Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Biotechnologie ist für die moderne Medizin und für Millionen Patienten unverzichtbar

30.05.2001



"Gentechnisch hergestellte Arzneimittel sind Meilensteine für die Medizin. Sie bieten vor allem bessere, gezieltere und sichere Behandlungsmöglichkeiten. Ihr therapeutischer Nutzen ist unbestritten, und sie genießen zu Recht eine hohe Akzeptanz bei Patienten und Ärzten", erklärte heute die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Cornelia Yzer, in Berlin. Vor der Bundestags-Debatte zur Gentechnik am Donnerstag unterstrich die VFA-Hauptgeschäftsführerin: "Bei der Suche nach neuen und besseren Medikamenten hat sich die Biotechnologie in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einer unverzichtbaren Schlüsseltechnologie entwickelt." Die forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland seien daran maßgeblich beteiligt. "Der Biotech-Standort Deutschland hat nach seinem Dornröschenschlaf bis in die 90er Jahre deutlich an Fahrt gewonnen und ist in die Spitzengruppe aufgerückt. Diese positive Entwicklung darf jetzt nicht gefährdet werden."

Yzer mahnte, dass die derzeitige Diskussion um neue Forschungsgebiete der Biotechnologie nicht in eine Fundamental-Debatte abdriften dürfe. Streitpunkte wie die Forschung mit embryonalen Stammzellen oder die Präimplantationsdiagnostik (PID) behandelten wissenschaftliche Optionen, die zu recht in allen Teilen der Gesellschaft diskutiert würden. Der Kern der biotechnologischen Forschung und Entwicklung sei davon zur Zeit nicht betroffen. "Diese ethischen Fragen dürfen daher nicht mit dem bewährten Einsatz der Biotechnologie für die Erforschung und Herstellung innovativer Arzneimittel in einen Zusammenhang gestellt werden", bekräftigte die VFA-Hauptgeschäftsführerin. "Gentechnisch hergestellte Medikamente sind für Millionen von Patienten in Deutschland bereits unverzichtbar - zum Beispiel bei Diabetes, Krebs, Multipler Sklerose oder der Bluterkrankheit."

Seit Mitte der siebziger Jahre bestimmt die Gentechnik in einer rasanten Entwicklung die Arzneimittelforschung. 1986 wurde mit Insulin das erste gentechnisch hergestellte Medikament in Deutschland zugelassen. Yzer: "Heute sind es bereits 80 dieser Arzneimittel mit 60 verschiedenen Wirkstoffen." Die Biotechnologie ermöglicht die Herstellung von natürlich vorkommenden Substanzen, die als Arzneimittel verwendet werden können. Damit können Wirkstoffe, die bisher nur unter sehr großem Aufwand und in kleiner Menge hergestellt werden konnten, in nahezu unbegrenzter Menge zur Verfügung gestellt werden:

  • Ein klassisches Beispiel hierfür ist das Humaninsulin. Bevor es gentechnisch hergestellt werden konnte, waren Diabetiker auf Insulin aus den Bauchspeicheldrüsen von Schlachttieren (Rindern und Schweinen) angewiesen. Da dieses nicht mit dem menschlichen körpereigenen Insulin identisch ist, konnte es bei längerer Anwendung zu Abwehrreaktionen des Körpers kommen. Gentechnisch hergestelltes Humaninsulin provoziert diese Nebenwirkungen nicht.
  • Ein weiteres Beispiel sind Blutgerinnungsfaktoren. Diese können zwar aus Blutplasma isoliert werden - problematisch bei diesem Verfahren ist jedoch das Angewiesensein auf Blutplasmaspenden und die aufwendige Kontrolle der Spenden auf mögliche Infektionserreger (z. B. HIV, Hepatitis). Gentechnisch hergestellte Blutgerinnungsfaktoren stellen nicht nur die Versorgung der Bluterkranken sicher, ohne auf Blutplasmaspenden angewiesen zu sein, sondern verhindern auch die Übertragung von Infektionserregern.
  • Zur Behandlung der Gaucher-Krankheit, die sich unter anderem in einem starken Anschwellen von Leber und Milz äußert, benötigt man das Enzym Glucocerebrosidase. Dieses wurde bislang aus Plazenten gewonnen. Zur Versorgung eines Patienten wurden bis zu 20.000 Plazenten verbraucht. Dank Gentechnik kann die Versorgung mit diesem wichtigen Medikament ohne Rückgriff auf Plazenten sichergestellt werden.
  • Bei der Herstellung von Impfstoffen bietet die Gentechnik enorme Vorteile, da auf den Umgang mit Erregern bei der Herstellung oder als Bestandteil des Impfstoffes selbst verzichtet werden kann. Gentechnisch hergestellte Impfstoffe gibt es z. B. gegen Hepatitis B, aber auch gegen Keuchhusten und Pneumokokken-Infektionen.
  • Im Kampf gegen Multiple Sklerose und Krebs stellen biotechnisch produzierte Arzneimittel entscheidende Werkzeuge dar. Hier kommen gentechnisch hergestellte Interferone und gentechnisch modifizierte monoklonale Antikörper zum Einsatz.
  • Bei der Verhinderung der Abstoßung von transplantierten Organen können gentechnisch humanisierte monoklonale Antikörper ebenfalls hilfreiche Dienste leisten.

Die VFA-Hauptgeschäftsführerin verwies darauf, dass bereits heute kaum ein Medikament erforscht wird, bei dessen Entwicklung nicht zu irgendeinem Zeitpunkt biotechnologische Methoden genutzt werden:

  • Dank Gentechnik wird die Entdeckung der molekularen Ursachen von Krankheiten beschleunigt. Mit diesen Kenntnissen können Tests entwickelt werden, mit denen spezielle Maschinen Millionen Substanzen auf spezifische Wirkungen untersuchen können.
  • Durch Gentechnik in Kombination mit moderner Computertechnologie können neue Medikamente im sogenannten drug-design-Verfahren wie am Zeichentisch entworfen werden. Die langwierige Suche nach neuen Leitsubstanzen für innovative Therapien kann so erheblich effizienter gestaltet werden.
  • Mit Hilfe sogenannter DNA-Chips wird es bald nicht nur möglich sein, bestimmte ererbte Erkrankungen festzustellen, sondern auch zu analysieren, ob es genetische Faktoren gibt, die zu einer Unverträglichkeit bestimmter Arzneimittel beitragen. Mit diesem Wissen wird es möglich, auch bereits vorhandene Arzneimittel noch gezielter als bisher einzusetzen.

"Heute stellt niemand mehr die gentechnische Produktion von Arzneimitteln ethisch in Frage", bekräftigte Yzer. "Die Entwicklung der Wissenschaft ist rasant. Wir alle werden immer wieder über die neuen Möglichkeiten zu entscheiden haben. Ich bin mir sicher: Mit unserem bewährten Wertesystem können wir auch die Antworten auf die neuen Fragen finden." Die Herausforderungen seien weiterhin groß. "Zwei Drittel aller bekannten Krankheiten sind bisher nicht adäquat therapierbar. Im Interesse der Patienten müssen wir die Chancen der Biotechnologie weiterhin verantwortungsvoll nutzen", betonte die VFA-Hauptgeschäftsführerin abschließend.

Marc Rath | ots

Weitere Berichte zu: Biotechnologie Gentechnik Multiple Sklerose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Spezialisten-Zellen helfen Gedächtnis auf die Sprünge
17.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie