Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einnahme von Antibiotika kann Allergien auslösen

01.06.2004


160 Prozent mehr Asthma in 20 Jahren



Das Ansteigen von Allergien und Asthma steht laut den Ergebnissen einer neuen Studie in engem Zusammenhang mit der vermehrten Einnahme von Antibiotika. Durch die Einnahme von Antibiotika wird die natürliche Darmflora derartig gestört, dass das Immunsystem nicht mehr zwischen ungefährlichen Chemikalien und gefährlichen Attacken unterscheiden kann, berichtet der NewScientist.

... mehr zu:
»Allergie »Antibiotikum »Asthma »Darmflora


In den vergangenen 20 Jahren ist die Asthmarate um 160 Prozent angestiegen, bereits ein Viertel aller schulpflichtigen Kinder in den USA und ein Drittel der Kinder in Großbritannien leiden unter Asthma. Als Grund für den Anstieg wurden eine ungesunde Ernährungsweise und zu saubere Häuser vermutet. Forschern der University of Michigan in Ann Arbour ist es nun unter der Leitung Gary Huffnagles gelungen, einen Zusammenhang zwischen der steigenden Zahl von Allergien und der Einnahme von Antibiotika in Mäusen nachzuweisen.

Huffnagle und sein Team haben Mäusen eine Reihe von Antibiotika verabreicht, bevor einigen von ihnen eine spezielle Hefe gefüttert wurde, die auch auf der Haut des Menschen vorkommt. Die natürliche Darmflora der Mäuse war durch die Einnahme der Medikamente gestört und die Hefe breitete sich ohne Nebenwirkungen im Darm der Mäuse aus. Im Laufe der folgenden zwei Wochen wurden allen Mäusen Pilzsporen verabreicht. Derartige Sporen können beim Menschen Allergien auslösen.

Die Mäuse, denen zuvor Hefe verabreicht wurde, zeigten eine wesentlich höhere Immunreaktion auf die Sporen. Dies lässt darauf schließen, dass auch Menschen anfälliger für Allergien sind, wenn ihre Darmflora durch die Einnahme von Antibiotika aus dem Gleichgewicht gerät.

Das Team hat das Experiment mit anderen Mäusen wiederholt, um sicherzustellen, dass dieser Effekt nicht nur bei bestimmten Mäusen auftritt. In der zweiten Testreihe wurde auch ein anderes Molekül verwendet, um die Reaktion auszulösen. Es handelt sich um ein Hühnerei-Protein, genannt Ovalbumin, das in der Allergieforschung häufig verwendet wird. Das Ergebnis bei den Mäusen mit der hohen Immunreaktion erstaunte selbst die Forscher: "Ihre Lungen sind zerrissen, komplett zerrissen. Ich bin mir sicher, dass sie nicht mehr atmen können", sagte Huffnagle.

Er glaubt, dass menschliche Darmbakterien in irgendeiner Weise dafür sorgen, dass das Immunsystem harmlose Moleküle, die in den Magen gelangen, ignoriert. Wie das passiert, kann er jedoch nicht erklären. Die Forschungsergebnisse legen klar dar, dass Antibiotika nur dann eingenommen werden sollen, wenn es keine Alternative gibt. Außerdem sollen Personen, die Antibiotika eingenommen haben, danach probiotische Tabletten zu sich nehmen und auf gesunde Ernährung achten, um die normale Darmflora wieder herzustellen.

Eine weitere Untersuchung in Deutschland nach dem Fall der Berliner Mauer hat ergeben, dass Menschen im Osten weniger an Asthma litten und weniger Antibiotika einnahmen als Menschen im Westen. Beide Gruppen hatten sich jedoch ähnlich ernährt und glichen sich auch genetisch gesehen. Nach dem Fall der Mauer wurden Antibiotika auch von den Bürgern im Osten vermehrt eingenommen und die Asthmaraten sind gestiegen.

Verena Erhart | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.newscientist.com
http://www.umich.edu

Weitere Berichte zu: Allergie Antibiotikum Asthma Darmflora

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen