Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cluster-Kopfschmerz: Der Motor ist die "innere Uhr"

05.06.2001


Eine Fehlregulation biologischer Rhythmen - der "inneren Uhr" - ist der Auslöser des zwar seltenen, aber besonders qualvollen Cluster-Kopfschmerzes. Dies berichtet die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) in den aktuellen Kopfschmerz-News, den Fachinformationen für ihre Mitglieder. Patienten finden ab sofort aktuelle Informationen über Auslöser, Diagnostik und Therapie dieser Kopfschmerz-Form auf der Homepage der DMKG unter www.dmkg.de.

... mehr zu:
»Cluster-Kopfschmerz »MRA

Der Cluster-Kopfschmerz ist zwar sehr selten - höchstens vier von 10 000 Menschen sind betroffen - dafür aber besonders qualvoll. "Dieser Kopfschmerz gehört zu den schlimmsten Schmerzen, unter denen Menschen leiden können", weiß Dr. Arne May von der Neurologischen Klinik der Universität Regensburg.

Der Clusterschmerz, unter dem Männer häufiger leiden als Frauen, "sitzt" hinter einem Auge und wird von weiteren Symptomen in der betroffenen Gesichtshälfte begleitet. Er tritt meistens episodisch auf, vor allem im Frühjahr und Herbst. Mehrwöchige aktive Phasen mit bis zu acht Attacken pro Tag, die jeweils eine halbe bis zwei Stunden dauern, wechseln sich mit schmerzfreien Phasen ab. "In der Attackenphase können die Patienten keine Nacht durchschlafen", berichtet May.


Zwar ist diese Kopfschmerzart vergleichsweise einfach zu diagnostizieren. Weil sie jedoch selten ist, dauert es oft viele Jahre bis zumeist ein Kopfschmerz-Spezialist die korrekte Diagnose stellt und eine wirksame Behandlung einleitet.

Entzündungen an erweiterten Blutgefäßen im Gehirn galten bislang als Ursache der Pein. Doch der ausgeprägte zeitlich gebundene ("zirkadiane") Rhythmus der Attacken und das zyklische Auftreten der aktiven Phasen brachten die Forscher auf eine andere Spur: Möglicherweise, so ihre Hypothese, spielt bei dieser Kopfschmerzart die "innere Uhr" eine Rolle.

Dass dieses zutrifft, konnte May in Zusammenarbeit mit britischen Kollegen nun mit einer Serie von ausgeklügelten Studien an Patienten und gesunden Probanden nachweisen: Untersuchungen mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) belegen, dass bei Cluster-Patienten während einer Attacke bestimmte Strukturen im Hypothalamus, dem Sitz der "inneren Uhr" besonders aktiv sind. Aktiv war dieser "Motor" des Cluster-Kopfschmerzes sowohl bei spontanen Attacken als auch bei Anfällen, die die Wissenschaftler durch eine Nitroglycerin-Behandlung bei Cluster-Patienten auslösten, die sich gerade in einer aktiven Phase befanden. Außerhalb dieser aktiven Phase konnte die Nitroglycerin-Behandlung weder eine Attacke auslösen noch den "Cluster-Motor" im Hypothalamus anwerfen. Inaktiv blieb diese Gehirnregion auch bei gesunden Probanden, bei denen die Wissenschaftler einen experimentellen Kopfschmerz auslösten.

Erweiterte Blutgefäße sind Begleiterscheinung und nicht Ursache

Weitere Untersuchungen mit der so genannten Magnet-Resonanz-Angiographie (MRA) belegen darüber hinaus, dass erweiterte Blutgefäße im Gehirn offensichtlich eine unspezifische Begleiterscheinung von Kopfschmerzen sind: Sowohl bei Cluster-Attacken als auch bei experimentellen Kopfschmerzen sind die Hirnarterien erweitert. Auch bei der Migräne treten derartige Gefäßveränderungen auf. "Wir gehen daher davon aus", erklärt May, "dass der Cluster-Kopfschmerz ursächlich durch eine Fehlfunktion der "inneren Uhr" im Gehirn verursacht wird und die Gefäßveränderungen nur eine Folge dieser Störung sind.

Herkömmliche Schmerzmittel sind bei Cluster-Schmerz wirkungslos, da ihre Wirkung nicht schnell genug eintritt. Mittel der ersten Wahl ist das Migränemedikament Sumatriptan, weil der Patient es sich mit einem Autoinjektor unter die Haut spritzen kann. Etwa 70 Prozent der Patienten profitieren davon, wenn sie reinen Sauerstoff über eine Maske einatmen. Bei länger andauernden Cluster-Phasen setzen Kopfschmerz-Experten auch bestimmte Medikamente zur Prophylaxe ein.

Quellen:
Kopfschmerz-News 1/2001, Fach-Informationen für die Mitglieder der DMKG
May, A, Bahra A, Büchel C, Frackowiak RSJ, Goadsby PJ. PET and MRA findings in cluster headache and MRA in experimental pain.
Neurology 2000;55:1328-1335

Pressestelle:
Barbara Ritzert, ProScientia GmbH
Andechser Weg 17; 82343 Pöcking
Tel.: (08157) 93 97-0, Fax: (08157) 93 97-97
E-Mail: ritzert@proscientia.de

Rückfragen an:
Dr. med. Arne May, Neurologische Universitätsklinik, Universitätsstraße 84, 93053 Regensburg
Tel.: 0941-941-0, Fax: 0941-941-3075, E-Mail: arne.may@klinik.uni-regensburg.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de/

Weitere Berichte zu: Cluster-Kopfschmerz MRA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften