Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebszellen zum Selbstmord zwingen

02.06.2004


Schwerpunktprogramm "Apoptose" der Deutschen Krebshilfe



Vom 1. bis 3. Juni 2004 findet in Bonn ein wissenschaftliches Symposium zum Schwerpunktprogramm "Apoptose" statt. Dieses Förderprogramm wird von der Deutschen Krebshilfe seit 1999 mit insgesamt rund elf Millionen gefördert. Die beteiligten Forscher beschäftigen sich mit dem programmierten Zelltod, der dafür sorgt, dass defekte Körperzellen absterben. Im Rahmen des Programms werden die molekularen Ursachen dafür weiter entschlüsselt, wieso dieser Mechanismus in Krebszellen nicht funktioniert. Das Ziel: Den programmierten Zelltod in bösartigen Tumoren wieder anzuschalten. Rund 80 Experten nehmen an dem Symposium teil und diskutieren den aktuellen Stand der Forschung.



Der programmierte Zelltod ist für den Körper lebenswichtig: Funktionslose, geschädigte oder alte Zellen werden durch ein kompliziertes System aus Signalen und Botenstoffen in den Selbstmord getrieben. "Krebszellen sind nicht mehr empfänglich für die Apoptose-Signale", erläuterte Professor Dr. Peter Krammer, Koordinator des Förderschwerpunkts, auf der Pressekonferenz anlässlich des Symposiums. "Ein wesentlicher Grund dafür sind Veränderungen in Apoptose-auslösenden Genen." Bei über der Hälfte aller Tumoren ist das Gen p53 gestört. Es ist für die Ausbildung so genannter Todesrezeptoren unerlässlich, die normalerweise die Apoptose auslösen. Bei der Entwicklung neuer Therapie-Strategien verfolgen die Wissenschafter verschiedene Ansätze: "Das Ziel einiger Projekte des Schwerpunktprogramms ist es, intakte Apoptose-auslösende Gene in die Tumorzellen einzuschleusen, um so den programmierten Zelltod in Krebszellen wieder anzuschalten und Therapie-Resistenz zu überwinden", erklärte Professor Dr. Klaus-Michael Debatin, Projektleiter und Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Ulm.

Weitere Forschungsprojekte des Förderschwerpunktes befassen sich mit den Zusammenhängen zwischen Chemo- beziehungsweise Strahlentherapie und Apoptose. "Chemo- und Strahlentherapien wirken deshalb, weil sie in den Krebszellen die Apoptose auslösen", erklärte Professor Krammer. Die Strahlentherapie ist jedoch nicht immer erfolgreich. So können Veränderungen in den Tumorzellen den Ablauf des programmierten Zelltods stören und so möglicherweise die Wirksamkeit der Strahlentherapie vermindern. Eine Forschergruppe hat bereits Moleküle im Visier, die einen regulierenden Einfluss auf die Strahlentherapie haben. Durch gezielte medikamentöse oder genetische Beeinflussung der Apoptose-Signalwege wollen sie die Krebszellen gegenüber einer Bestrahlung empfindlicher machen.

Der Körper wehrt sich mit Hilfe seiner Abwehrtruppen, den weißen Blutkörperchen, gegen Tumorzellen. Das Team um Professor Krammer konnte zeigen, dass die Krebszellen jedoch auch selbst zum Angriff übergehen können: Sie produzieren Eiweißstoffe, die den Zelltod der Immunzellen einleiten und so die Abwehrmechanismen des Körpers außer Kraft setzen. Die Wissenschaftler untersuchen die Mechanismen, mit denen die Abwehrzellen vor dem Angriff der Krebszellen geschützt werden können. Dies bildet die Basis, um eine effektive Immunantwort gegen Tumoren zu ermöglichen.

Das Schwerpunktprogramm "Apoptose-Defizienz und ihre Modulation bei malignen Erkrankungen" wird seit 1999 von der Dr. Mildred Scheel Stiftung für Krebsforschung, einer Tochterorganisation der Deutschen Krebshilfe, gefördert. Nach Ablauf der ersten Förderperiode wurden erneut sechs Millionen Euro bis 2005 bereitgestellt. Insgesamt sind 22 Forschergruppen an verschiedenen Instituten und Kliniken in ganz Deutschland an dem laufenden Schwerpunktprogramm beteiligt. "Durch die enge Vernetzung der einzelnen Projekte entsteht ein deutlich größerer Erkenntnisgewinn im Vergleich zu unkoordinierten Einzelprojekten", erklärte Gerd Nettekoven, Geschäftführer der Deutschen Krebshilfe, den wesentlichen Vorteil des Förderschwerpunkts.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Apoptose Gen Krebszelle Strahlentherapie Tumorzelle Zelltod

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive