Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Schweine für den Menschen

04.06.2004


In die Xenotransplantation, die Übertragung von Zellen und Organen von Tieren auf den Menschen, werden große Hoffnungen gesetzt, um den massiven Mangel an Spendertransplantaten zu verringern. In einem neuen deutschlandweiten Verbund von Forschergruppen sollen in den nächsten Jahren Schweine entstehen, die mehrfach gentechnisch so verändert sind, dass ihre Zellen und Organe besser verträglich für den Menschen sind. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Vorhaben hat Bruno Reichart, Sprecher der Forschergruppe, auf dem 7. Minisymposium Xenotransplantation im Robert Koch-Institut vorgestellt.



"Bislang verhindern die Abstoßungsreaktionen des Immunsystems, die physiologischen Unterschiede zwischen Tier- und Menschenorgan und die mögliche Übertragung von Mikroorganismen eine klinischen Anwendung der Xenotransplantation", sagte Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts, bei der Eröffnung der Tagung. Auf dem Symposium diskutieren Transplantationsmediziner, Immunologen, Mikrobiologen, Virologen, Ethiker und Juristen neue Ergebnisse und Vorhaben zur Realisierbarkeit und Sicherheit der Xenotransplantation. Organisiert wird das jährlich stattfindende Treffen von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation und der Deutschen Transplantationsgesellschaft.



Schweine sind wegen ihres Stoffwechsels, der dem des Menschen ähnelt, wegen der vergleichsweise großen mikrobiologischen Sicherheit und aus Kostengründen die favorisierten Spendertiere. In den letzten Jahren wurde eine deutliche Verlängerung der Überlebenszeiten von gentechnisch veränderten Schweineorganen in Primaten erreicht. Bei dem DFG-Projekt werden die Zellen und Organe der "multitransgenen" Schweine unter Laborbedingungen auf Langzeitüberleben untersucht. Parallel sollen neue Experimente zur Virussicherheit ausschließen, dass mit den Zellen und Organen vom Schwein krankheitsverursachende Viren auf Menschen übertragen werden.

So genannte Porcine endogene Retroviren (PERVs) stellen ein besonderes Hindernis für die Xenotransplantation dar, da sie in allen Schweinen vorhanden sind und menschliche Zellen infizieren können. Inzwischen gelang es in den USA, gentechnisch veränderte Schweine zu gewinnen, die keine PERVs mehr freisetzen. Weitere Strategien gegen PERVs sind die gezielte Ausschaltung von überlebenswichtigen Genen der Viren durch die so genannte RNA-Interferenz und die Entwicklung eines Impfstoffs gegen PERVs. "Die Forschung auf diesem Gebiet hat auch wichtige Impulse für die Impfstoffentwicklung bei HIV gebracht, das auch zur der Gruppe der Retroviren zählt", meint Joachim Denner vom Robert Koch-Institut, der gemeinsam mit Ralf Tönjes vom Paul-Ehrlich-Institut die Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation leitet, und einen neuen Test zum Nachweis von PERVs entwickelt hat.

Weltweit wurden inzwischen etwa 200 Patienten mit Schweinezellen behandelt, z.B. bei einer Übertragung von Schweinehaut auf Patienten mit gravierenden Brandverletzungen oder von verkapselten Inselzellen vom Schwein auf Diabeteskranke, mit unterschiedlichem Erfolg. "Um die Chancen und Risiken der Xenotransplantation besser zu verstehen, sind weiterhin eine intensive naturwissenschaftliche Forschungstätigkeit und eine sachliche öffentliche Diskussion unabdingbar", unterstreicht Reinhard Kurth.

Heidrun Wothe | idw
Weitere Informationen:
http://www.rki.de

Weitere Berichte zu: PERVs Retrovire Xenotransplantation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Starkes Übergewicht: Magenbypass und Schlauchmagen vergleichbar
17.01.2018 | Universität Basel

nachricht Therapieansatz: Kombination von Neuroroboter und Hirnstimulation aktiviert ungenutzte Nervenbahnen
16.01.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

18.01.2018 | Informationstechnologie

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten