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Frühe Traumata erhöhen Risiko von Alkoholsucht

12.05.2004


Neue Erkenntnisse zur Suchtmedizin in Hannover vorgestellt



Nach einer heute, Mittwoch, im Rahmen eines Symposiums zur Suchtmedizin vorgestellten Studie, ist erwiesenn, dass frühe Traumata das Risiko von Alkoholsucht erhöhen. Neben Experten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben Psychologen und Suchtmediziner aus ganz Deutschland zum Thema "Trauma und Sucht" referiert.



Zwischen zehn und 50 Prozent der Menschen, die ein traumatisches Erlebnis hatten, entwickeln direkt oder mit einer Verzögerung von bis zu einem halben Jahr eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder eine andere psychische Störung, wie etwa Depressionen und Angstzustände. "Heute wissen wir, dass manche Ereignisse häufiger eine posttraumatische Belastungsstörung zur Folge haben als andere: Vergewaltigungen zu 50 Prozent, Verkehrsunfälle lediglich in zehn bis 20 Prozent der Fälle", so Martin Driessen vom Zentrum für Psychiatrie und Psycho-therapeutische Medizin, Krankenanstalten Gilead in Bethel. Der Mehrzahl der Betroffenen könne mit psycho-therapeutischen Interventionen geholfen werden. Komplizierter sei die Situation, wenn nicht nur einmalige, so genannte Typ-1-Traumata, sondern lebensgeschichtlich frühe, wiederholte, anhaltende und/oder komplexe Traumatisierungen wie sexueller Missbrauch vorliegen (Typ 2). Dann kommt es zu langanhaltenden und tiefgreifenden Störungsmustern. Der Experte betont jedoch, dass es sich bei traumatischen Ereignissen grundsätzlich um existenziell bedeutsame Ereignisse handelt, die bei fast jedem Menschen Angst und Schrecken sowie das Gefühl des Bedrohtseins auslösen.

Studien mit Alkoholabhängigen sprechen für eine hohe Rate psychischer Traumatisierungen in dieser Gruppe. Die US-Wissenschaftler um Kenneth Kendler hatten in einer vor wenigen Jahren veröffentlichten Studie gezeigt, dass traumatische Erfahrungen in der Kindheit und Jugend das Risiko einer späteren Abhängigkeitserkrankung um das Dreifache erhöhen, bei schwerer sexueller Traumatisierung sogar um den Faktor 5,7. Erste psychologische und neurobiologische Ansätze zum Verständnis des Zusammenhangs von Trauma und Sucht werden diskutiert, bleiben aber noch im spekulativen Bereich. In Europa beschäftigt sich insbesondere eine Amsterdamer Forschergruppe um Wim van den Brink mit Fragen der klinischen Bedeutung traumatischer Erfahrungen bei Abhängigen.

Willemien Langeland vom Institut für Suchtforschung der Freien Universität Amsterdam berichtet, dass Auswertungen von Studien unter Alkoholikern ergeben haben, dass körperliche sowie seelische Übergriffe in der Kindheit sowohl bei Frauen als auch bei Männern eine spätere Alkoholabhängigkeit zu begünstigen scheinen. Auch Begleiterkrankungen wie Angstzustände treten häufiger auf. Bei Frauen, die sexuell missbraucht wurden, ist der Krankheitsverlauf sogar deutlich schwerer. Langeland plädiert daher dafür, in Zukunft stärker als bisher Alkoholabhängige immer auch daraufhin zu untersuchen, ob Traumatisierungen vorliegen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

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