Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Gehirn bei der Arbeit zuschauen

28.05.2004


Auch in höherem Lebensalter ist das menschliche Gehirn entgegen früherer Sichtweise noch erstaunlich flexibel. Die Anpassung an externe Anforderungen lässt sich zum Beispiel besonders eindrucksvoll am Gehirn von Musikern darstellen, und zwar durch Messung von Magnetfeldern, die bei der Erregung von Nervenzellen entstehen. Untersuchungen zeigen, dass bei Musikern unter anderem die Areale der Großhirnrinde, die für das Hören zuständig sind, deutlich ausgeprägter sind als bei Nichtmusikern. Magnetenzephalographie (MEG) nennt sich das bildgebende Verfahren, das solche und andere spannende Untersuchungen zur Erforschung von Gehirnleistungen ermöglicht. Zu den weltweit führenden Forschungsstätten auf diesem Gebiet gehört das Institut für Biomagnetismus und Biosignalanalyse des Universitätsklinikums Münster (UKM). Am 1. Juni 2004 erfolgt hier die offizielle Übergabe des bundesweit ersten modernen Ganzkopf-MEG-Systems mit 275 Kanälen.


Das MEG zeigt die Aktivierung der für das Hören zuständigen Areale der Großhirnrinde


Mit dem Ganzkopf-MEG-System können Prof. Pantev (Mitte) und sein Team die Magnetfeldverteilung der gesamten Gehirnoberfläche in hoher Auflösung erfassen.



Mit diesem besonders leistungsfähigen Gerät kann die Magnetfeldverteilung der gesamten Gehirnoberfläche hochaufgelöst erfasst und die zeitliche Entwicklung der neuronalen Aktivierung im Bereich von Millisekunden genau verfolgt werden. Damit werden vollkommen neue Perspektiven für die Erforschung von Gehirnleistungen, wie Denken, Verhalten, Gedächtnis, Sprache oder Musik sowie möglicher funktioneller Störungen eröffnet. Rund zwei Millionen Euro kostet solch eine moderne und besonderes leistungsfähige Anlage. Für Münster waren die Kosten um zirka 400.000 Euro niedriger, weil die zur Durchführung der Messungen unverzichtbare magnetische Abschirmkammer hier bereits seit vielen Jahren vorhanden ist.



Mit der Einrichtung des weltweit ersten Lehrstuhls für Biomagnetismus und der Gründung des Instituts für Biomagnetismus und Biosignalanalyse haben die Universität und das Universitätsklinikum Münster die Voraussetzungen für den weiteren Ausbau dieses innovativen Forschungsbereichs in Münster geschaffen. Hervorgegangen ist das neue Institut aus einer gleichnamigen klinischen Forschergruppe am damaligen Institut für Experimentelle Audiologie, wo in der Vergangenheit bereits international anerkannte Pionierleistungen auf diesem Gebiet erbracht wurden. Mit der Berufung von Prof. Dr. Christo Pantev, der bislang als Lehrstuhl-Inhaber für kortikale Plastizität ( Fähigkeit des Gehirns zur steten Veränderung und Formbarkeit) an der Universität Toronto/Kanada tätig war, ist es der Universität Münster
gelungen, im August vergangenen Jahres einen der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet des Biomagnetismus nach Münster zu holen.


Durch das neue Ganzkopf-MEG-System eröffnen sich vielfältige Forschungsprojekte die zu einem besseren Verständnis sowohl des gesunden als auch des erkrankten Gehirn führen sollen. So wollen die münsterschen Wissenschaftler beispielsweise untersuchen, wie Sprache im Gehirn verarbeitet wird, gleichzeitig aber auch den (vorübergehenden) Sprachverlust nach Schlaganfall oder anderen Hirnverletzungen sowie Möglichkeit der Rehabilitation. Weitere Beispiele sind die Erforschung der Neurobiologie des Lernens und mögliche Störungen im Zusammenhang mit Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen. Weitere Beispiele sind Projekte zum Thema Tinnitus, zur Neuorganisation des Gehirns nach Versorgung mit einem Cochlea-Implantat (elektronische Innenohr-Prothese). Bei all diesen Projekten wird das Institut für Biomagnetismus und Biosignalanalyse eng mit Vertretern anderer medizinischer Fachdispziplinen an der Universität und dem UKM, wie etwa der Neurologie, der Psychiatrie, der Radiologie und der Nuklearmedizin, der HNO und Pädaudiologie, zusammenarbeiten.

Der Schwerpunkt Neuromedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster wird durch die Installation des modernen MEG-Systems und die Schaffung eines eigenen Instituts und Lehrstuhls für Biomagnetismus nachhaltig gestärkt. Es stellt eine wertvolle Ergänzung zu anderen bildgebenden Verfahren des Gehirns, wie etwa der Hochfeld-Magnetresonanztomographie dar und versetzt die münsterschen Forscher in die Lage, ihre bislang schon hervorragenden Forschungsleistungen im Bereich der Neuromedizin weiter auszubauen und sich im internationalen Wettbewerb bestens zu positionieren.

Jutta Reising | idw
Weitere Informationen:
http://biomag.uni-muenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie