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Forscher verwenden gentechnisch verändertes Virus zur gezielten Infektion von Krebszellen

03.06.2004


Wissenschaftler haben ein gentechnisch verändertes Virus eingesetzt, um gezielt Krebszellen zu infizieren, während gesunde Zellen unbeeinträchtigt bleiben. Dies macht möglicherweise den Weg frei für hochselektive virale Krebsbehandlungen.



Das Team von Cancer Research UK und der Queen Mary’s School of Medicine and Dentistry in London nutzten einen grundlegenden Unterschied im Verhalten von gesunden Zellen und Krebszellen aus. Nach einer Infektion schalten sich normale Zellen selbst ab, um die Verbreitung des Virus einzugrenzen, wohingegen Krebszellen ihre Aktivität nicht stoppen, so dass sich das Virus ausbreiten kann.

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Viren dringen unbemerkt in Zellen ein und zerstören diese, bevor sie sich replizieren und verbreiten, um Nachbarzellen zu infizieren. Das gentechnisch veränderte Virus wurde geschaffen, indem ein Gen namens E1B-19kD entfernt wurde, das dieses Virus und andere nutzen, um unbemerkt in Zellen einzudringen. Durch die nicht mehr vorhandene Tarnung dieses Virus sind gesunde Zellen in der Lage zu erkennen, dass sie infiziert wurden und zerstören sich demzufolge selbst, während Krebszellen darauf programmiert sind, sich nicht abzuschalten, so dass das gentechnisch veränderte Virus sich selektiv im Tumorgewebe ausbreiten kann.

"Das Großartige an dieser Strategie ist, dass die Krebszelle die gesamte Arbeit verrichtet", erklärte der Teamleiter und Direktor des klinischen Zentrums von Cancer Research UK Professor Nick Lemoine. "Sie reproduziert das Virus immer weiter, um die benachbarten Krebszellen zu infizieren. Wird jedoch eine normale Zelle infiziert, begeht sie Selbstmord, bevor das Virus reproduziert werden kann. In diesem Fall werden die benachbarten Zellen nicht infiziert und die Ausbreitung des Virus wird eingedämmt."

Professor Lemoine fügte hinzu, dass der nächste Schritt des Teams darin bestehen werde, ein toxisches Gen in das Virus einzubringen, so dass Krebstumoren vergiftet werden können, während gesundes Gewebe unbeeinträchtigt bleibt. Diese Aufgabe wird durch die Tatsache erleichtert, dass bei dem gentechnisch veränderten Virus bereits ein Gen entfernt wurde, so dass Platz für die Einbringung anderer Gene vorhanden ist.

Ein weiterer Vorteil des neuen Virus besteht darin, dass es sich im Tumor vermehrt, so dass wahrscheinlich nur eine geringe Zahl Kopien des Virus in Kontakt mit den Krebszellen treten muss, damit die Behandlung wirkt. Dies bedeutet, dass eventuell die Möglichkeit besteht, das gentechnisch veränderte Virus einfach in die Blutbahn zu injizieren, anstatt direkt in den Tumor, wie es bei anderen in der Entwicklung befindlichen viralen Therapien der Fall ist.

Auf die Frage, wann die Forschungsergebnisse für die Behandlung von Patienten angewandt werden können, antwortete Professor Lemoine: "Das von uns verwendete Virus kann sich in Tumorgewebe sehr viel schneller reproduzieren als seine Vorgänger und bietet reelle Hoffnung für die Zukunft. Wir planen, das Virus Anfang nächsten Jahres in klinischen Versuchen zu testen."

Professor Robert Souhami, Direktor für klinische und externe Projekte bei Cancer Research UK, fügte hinzu: "Bislang hat sich [das Virus] in Tests wirksam und selektiv zugleich erwiesen. Wir werden jedoch erst in den klinischen Versuchen erkennen können, ob mit diesem Ansatz eine effektive Behandlung von Menschen möglich ist."

| cn
Weitere Informationen:
http://www.cancerresearchuk.org/

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