länger. Dieser positive Effekt von Aspirin konnte auch nach umfangreichen multivariaten statistischen Analysen bestätigt werden. Positiv auf die Überlebenszeit des Organs wirkte sich außerdem die Behandlung mit Statinen aus. Diese Cholesterin-senkenden Medikamente haben vermutlich auch eine entzündungshemmende Wirkung. Neben der verlängerten Überlebenszeit weisen transplantierte Nieren unter Aspirin langfristig auch eine bessere Funktion auf.

Der Anstieg des Serumkreatinins als Marker der Nierenfunktion konnte verzögert werden. Deutlich verringert wurde außerdem der Verlust an Eiweißen (Proteinurie) und Blutzellen (Hämaturie). Je länger die Aspirintherapie durchgeführt wurde, um so länger ließ sich die Funktion der transplantierten Niere erhalten.

Insgesamt beschreibt die Studie eine kostengünstige, nebenwirkungsarme, im Bereich arteriosklerotischer Erkrankungen vielfach bewährte Therapie, die bemerkenswerte Funktionsverbesserungen und Überlebensdauern von transplantierten Nieren verspricht. Die Freiburger Forscher sind davon überzeugt, dass sich der Erfolg der Aspirintherapie auch auf die Transplantation anderer Organe, insbesondere Herz und Leber, übertragen lässt.

Kontaktadresse:

PD Dr. Karlheinz Peter
Abteilung Kardiologie und Angiologie
Innere Medizin III
Direktor: Prof. Dr. Ch. Bode
Albert-Ludwigs-Universität
Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg
Tel.: 0761-270-3401, Fax.: -3282
e-mail: peterkh@medizin.ukl.uni-freiburg.de

Dr. Karlheinz Peter | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-freiburg.de

Weitere Berichte zu: Niere Transplantatabstoßung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften